Warnung vor weiterem Dürresommer: Folgen schlimmer als 2018?

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Warnung vor weiterem Dürresommer: Folgen schlimmer als 2018?
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Das trockene Wetter und die hohe Waldbrandgefahr sorgen für Probleme.

Aufgrund der extremen Trockenheit gilt in Deutschland die höchste Waldbrandgefahr. Meteorologen warnen nun vor einer Dürre, die die des vergangenen Jahres noch übertreffen könnte - mit Folgen.

Das extrem trockene Wetter sorgt derzeit für Schlagzeilen. So dauern die Löscharbeiten beim Moorbrand im Landkreis Vechta weiterhin an. Die meisten genießen aber einfach nur den derzeitigen Aprilsommer. Ihnen ist möglicherweise gar nicht bewusst, wie ernst die Lage bereits ist. Denn nach Einschätzung der Meteorologen könnten wir auf einen weiteren Dürresommer zusteuern.

Weiterer Dürresommer 2019 steht bevor 

Unser Meteorologe Paul Heger schätzt die Lage folgendermaßen ein: "Die Ausgangslage in diesem Jahr ist deutlich schlechter als noch 2018, weil sich die Natur von der vorangegangenen Dürre nicht ausreichend erholen konnte. Folgen jetzt weitere zu trockene Monate, könnte die Lage im Sommer sehr kritisch werden." 

Möglicherweise könnte die Dürre des Jahres 2018 sogar übertroffen werden. Besonders betroffen sind die östlichen Bundesländer. Selbst wenn es noch viel regnen sollte, bleibt die Bodenfeuchte den Schätzungen zufolge bis in den Sommer hinein unter dem vieljährigen Mittelwert. 

"Zwar kann zum heutigen Zeitpunkt noch keine sichere Prognose für den Sommer 2019 gemacht werden, jedoch gibt es mehrere Anzeichen, dass die Monate Mai bis Juli im Vergleich zum Klimamittel von 1961-90 zu trocken ausfallen werden", erklärt Paul Heger weiter.  

NOAA-Modell sieht bis Juni Regendefizit

Eine ähnliche Prognose zeigt auch das amerikanische Wettermodell der NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration). Demnach wird bis zum Sommer 2019 deutlich zu wenig Niederschlag fallen. Vor allem die Monate Mai und Juni tragen dazu bei. Im zweiten Sommermonat Juli ist die Abweichung vom langjährigen Mittel nicht ganz so extrem. 

 

"Da die Böden im Osten Deutschlands durch ihren hohen Sandanteil ohnehin schlecht Wasser aufnehmen können, wäre die Fortsetzung der Trockenheit hier besonders gravierend. Eine kurzzeitig feuchtere Phase sorgt in Ostdeutschland für weniger Linderung als in anderen Regionen", so Experte Paul Heger. 

Dürre und Trockenheit haben auch Folgen für Forstwirtschaft

Wenn der Dürresommer noch schlimmer wird als im vergangenen Jahr, hätte dies nicht nur für die Landwirtschaft, sondern auch für die Forstwirtschaft Folgen.

Unser Kolumnist Kai Zorn ist ebenfalls der Meinung, dass der Sommer 2019 überdurchschnittlich verlaufen wird. Er vergleicht die Großwetterlagen, die im Sommer 2018 wetterbestimmend waren, mit den möglichen Wetterlagen im diesjährigen Sommer und kommt zu folgendem Fazit: 

Kai Zorns Sommerprognose: Mehr Abwechslung als 2018
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Kein offenes Feuer im und am Wald

Bereits in den vergangenen Tagen haben Waldbrände zahlreiche Regionen Deutschlands heimgesucht. Angesichts der Trockenheit und der hohen Waldbrandgefahr fordert der Deutsche Feuerwehrverband mehr Löschhubschrauber in Deutschland.

Helikopter mit Außenlastbehältern seien für die Brandbekämpfung sinnvoll, so Verbandspräsident Hartmut Ziebs. Das ist ein vielfach praktiziertes Verfahren, scheitert aber manchmal an der Zahl der verfügbaren Hubschrauber. Die größten Wasserbehälter fassen nach seinen Angaben 5000 Liter und können nur von Helikoptern der Bundeswehr vom Typ CH-53 geflogen werden. "Die sind aber nicht immer verfügbar. Hier müsste die Bundeswehr ein paar mehr Hubschrauber vorhalten", sagte Ziebs. 

Grundsätzlich hält Ziebs die deutschen Feuerwehren für gut ausgerüstet, um Waldbrände zu bekämpfen. Der Verbandspräsident appellierte aber an Bürger, kein offenes Feuer im und am Wald zu entfachen und in Waldnähe nicht zu rauchen. Autofahrer sollten zudem ihren Wagen nicht auf Wiesen abstellen. Die heißen Katalysatoren können eine trockene Wiese in Brand setzen.

Berliner Straßenbäume gießen: "Jeder Liter zählt" 

Wegen der anhaltenden Trockenheit sind Berliner Bürger zudem aufgerufen, beim Gießen von Straßenbäumen und jungem Grün mitzuhelfen. Das Grünflächenamt allein schaffe das mit seinen personellen Möglichkeiten nicht. Eine zweite Trockenperiode nach dem Sommer 2018 könnten weder junge Pflanzen noch der Altbestand gut überstehen. "Jeder Liter zählt", betonte die Behörde.

https://twitter.com/stadtnatur/status/1121019242307096576

Falls möglich solle ein Baum zurzeit mindestens zwei bis drei Eimer Wasser pro Tag bekommen. Im Bezirk stünden rund 42 000 Bäume. In Berlin hat es im April bisher kaum geregnet. Oft fielen nicht mehr als ein bis zwei Liter pro Quadratmeter, manchmal sogar weniger. Normal für den April sind rund 42 Liter pro Quadratmeter.

Vorerst keine Hoffnung auf Linderung 

"In den kommenden Tagen kommen durchaus ein paar Liter Regen zusammen, besonders im Westen bei Schauern und Gewittern, am Freitag auch im Osten. Diese Regensummen reichen aber im Osten nicht aus, um die Trockenheit zu beenden. Von Franken bis nach Mecklenburg wird ohnehin kaum etwas fallen. Somit werden die Trockenheit und die Waldbrandgefahr bestehen bleiben."

"In der neuen Woche ist es zwar vor allem anfangs trüber, die Regensummen sind jedoch gering. Für eine deutliche Linderung bräuchte es mittlerweile mehrere Monate, die zu feucht ausfallen", erklärt unser Meteorologe Paul Heger weiter. 

Trotz der prekären Lage gibt es immerhin einen kleinen Hoffnungsschimmer, wie unser wetter.com Meteorologe Dr. Alexander Hildebrand in diesem Video erklärt: 

Klimawandel begünstigt Dürresommer

Dürresommer sind eine Facette der großen Klimavariabilität in unseren Breiten und kamen in der Wetterhistorie immer wieder vor. So zum Beispiel Frühling und Herbst 2011 sowie Frühling und Sommer 2003. Im vergangenen Jahrhundert waren es die Sommer 1983, 1976 und 1911, die außerordentlich trocken ausgefallen sind. 

Dennoch: Wir müssen uns infolge des Klimawandels tendenziell auf häufigere und stärkere Dürreperioden einstellen. Hochdruckgebiete, in deren Einflussbereich Trockenheit herrscht, können längere Zeit stationär bleiben. Außerdem kommt es durch den Temperaturanstieg generell zu mehr Verdunstung und Austrocknung der Böden.

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