Viele Corona-Neuinfektionen: Wo Urlaub jetzt riskanter wird 

- Quelle: dpa/wetter.com
In den meisten Urlaubsländern ist im Juli die Zahl der Covid-19-Infizierten angestiegen.
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Es ist Urlaubszeit in Deutschland. Viele Menschen planen trotz der Corona-Pandemie eine Reise. Doch ist das ratsam? In vielen Ländern steigen die Infektionszahlen aktuell wieder an.

Bei der Pressekonferenz vom Robert Koch-Institut (RKI) am Dienstag betonte Lothar Wieler wieder einmal, dass die Corona-Pandemie noch nicht vorbei sei. Wir befinden uns noch mittendrin. Gerade jetzt wollen viele Menschen verreisen, denn es ist Urlaubszeit. Innerhalb von Europa sind die Grenzen größtenteils wieder offen und eine Reise ist grundsätzlich nicht verboten.  

Länder, die vom RKI als Risikoländer gelten, siehst du in dieser Infografik von Statista:

 

Blickt man aber auf die Corona-Neuinfektionen in beliebten Urlaubsländern der letzten Tage, kann man leicht ein mulmiges Gefühl bekommen. Denn: Vielerorts steigen die Infektionszahlen wieder an. Wie sich das grafisch auswirkt, kannst du im Video am Anfang des Artikels sehen.  

Die Lage in Spanien 

Mit mehr als 270.000 nachgewiesenen Infektionen und über 28.400 Toten ist Spanien eines der von der Pandemie am schwersten betroffenen Länder Europas. Landesweit sind die Zahlen zwar seit Mitte Mai stark gesunken. Aber nach dem Ende des Corona-Notstandes mit strikten Ausgangsbeschränkungen gibt es wieder lokale Ausbrüche. Insgesamt lag die Zahl der täglich registrierten Neuinfektionen zuletzt in etwa so hoch wie Anfang Mai, allerdings waren die Betroffenen viel jünger und oft ohne Symptome. 

In den vergangenen sieben Tagen wurden in Spanien täglich im Schnitt über 2.000 neue Corona-Infektionen gemeldet. Dabei hatte sich die Lage zwischenzeitlich entspannt. Im Juni gab es täglich etwa 300 gemeldete Fälle.

Wegen der stark steigenden Zahl von Corona-Infektionen in Spanien warnt das Auswärtige Amt nun sogar vor touristischen Reisen in drei Regionen des beliebtesten Urlaubslands der Deutschen. Betroffen sind Katalonien mit der Touristenmetropole Barcelona und den Stränden der Costa Brava sowie die westlich davon im Landesinneren liegenden Regionen Aragón und Navarra, nicht aber Mallorca und auch nicht die Kanaren.

Die Einstufung als Risikogebiet bedeutet, dass auch für die Rückkehrer aus Katalonien, Aragón und Navarra ab nächster Woche eine Corona-Testpflicht gelten wird: Wer aus einem solchen Gebiet kommt, muss sich dann entweder innerhalb von 48 Stunden vor der Einreise testen lassen oder binnen 72 Stunden nach der Einreise. Bis ein negatives Ergebnis da ist, muss man in Deutschland in häusliche Quarantäne. Bis diese Verordnung in Kraft tritt, gilt noch: Wer aus Risikogebieten kommt, muss direkt für 14 Tage in häusliche Quarantäne und sich beim Gesundheitsamt melden. Möglich ist auch, ein negatives Testergebnis vorzulegen, das höchstens 48 Stunden alt ist.

Bereits ab Samstag gilt für alle Urlauber, die aus dem Ausland zurückkehren: Jeder kann sich kostenfrei testen lassen, ob er Krankheitssymptome zeigt oder nicht. Die Tests können innerhalb von 72 Stunden nach der Einreise gemacht werden - zum Beispiel an Teststationen an Flughäfen, Bahnhöfen und anderen Reiseknotenpunkten, in Gesundheitsämtern oder Praxen. 

Was du wissen musst, wenn du deinen Urlaub jetzt stornieren willst:

Urlaub wegen Corona stornieren?

Wie ist die Situation in Frankreich?

Frankreich gehört ebenso zu den Ländern Europas, die von der Krise besonders stark getroffen wurden. Und auch in Frankreich gibt es derzeit wieder etwas mehr gemeldete Coronavirus-Fälle pro Tag als noch im Juni, als die Beschränkungen noch wesentlich strenger waren. So gab es in den letzten Tagen im Schnitt fast 800 Neuinfektionen pro Tag. Im Juni waren es im Gegensatz dazu an vielen Tagen nur etwa 300 bis 400 neue Fälle pro Tag. Bislang wurden in Frankreich über 220.000 Infizierte registriert. 

Strengere Maßnahmen in Österreich 

In Österreich gibt es aktuell über 20.000 gemeldete Corona-Fälle. Im Mai und Juni gab es häufig nur zwischen 20 und 30 Neuinfektionen täglich. Aktuell sind es jedoch wieder über 100. Aus diesem Grund wurde die ursprünglich gelockerte Maskenpflicht wieder verschärft. Mitten in der Hochsaison hat sich St. Wolfgang am Wolfgangsee zu einem Corona-Hotspot entwickelt. 56 Mitarbeiter, drei Jugendliche aus der Umgebung und drei Touristen aus Österreich haben sich nach jüngsten Zahlen mit dem Virus angesteckt. Aktuell sind vor allem Wien und Oberösterreich von der Zunahme der Fälle betroffen.  

Italien: Situation unter Kontrolle

Das beliebte Urlaubsland hat den Corona-Notstand gerade bis Mitte Oktober verlängert. Italien wurde vor den anderen Ländern Europas stark von der Pandemie getroffen, aktuell scheint die Lage allerdings unter Kontrolle zu sein. In den letzten sieben Tagen gab es im Mittel knapp 250 Neuinfektionen pro Tag. Im März waren es mehrmals über 6.000 Neuinfektionen pro Tag. Insgesamt gibt es in Italien über 245.000 gemeldete Corona-Fälle. 

Was du jedoch beachten musst, wenn du mit dem Auto nach Italien reist, kannst du hier nachlesen: 

Italien-Urlauber aufgepasst: Diese Regeln gelten im Auto

Kroatien: Viele Neuinfektionen

Die Balkanländer sorgen mit stark ansteigenden Infektionszahlen aktuell für große Beunruhigung bei Urlaubern. So war Kroatien bislang eigentlich sehr gut durch die Krise gekommen und öffnete sich bereits im Juni wieder für Touristen. Doch nun steigen die Fallzahlen stark an. Aktuell gibt es fast 5.000 Infektionen mit dem Coronavirus. Das klingt vergleichsweise erstmal wenig, beunruhigend ist jedoch, wie steil die Infektionskurve derzeit nach oben geht. Etwa seit dem 20. Juni steigen die Fallzahlen stark an, damals gab es noch etwas über 2.200 Fälle. 

Auf diesen beunruhigenden Trend weist auch das Auswärtige Amt hin. Die Reisehinweise gelten für den ganzen Balkan. Wie das Auswärtige Amt bekannt gibt, sind die Schwerpunkte derzeit die Hauptstadt Kroatiens sowie das Umland von Zagreb, Slawonien und die Gespanschaft Split-Dalmatien.   

Mehr zur Situation in den Balkanländern kannst du hier nachlesen:

Infektionszahlen auf dem Balkan schießen in die Höhe

Urlaub in Griechenland möglich?

Viele Urlauber zieht es auch nach Griechenland. Dort scheint die Pandemie an sich weiterhin unter Kontrolle zu sein. In den vergangenen sieben Tagen gab es täglich im Schnitt etwa 37 Neuinfektionen. Insgesamt gibt es etwas mehr als 4.300 Fälle. Seit Beginn der Tourismussaison Anfang Juli lässt sich jedoch auch hier ein Aufwärtstrend erkennen. 

In Griechenland und anderen Ländern musst du dich vor der Einreise jedoch anmelden. Alles, was du darüber wissen musst:

In welchen Ländern du dich vor der Einreise anmelden musst

Türkei: Weiterhin Reisewarnung

Für die Türkei gilt weiterhin eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes. Dort gibt es aktuell 228.000 Infizierte. Die Zahl der Neuinfektionen liegt seit Anfang Juli in einem hohen Bereich. Zwischen 900 und 1200 Menschen pro Tag hatten sich dort angesteckt. Ein Abwärtstrend zeichnet sich hier folglich noch nicht ab.  

Wer aus Deutschland trotzdem in die Türkei reichen möchte, muss sich folglich nach der Rückkehr verpflichtend auf das Coronavirus testen lassen, sich beim zuständigen Gesundheitsamt melden und außerdem eine zweiwöchige Quarantäne antreten. 

Ob du dann noch Lohn bekommst, kannst du hier nachlesen: 

Quarantäne nach Urlaub im Risikogebiet: Bekomme ich trotzdem meinen Lohn?

Die Situation in Skandinavien 

In Dänemark und Norwegen gab es im Juli nur einen minimalen Anstieg der Infektionszahlen. 

Schwedens Infektionskurve ist im Gegensatz zu fast allen europäischen Ländern im Juli kontinuierlich gesunken. Das Land hatte sich am Anfang der Pandemie dafür entschieden, fast keine Einschränkungen und Vorsichtsmaßnahmen durchzusetzen. Die Infektionszahl ist aber weiterhin relativ hoch mit fast 80.000. 

Auch in Deutschland steigen die Zahlen 

In Deutschland steigen die Fallzahlen ebenfalls wieder deutlich an. Am Donnerstag meldete das RKI über 900 Neuinfektionen und somit den höchsten Anstieg seit Mai. Ursache sind gleich mehrere Ausbrüche, die oft aufgrund von größeren Familienfeiern entstehen. Oft werden die Verhaltensregeln dann nicht mehr eingehalten. In der norddeutschen Stadt Heide gibt es nun sogar wieder strengere Kontaktbeschränkungen, öffentliche Veranstaltungen sollen erstmal ausgesetzt werden. Auch der Reproduktionswert, der angibt wie viele Menschen im Schnitt ein Infizierter ansteckt, liegt seit Tagen über 1. Um das Coronavirus einzudämmen sollte er eigentlich konstant niedriger als 1 sein. Eine beunruhigende Entwicklung, die vor allem auf der immer größer werdenden Nachlässigkeit der Menschen beruht. 

Was der Reproduktionswert genau aussagt und wie er berechnet wird, kannst du dir hier durchlesen:

Reproduktionszahl: Das bedeutet der R-Wert

Über die aktuellen Entwicklungen und neue Ausbrüche informieren wir in unserem News-Ticker.

Fazit: Gefahr einer zweiten Welle ist real

Fast täglich verändert sich die Situation in jedem Land, sie ist weiterhin dynamisch. Klar ist: Das Coronavirus ist noch da und wir müssen weiterhin sehr vorsichtig sein und sollten uns immer wieder die Hygiene- und Abstandsregeln ins Gedächtnis rufen und diese unbedingt auch einhalten. Bevor man verreist, sollte man sich genauestens informieren, zum Beispiel auf der Webseite vom Auswärtigen Amt. In jedem Land herrschen andere Regeln, die sich auch von Region zu Region unterscheiden können. Wer sich nicht daran hält, muss Strafe zahlen. 

Was übrigens in anderen Ländern gilt, kannst du hier nachlesen:

Urlaub trotz Corona: Was gilt in welchem Land?

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