Schweden bald neuer Corona-Hotspot? Ignoranz bereitet Sorgen

- Quelle: dpa/wetter.com
Bund und Länder haben sich auf einheitliche Corona-Regeln geeinigt.
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Es scheint, als würde Schweden die Corona-Krise ignorieren. Trotz aller Warnungen sind viele Skigebiete noch immer gut besucht. Droht bald ein ähnliches Szenario wie in Ischgl?

Die schwedische Regierung geriet in den letzten Tagen zunehmend in die Kritik, weil sie im Kampf gegen das Coronavirus einen laxeren Kurs fährt als andere Länder Europas. 

So herrscht in einigen Skigebieten Schwedens Hochbetrieb - und das obwohl die jüngste Entwicklung aus Ischgl in Österreich zeigt, dass Skigebiete regelrechte Brutstätten des Coronavirus sind.     

Nichts aus Ischgl gelernt? Skigebiet wird zum Corona-Herd

Neben Italien gehört unter anderem der beliebte Wintersportort Ischgl zu den Corona-Hotspots Europas. 

Der Grund: Vor allem auf Après-Ski-Partys konnte sich das Coronavirus unter den Skiurlaubern rasend schnell verbreiten. Nicht nur in Ischgl gab es jede Menge bestätigter Corona-Fälle. Auch viele Heimkehrer aus Deutschland und anderen Ländern wurden positiv auf das Coronavirus getestet, die wiederum weitere Personen infizierten.

Corona-Hotspot? Wiederholung in Schweden befürchtet

Während in Deutschland bereits Ausgangssperren und Kontaktverbote (siehe Video oben) im Kampf gegen das Coronavirus verhängt wurden, gibt es in Schweden nur wenige Maßnahmen. Bislang galt in Schweden nur die Grenze, dass alle Veranstaltungen mit mehr als 500 Menschen verboten sind. 

Im Skiort Sälen beispielsweise wurde am vergangenen Wochenende dennoch ausgiebig gefeiert und damit den Empfehlungen, anderen nicht zu nahe zu kommen, getrotzt. Der Veranstalter versicherte, dass man sich an die Vorgaben halte und dass zur Après-Ski-Party nicht mehr als 499 Personen eingelassen würden.

Auch das Skigebiet Åre, das zu den größten Skigebieten Skandinaviens gehört, ist trotz der Zunahme bestätigter Corona-Fälle noch immer geöffnet. Ärzte und Politiker fordern, dem Treiben ein Ende zu setzen. Denn besonders zu Ostern wird eine Flut an Touristen erwartet.

Viele Experten halten einen Impfstoff für das einzige Mittel, um das Coronavirus tatsächlich einzudämmen. Wie weit die Forschung ist und an welchen Impfstoffen die Wissenschaftler arbeiten, erfährst du im Video.

An der Entwicklung des Corona-Impfstoffes arbeiten Forscher mit Hochdruck.
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Forderungen nach strengeren Maßnahmen werden laut

Sofia Leje vom ärztlichen Dienst in Åre sagte am Donnerstag: Aus medizinischer Sicht müssten die Skianlagen geschlossen werden. "Wir müssen die Touristenflut stoppen. Es ist wichtig, dass wir von den Erfahrungen anderer Skiorte in Europa lernen, wo sich die Infektion ausgebreitet hat." Davon abgesehen könnte ihr ärztliches Personal einen großen Ansturm an Patienten nicht bewältigen.

Schon jetzt gibt es laut der Johns Hopkins Universität Baltimore in Schweden mehr als 2000 registrierte Corona-Fälle sowie über 30 Todesopfer.  Die Krankenhäuser sollten sich darauf vorbereiten, dass die Covid-19-Infizierten zunehmen. Das Problem dabei: Im ganzen Land gebe es nur 523 Intensivbetten. Zum Vergleich: In Deutschland gibt es rund 30.000.

Schwedens König ruft Bürger zu verantwortungsvollem Handeln auf

Im Angesicht dieser Tatsache hat auch Schwedens König Carl XVI. Gustaf die Bevölkerung aufgerufen, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen. "Jetzt müssen wir alle in Schweden - du und ich - alles tun, um zu helfen", sagte der 73-Jährige am Mittwoch nach einem außerordentlichen Treffen mit dem Kabinett. Alle sollten auf den Rat der Behörden hören und Menschenansammlungen vermeiden. Das gelte besonders für ältere Menschen.

Auf welche Corona-Symptome du nach deinem Skiurlaub achten solltest, erklären wir dir in diesem Video:

Viele Restaurants und Schulen in Schweden offen

Auch außerhalb der Skigebiete Schwedens bleiben viele Restaurants, Cafés und Kneipen geöffnet. In den Lokalen sei bis auf Weiteres aber nur noch die Bedienung am Tisch für sitzende Gäste erlaubt, teilten Sozialministerin Lena Hallengren und Gesundheitsbehördenchef Johan Carlson am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Stockholm mit. An der Bar dürfen demnach keine Getränke oder Speisen mehr serviert werden. Take-Away-Speisen und Buffets sind von den Maßnahmen nicht betroffen.

Im Gegensatz zu Deutschland und anderen Ländern behalten die Schweden auch ihre Vor- und Grundschulen geöffnet. Eine Schließung sei derzeit nicht aktuell, sagte Carlson. Schwedische Gymnasien, Universitäten und Berufsschulen sind bereits geschlossen worden und unterrichten ihre Schüler und Studenten aus der Ferne. 

Nach Kritik: Einige Après-Ski-Clubs schließen

Immerhin zeigt die massive Kritik an ausschweifenden Après-Ski-Partys in Schweden mittlerweile etwas Wirkung. Mehrere Restaurants und Clubs in den Skigebieten haben am Wochenende ihren Betrieb eingestellt.

Auf der Webseite der Nachtclubs Bygget und After Skin in Åre hieß es am Samstag: "Da der Schwerpunkt im Kampf gegen Infektionen nun darauf liegt, dass sich Menschen nicht in Innenräumen versammeln, sehen wir keine andere Maßnahme als diese." Auch in Sälen und Idre haben die Nachtclubs aufgrund der zunehmenden Kritik mittlerweile zugemacht.

Zusammenkünfte mit mehr als 50 Teilnehmern sind seit Sonntag (29.03.2020) ebenfalls verboten.

Fußballmeisterschaft in Weißrussland mit Fans

Total ignorant gegenüber der Coronagefahr zeigt sich leider auch Weißrussland. Dort werden die Spiele um die Fußballmeisterschaft planmäßig ausgetragen. Sogar Fans sind im Stadion erlaubt. 

Dass sich die Maßnahmen der Länder Europas im Kampf gegen das Coronavirus so stark unterscheiden, hängt auch davon ab, in welchem Stadium der Epidemie sich das jeweilige Land befinde, so Schwedens Epidemiologe Anders Wallensten gegenüber "Sveriges Radio".

Welche Regeln in Deutschland gelten, zeigen wir dir in diesem Video. 

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