Erste deutsche Kommunen planen Maskenpflicht

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Erste deutsche Kommunen planen Maskenpflicht
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In der ersten deutschen Stadt sollen sich alle Einwohner jetzt einen Mundschutz nähen.

Nach dem Beschluss in Österreich plant nun auch Jena das verpflichtende Tragen von Atemschutzmasken in bestimmten Alltagssituationen. Ist diese Maßnahme wirklich sinnvoll?

In Deutschland kann in Sachen Coronavirus noch keine Entwarnung gegeben werden. Die Fallzahlen und Todesfälle steigen weiterhin von Tag zu Tag an. Die erste Stadt in Deutschland plant deshalb eine Verschärfung der bereits bestehenden Schutzmaßnahmen in Form einer Maskenpflicht an bestimmten Orten. Auch in Österreich wurde eine solche Regelung am Montag eingeführt. Doch wie sinnvoll ist eine solche Maßnahme? 

Stadt Jena und Landkreis Nordhausen planen Maskenpflicht

Die Stadt Jena plant in der Coronavirus-Pandemie eine Maskenpflicht. "In einer Woche soll das Tragen eines Mund-und-Nasen-Schutzes in Jenaer Verkaufsstellen, dem öffentlichen Nahverkehr und Gebäuden mit Publikumsverkehr verpflichtend werden", teilte die Stadt mit. Die Maßnahme sei vom Fachdienst Gesundheit angemahnt worden. Ziel sei es, die Sicherheit des Personals im öffentlichen Leben zu erhöhen. Neben Masken seien auch Tücher oder Schals als Schutz möglich, wenn sie Nase und Mund bedeckten.

Die Stadt hat nach eigenen Angaben eine Grundausstattung an Masken. Damit wolle man Pflegekräfte, Ärzte, Fahrer im öffentlichen Nahverkehr und andere Menschen in systemrelevanter Infrastruktur versorgen. An die Bevölkerung erging die Bitte: "Nähen Sie sich selbst und anderen Menschen den wichtigen Mund-Nasen-Schutz, um die Verbreitung des Virus einzudämmen."

Nach Jena kündigte auch der thüringische Landkreis Nordhausen eine entsprechende Verfügung an. 

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Mundschutz-Pflicht in Österreich beschlossen

Die österreichische Regierung verschärfte die Maßnahmen im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie. Am Montag wurde unter anderem eine Mundschutz-Pflicht für Einkäufe in Supermärkten angekündigt.

Zu Beginn der Coronakrise hieß es von vielen Seiten, dass die Verwendung einer Atemschutzmaske nicht nötig sei, da die wenigsten zuverlässig vor einer Ansteckung schützen und auch nicht so viele zur Verfügung stehen. Nun hat man das Gefühl, dass ein Umdenken stattfindet.

Sind Masken als Coronaschutz jetzt also doch sinnvoll? 

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus keinen Nutzen im allgemeinen Mundschutztragen. Es gebe keinerlei Anzeichen dafür, dass damit etwas gewonnen wäre, sagte der WHO-Nothilfedirektor Michael Ryan am Montag in Genf. Vielmehr gebe es zusätzliche Risiken, wenn Menschen die Masken falsch abnehmen und sich dabei womöglich infizieren.

Auch das Robert Koch-Institut (RKI) hält noch immer das Einhalten der Hygiene-Maßnahmen und das Abstandhalten als wichtigste und erffektivste Maßnahme zum persönlichen Schutz sowie zum Schutz der Mitmenschen vor einer Ansteckung mit Coronaviren.

Jedoch heißt es auf der Webseite des RKI auch: "Wenn sich eine an einer akuten respiratorischen Infektion erkrankte Person im öffentlichen Raum bewegen muss, kann das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes (MNS) oder einer alternativen, ggf. textilen Barriere im Sinne eines MNS durch diese Person sinnvoll sein, um das Risiko einer Ansteckung anderer Personen durch die größtmögliche Zurückhaltung von Tröpfchen, welche beim Husten oder Niesen entstehen, zu verringern."

Wie weit die Forschung bei der Suche nach einem Impfstoff ist, erfährst du im Video:

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Das sollte beim Tragen einer Schutzmaske beachtet werden

Laut RKI ist es für die optimale Wirksamkeit wichtig, dass ein Mund-Nasen-Schutz (MNS) eng anliegend getragen wird, er bei Durchfeuchtung gewechselt wird und während des Tragens keine Manipulation vorgenommen werden kann.

Weiter betont das Institut: "Auf keinen Fall sollte das Tragen eines MNS oder einer anderen Form der Barriere dazu führen, dass Abstandsregeln nicht mehr eingehalten oder die Händehygiene nicht mehr umgesetzt wird".

Virologe Drosten über das Tragen von Schutzmasken

Seine Stimme hat aktuell viel Gewicht in Deutschland. Virologe Professor Christian Drosten hat in einer Folge des NDR-Podcasts "Das Coronavirus-Update" erklärt, wieso er das Tragen von Schutzmasken aktuell durchaus für sinnvoll hält.

So erklärt er zwar einerseits, dass es in Europa bereits jetzt einen Mangel an Schutzmasken gebe, weshalb die Kliniken sich bereits "berechtigte Sorgen" machen, sollte die allgemeine Bevölkerung jetzt auf die Bestände zugreifen wollen. Deshalb sei das Tragen einer Maske nur dann sinnvoll, solange es keine ist, die einer Klinik dann eventuell fehlt und weggenommen wird. Folglich könne man sich selbst eine alternative Maske aus Stoffresten nähen oder einen Schal oder ein Halstuch verwenden.

Schutzmaske kann auch psychologischen Effekt haben

Andererseits denkt auch der Virologe, dass es sinnvoll sein kann, die Masken in der Öffentlichkeit zu tragen, beispielsweise beim Einkauf im Supermarkt. Also immer dann, wenn Menschen sicherstellen wollen, nicht unbewusst andere anzustecken, also als Fremd- und weniger als Eigenschutz.  Immerhin kann man bereits ansteckend sein, ohne Symptome zu haben. Drosten nennt dies eine "Höflichkeitsgeste".

Gleichzeitig könne eine Maske über Mund und Nase den psychologischen Effekt haben, dass man konstant an die Gefahr einer Ansteckung erinnert wird. So könne man verhindern, sich unbewusst weiterhin ins Gesicht zu fassen. Er betont jedoch auch, dass man nicht sorglos werden sollte, wenn man eine Maske trägt. Man solle trotzdem Abstand halten und Hygiene-Maßnahmen nicht vernachlässigen.

Debatte über Maskenpflicht in ganz Deutschland

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hält einen Mundschutz beim Einkaufen wegen des Coronavirus für sinnvoll, will ihn aber noch nicht zur Pflicht machen. "Dazu müssen wir erst die ausreichende Zahl an Masken haben, ohne dass der vorrangige Einsatz im medizinischen und pflegerischen Bereich beeinträchtigt wird. Dieser hat absolute Priorität“, teilte Kretschmann am Montag in Stuttgart mit. Er werde das Thema am Mittwoch in der Runde der Ministerpräsidenten und der Kanzlerin aufrufen. 

Auch nach Angaben des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) ist eine Maskenpflicht in Bayern derzeit nicht geplant. Er schließe nicht aus, dass das auch in Deutschland eine Möglichkeit sein könnte, sagte Söder am Montag in München. Aber: "Derzeit ist nicht geplant, das zu tun." 

Der FDP-Verkehrspolitiker Oliver Luksic sprach sich dafür aus, dass Fahrgäste in Bussen und Bahnen einen Mundschutz tragen. Der Bundestagsabgeordnete sagte der Deutschen Presse-Agentur: "In Deutschland sind Schulen, Spielplätze und die meisten Geschäfte geschlossen. Im öffentlichen Nahverkehr fahren gleichzeitig Fahrgäste in wenigen, oft vollen Fahrzeugen." Gerade hier biete in der jetzigen Lage aber das Tragen eines Mundschutzes eine gewisse Sicherheit für alle Fahrgäste und sei sinnvoll, damit die Bürger sicher den öffentlichen Personennahverkehr nutzen könnten.

Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach sagte der "Passauer Neuen Presse" (Mittwoch): "Wenn wir ausreichend medizinische Masken von hoher Qualität haben, um das medizinische Fachpersonal zu versorgen und gleichzeitig die Bevölkerung, wäre eine Maskenpflicht im öffentlichen Personen-Nahverkehr oder auch in Supermärkten durchaus sinnvoll." Die Pflicht für eine selbstgebastelte Maske sehe er kritisch. Es gebe keine Studien, dass solche Masken etwas bringen. "Im Gegenteil: Eine feuchte, selbstgebastelte Maske, die dann auch noch angefasst wird, würde das Risiko für die Betroffenen erhöhen. Eine Mundschutz-Pflicht wäre nur bei medizinischen Masken sinnvoll."

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte sich am Dienstag gegen eine Tragepflicht für Schutzmasken in Deutschland ausgesprochen. "In der jetzigen Lage sehe ich keine Notwendigkeit zu einer Verpflichtung", sagte der CDU-Politiker am Dienstag in Düsseldorf.

So knapp sind Schutzmasken in Deutschland

Für den Kampf gegen das Coronavirus sind über den Bund inzwischen 20 Millionen dringend benötigte Atemschutzmasken beschafft worden. Sie wurden an Länder und Kassenärztliche Vereinigungen für die Verteilung an Kliniken, Praxen und Pflegeheime ausgeliefert, wie ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Montag in Berlin sagte.

Die Beschaffung von Schutzausrüstung laufe weiter. Auch Unternehmen anderer Branchen hätten mittlerweile umgestellt und produzierten Masken, darunter etwa in der Textilindustrie.

Die FDP forderte weitere Anstrengungen der Regierung. "Dabei geht es um Produktion im Inland - notfalls mit Abnahmegarantien", sagte Fraktionsvize Michael Theurer der dpa. "Andererseits geht es um eine Luftbrücke zu den seriösen chinesischen Anbietern, um sicherzustellen, dass Ware vernünftiger Qualität auch tatsächlich in Deutschland ankommt." Es fehlten etwa eine Milliarde Schutzmasken.

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