Bis zu -67,8 Grad Celsius: So leben die Menschen am kältesten Ort der Welt

- Daniela Kreck
Dorf in Russland: So ist das Leben am kältesten Ort der Welt >
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Dagegen sind unsere Winter in Deutschland harmlos. Der Ort Oimjakon befindet sich in Ost-Russland und ist die kälteste, bewohnte Stadt der Welt. Wie lebt es sich in dem Dorf mit -60 Grad Celsius?

Beschwerst du dich auch immer gerne über das kalte Wetter in Deutschland? Wirfst du einen Blick in den tiefen Osten von Russland, wirst du schnell dankbar für unser deutsches Schmuddelwetter sein. Das kleine Örtchen Oimjakon ist die kälteste, bewohnte Stadt der Welt. Offiziell wurden dort Tiefsttemperaturen von -67,8 Grad Celsius gemessen. Inoffiziell gab es sogar schon -71,2 Grad Celsius. Wie leben die rund 400 Einwohner an diesem Ort?

Plumpsklos statt Toiletten in Oimjakon in Russland

Normal zuhause auf die Toilette gehen, so wie wir es kennen, ist dort nicht üblich. Aufgrund des gefrorenen Bodens ist es unmöglich, Abwasserrohre zu verlegen. Somit müssen die Einwohner:innen noch vor dem Frühstück aus dem Haus und ihr tägliches Geschäft draußen auf einem Plumpsklo verrichten.

Speichel erfriert am kältesten Ort der Welt

Wenn sie das Haus verlassen, müssen sie mehrere Kleidungsschichten tragen, da kleine Erfrierungen am Körper nach kurzer Zeit möglich sind. Dabei müssen Mund und Nase mit einem Schal bedeckt sein, da der Speichel um die Lippen direkt erfriert und wie Nadeln in die Haut sticht. Auch eine Brille tragen ist gefährlich, da die Träger am Gesicht festfrieren können. Dass die Wimpern direkt erfrieren, ist schon normal.

Motor der Fahrzeuge läuft durchgehend

Die eisige Kälte ist auch für Autos ein Problem. Der Motor muss durchgehend laufen, damit das Fahrzeug wieder anspringt und nicht einfriert. Daher haben Einwohner:innen, die sich das leisten können, eine beheizte Garage, um den Motor warmzuhalten.

Menschen in Oimjakon versorgen sich selbst

Die meisten Menschen in Oimjakon sind Selbstversorger:innen und leben von ihrer eigenen Ernte im Sommer. Gemüse kommt selten auf den Tisch, da aufgrund des Permafrostbodens nichts angebaut werden kann. Dafür essen die Einwohner:innen viel gefrorenen Fisch und Suppe mit Fleisch. Fleisch ist in der kältesten Stadt der Welt ein wichtiges Nahrungsmittel, da es für die Menschen dort die einzige Energiequelle ist, um gut die Kälte zu überstehen.

Da in Oimjakon keine unterirdischen Rohre verlegt werden können, muss das Wasser von einem Lieferanten gebracht und in Behältnisse gefüllt werden. Oder die Menschen holen sich ihr Wasser aus Eisblöcken aus dem Fluss.

Eis an Füßen: Kraniche sitzen nach Kälteeinbruch fest >
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Bis zu 100 Grad Temperaturunterschied zwischen Sommer und Winter

Kreativität ist hier gefragt und die Einwohner:innen scheinen sich daran gewöhnt zu haben. Schließlich lebt das Dorf seit dem Zweiten Weltkrieg. Wie sieht der Sommer in der kältesten Stadt der Welt eigentlich aus?

Hier in Sibirien sind im Laufe eines Jahres tatsächlich über 100 Grad Temperaturunterschied möglich. Im Sommer kann es über 30 Grad Celsius heiß sein. Wie ist das möglich? Grund dafür ist die Land-See-Verteilung. "Das Wasser der Ozeane ist ein gigantischer Energiespeicher, weswegen das Klima im Meeresumfeld gemäßigt ist. Beispielsweise sind die Temperaturen auf den Azoren durch den Atlantik sehr ausgeglichen", erklärt unser wetter.com Meteorologe Georg Haas.

Kontinentalklima: Kein Ozean in der Nähe für den Temperaturausgleich

Anders ist es, wenn kein Ozean oder Meer in der Nähe ist. Oimjakon befindet sich mitten auf dem Kontinent, wo weder der atlantische noch der pazifische Ozean einen Temperaturausgleich herstellen könnte. Hier herrscht ein sogenanntes Kontinentalklima. Dementsprechend wird es in den langen Winternächten eiskalt und an den langen Sommertagen heiß.

Förderlich für die sehr kalten Winter ist, dass sich Oimjakon nur knapp südlich des Polarkreises befindet. "In der dunklen Jahreszeit kriecht die Sonne dort nur schlappe 3 Stunden kraftlos in Ameisenkniehöhe über den Horizont. Der Schnee reflektiert das wenige Licht und isoliert den nicht ganz so kalten Boden von der extrem kalten Luft darüber. Zudem liegt das Dorf in knapp 700 Meter Höhe windgeschützt im Tal. Dort kann sich die Kaltluft besonders gut halten", so Haas.

Tiefste Temperatur in Deutschland nicht auf der Zugspitze

Funfact: In Deutschland wurde nicht auf der Zugspitze die tiefste Temperatur gemessen. Am Funtensee im Nationalpark Berchtesgaden wurden hier bis zu -45 Grad Celsius verzeichnet. Grund dafür ist die topografische Lage des Sees. Dieser befindet sich nämlich in einer Mulde und wird rings von Bergen geschlossen, wo die tiefstehende Sonne im Winter kaum vorbeikommt.

Auch Deutschland ist vertreten: Die 10 kältesten Orte der Welt

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