Homeoffice & Kurzarbeit: Was du bei der Steuererklärung 2020 beachten musst 

- Quelle: dpa/wetter.com
Wegen der Coronakrise müssen viele Unternehmen Kurzarbeit anmelden.
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Im Jahr 2020 war und ist vieles ganz anders als sonst. Die Corona-Pandemie hat sich auf alle Lebensbereiche ausgewirkt. Das wirkt sich auch auf unsere Steuererklärung aus.

Um die Kontakte der Mitarbeiter zu minimieren, wurden viele Arbeitnehmer ins Homeoffice geschickt. Einige arbeiten noch immer oder gerade wieder von zu Hause aus. Andere befanden sich oder befinden sich immer noch in Kurzarbeit. All das sind Dinge, die auch unsere Steuer beeinflusst. Was du bei der Steuererklärung für das Jahr 2020 deshalb beachten musst. 

Eine ausführliche Erklärung zu Kurzarbeit erhältst du im Video am Anfang des Artikels. 

Was verändert sich bei der Steuererklärung durch Kurzarbeit? 

Laut Schätzungen des Münchner Ifo-Instituts waren im Mai 2020 7,3 Millionen Beschäftigte in Deutschland in Kurzarbeit, im Juni noch 5,6 Millionen. Das Kurzarbeitergeld ist grundsätzlich steuerfrei, wie die Vereinigte Lohnsteuerhilfe e.V. schreibt. "Alle Formen von Kurzarbeitergeld sind steuerfrei, da sie durch die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung getragen werden", heißt es auf der Webseite. Jedoch unterliegen sie dem steuerlichen Progressionsvorbehalt. Das heißt: Das Kurzarbeitergeld wird zur Berechnung des Steuersatzes miterfasst und führt so zu einem höheren Prozentsatz, mit dem das übrige Einkommen versteuert wird. 

Mit folgendem Beispiel macht es die Lohnsteuerhilfe deutlicher:  

Ein kinderloser Arbeitnehmer verdient normalerweise netto 1.332 Euro. Der Arbeitgeber beantragt für einen Monat Kurzarbeit und streicht die Hälfte der Arbeitszeit auf 20 Stunden pro Woche. Somit sinkt der Nettolohn auf beispielsweise 777 Euro, also 555 Euro weniger. Die Bundesagentur übernimmt 60 Prozent des entgangenen Nettolohns, also 333 Euro. Zusammen kommt die Person nun auf 1.110 Euro, also dank Kurzarbeitergeld auf 222 Euro weniger, statt 555 Euro. Die 333 Euro Kurzarbeitergeld sind dabei steuerfrei. Sie erhöhen jedoch den persönlichen Steuersatz mit dem das restliche Einkommen versteuert werden muss. 

Übrigens: Hast du mehr als 410 Euro Kurzarbeitergeld im Jahr erhalten, besteht die Pflicht zur Abgabe einer Steuererklärung.  

Arbeitnehmer, die zu 100 Prozent in Kurzarbeit waren, sollten wissen, dass sie in dem Zeitraum keine Werbungskosten ansetzen dürfen. Das heißt, wer sich einen Laptop, Drucker oder Ähnliches gekauft hat, während er von der Arbeit freigestellt war, kann diese Kosten nicht ansetzen. Wer hingegen nur teilweise in Kurzarbeit war oder ist, kann die Werbungskosten wie gewohnt geltend machen. 

Ich habe ein Arbeitszimmer: Was kann ich steuerlich absetzen?

Grundsätzlich gilt, dass Personen, die sonst kein anderes Büro zur Verfügung haben, die tatsächlichen Kosten für ihr Arbeitszimmer zu Hause geltend machen können. Dann werden bis zu 1250 Euro jährlich bei der Steuererklärung berücksichtigt.  

In der Corona-Pandemie fassen die Steuerbehörden die Regelung etwas weiter. Während der Krise dürfen nämlich auch diejenigen, die trotz eigenem Arbeitsplatz im Büro oder in der Firma zu Hause gearbeitet haben, je nach Umfang angefallene Kosten ansetzen. Dazu zählen die anteilige Miete, die Neben- sowie die Stromkosten. Damit gemeint sind Arbeitnehmer, die aufgrund der Krise zur Kontaktvermeidung vom Arbeitgeber aufgefordert wurden, zu Hause zu arbeiten. Dies gilt jedoch nur für die Dauer der coronabedingten Heimarbeit, was du auch belegen können solltest. 

Die Absetzbarkeit eines Arbeitszimmers gilt übrigens nur dann, wenn es sich dabei wirklich um einen abgeschlossenen Bereich in der Wohnung oder im Haus handelt, der ausschließlich für die Arbeit genutzt wird. Neben dem Schreibtisch sollte folglich nicht noch eine Schlafcouch stehen, die darauf schließen lässt, dass der Raum auch als Gästezimmer genutzt wird. Das Arbeitszimmer darf also nicht privat genutzt werden und darf auch nicht nur eine Ecke im Wohnzimmer sein.  

Und wenn ich kein Arbeitszimmer habe? 

Das schließt natürlich alle aus, die aufgrund der Pandemie vom Arbeitgeber gezwungen wurden zu Hause zu arbeiten, aber keinen Platz für ein eigenes Arbeitszimmer haben und bisher auch keinen Bedarf dafür hatten. Viele Beschäftigte arbeiteten so in den letzten Monaten am Küchen- oder Wohnzimmertisch. Einige Politiker forderten deshalb bereits, dass es aufgrund der Corona-Pandemie eine neue Regelung geben sollte.

So beispielsweise FDP-Bundestagsabgeordnete Gerald Ullrich, der bereits im Mai mehr Steuervorteile für die Arbeit daheim forderte. "Homeoffice sollen alle steuerlich geltend machen können", sagte er der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Wer seinen Arbeitstag in die eigenen vier Wände verlagert, verbraucht mehr Strom, Wasser, Heizung und produziert mehr Müll." Arbeitnehmer dürften nicht auf den Kosten sitzen bleiben. In der Coronakrise sind viele Menschen auf die Arbeit zuhause ausgewichen.  

"Daher fordere ich, 20 Prozent der Wohnfläche als Homeoffice steuerlich absetzbar zu machen. Das bedeutet beispielsweise, dass Mieter 20 Prozent ihrer Warmmiete von der Einkommenssteuer absetzen können." Bisher hat sich an den steuerlichen Regelungen jedoch nichts geändert. 

So äußerte sich der Bund der Steuerzahler 

Rückendeckung für Erleichterungen kam vom Bund der Steuerzahler.  "Bislang akzeptiert die Finanzverwaltung nur ein extra Arbeitszimmer", sagte Isabel Klocke, die beim Steuerzahlerbund für Steuerrecht und Steuerpolitik zuständig ist, der dpa. "Steuerzahler, die am Ess- oder Küchentisch arbeiten oder nur über eine Arbeitsecke verfügen, gehen steuerlich meist leer aus. Deshalb sollten Ausgaben für die Homeoffice-Zeit pauschal anerkannt werden."

Besonders kritisch sei die Situation für Arbeitnehmer, die für das laufende Jahr einen Freibetrag beantragt haben, etwa für einen langen Arbeitsweg. "Wegen der Coronakrise blieben viele zu Hause und können dementsprechend keine Fahrtkosten absetzen. Hier kann es dann im nächsten Jahr zu Steuernachzahlungen kommen", warnte Klocke. "Auch deshalb sollten Ausgaben für das Arbeiten zu Hause besser anerkannt werden."

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