Trotz Hochwasser: Weiterhin Dürre in Deutschland

- Quelle: dpa/wetter.com
Der Klimawandel verändert unsere Natur.
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Mehrere Flüsse sind in den vergangenen Tagen nach Tauwetter und Regenfällen über die Ufer getreten. An der Dürresituation in Deutschland ändert das Hochwasser jedoch wenig.

Die Themen Trockenheit und Dürre haben in den vergangenen Jahren vor allem im Sommer immer mehr Präsenz in den Medien erhalten. Die vergangenen Jahre waren viel zu trocken, was zu erheblichen Problemen für Wald, Natur und teilweise auch die Wasserversorgung führte.  

Aktuell gehen wahrscheinlich die wenigsten davon aus, dass es in Deutschland zu trocken sei. Immerhin haben einige Regionen mit Hochwasser und viel Schnee zu kämpfen. Doch die Trockenheit der vergangenen Jahre hat ihre Spuren hinterlassen. Ursache der extremen Trockenheit und langen Hitzeperioden ist der menschengemachte Klimawandel.

Wie sehr der Klimawandel unsere Natur verändert erfährst du im Video am Anfang des Artikels.

Ab wann spricht man eigentlich von Dürre? 

Wie die Experten vom Helmholtz Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig auf ihrer Webseite schreiben, versteht man unter Dürre bestimmte Abweichungen von langjährigen Bodenfeuchte-Werten, die je nach Jahreszeit unterschiedlich ausfallen. Wenn die Bodenfeuchre unter einen Wert fällt, der nur in 20 Prozent der Jahre in einer langen Zeitreihe erreicht wird, spricht man laut den Experten von Dürre. 

Dürre beschreibt also den vorhandenen Wassermangel in unterschiedlichen Bodenschichten. Verglichen wird dabei die aktuelle Bodenfeuchte mit einem langjährigen Mittel, also etwa der August 2020 mit den August-Monaten der Jahre 1951 bis 2015.

Zu welchen Problemen die Wetterextreme im Sommer 2020 führten, haben wir in diesem Artikel beschrieben:

Extremwetter in Deutschland: Dürre und Waldbrände vs. Starkregen und Überflutungen

Aktuelle Dürresituation in Deutschland 

Um die aktuelle Dürresituation in Deutschland einschätzen zu können, bietet das UFZ den Dürremonitor Deutschland an. Dabei wird die Bodenfeuchte in unterschiedlichen Bodentiefen betrachtet, nämlich bis 25 cm Tiefe, bis 25 cm Tiefe und bis ca. 1,8 Meter.  

Das ist der aktuelle Stand (02.02.2021): 

 

Deutlich zu erkennen ist, dass die Situation in bis zu 25 cm Bodentiefe noch relativ entspannt ist. Immerhin gab es in den vergangenen Tagen und Wochen einiges an Niederschlägen in Deutschland. Je tiefer die Bodenfeuchte jedoch gemessen wird, desto drastischer wird die Situation. In 1,8 Meter Tiefe wird trotz allem eine außergewöhnliche Dürre in vielen Regionen festgestellt. Zu trocken ist es fast überall. 

Auch Hochwasser ändert an Dürre nichts

Viele fragen sich jetzt sicher, wie das bei der aktuellen Wetterlage überhaupt sein kann.

Ein aktuelles Beispiel: Das Wasser des Rheins in Nordrhein-Westfalen steigt momentan entlang der Ufer, es herrscht Hochwasser. Aber: Das nur wenige Tage andauernde Hochwasser hat keine Auswirkungen auf den niedrigen Grundwasserstand. Der ist vielmehr abhängig von den Niederschlägen, die das ganze Jahr über fallen - und langsam im Boden versickern.

"Was oben abfließt, spielt für das Grundwasser keine Rolle", sagt der Leiter des Fachbereichs Hydrologie beim Landesumweltamt, Roland Funke. In den vergangenen Monaten war häufig von Dürre die Rede. Im Januar gab es in NRW aber mehr Niederschlag als im langjährigen Mittel. 

Doch trotzdem ist die Dürre nicht vorbei. Zwar ist in der obersten Bodenschicht aktuell genug Wasser vorhanden. Die Feuchtigkeit in den 1,80 Meter tiefen Bodenschichten liegt jedoch in weiten Landesteilen weiter deutlich unter den früher üblichen Werten. Momentan weist der Dürremonitor des UFZs für weite Landesteile Nordrhein-Westfalens eine "extreme Dürre" aus, also sehr große Abweichungen von dort früher üblichen Feuchtigkeitswerten. 

In einigen Regionen wie etwa im Sauerland herrscht gemessen an der dort früher im Januar üblichen Feuchtigkeit im Boden sogar eine noch höhere Stufe, die mit "außergewöhnlich" angegeben wird. Ein Grund dafür ist laut Funke, dass die als Schnee gefallenen Niederschläge noch nicht im Boden versickern konnten. 

Überschwemmungen füllen den Grundwasserspeicher wenig   

Das Hochwasser in Rheinland-Pfalz hat nach Einschätzung von Experten nur bedingt Auswirkungen auf den Stand des Grundwassers. Wie das Landesamt für Umwelt in Mainz mitteilte, steigt bei einer länger andauernden Überschwemmung der Grundwasserspiegel lediglich in unmittelbarer Ufernähe an. 

Aus Sicht der Grundwasserbewirtschaftung sei das Landesamt aber dankbar für jeden Niederschlag, der zurzeit fällt. So befinde man sich aktuell im hydrologischen Winterhalbjahr, also in der Phase der Grundwasserneubildung. "Die Grundwasserstände erholen sich aktuell langsam von den defizitären Verhältnissen der vergangenen Jahre, befinden sich jedoch immer noch auf unterdurchschnittlichem Niveau", teilte Sabine Riewenherm, Präsidentin des Landesamtes, auf Anfrage mit. 

Gibt es Wasserstress in Deutschland? 

Laut Umweltbundesamt spricht man von Wasserstress, "wenn die gesamte Wasserentnahme eines betrachteten Jahres mehr als 20 Prozent des langjährigen mittleren Wasserdargebots beträgt". Dies sei in Deutschland flächendeckend nicht der Fall. Das Wasserdargebot "umfasst die Menge an Grund- und Oberflächenwasser, die wir theoretisch nutzen können", so das Umweltbundesamt. Allerdings gibt es hierbei regionale Unterschiede.  

Negative Dürre-Folgen für Deutschland

Bleibt es weiterhin zu trocken in Deutschland, hätte das negative Auswirkungen auf die Wasserverfügbarkeit. Davon betroffen sein könnten Landwirtschaft, Wasserversorgung, Wasserführung in Gewässern, Ökosysteme (Feuchtgebiete und Wälder) sowie die Schifffahrt.  

In Zukunft werden dann also mehr Nutzer um eine immer knapper werdende Ressource konkurrieren. Weniger Niederschläge führen beispielsweise in der Landwirtschaft dazu, dass mehr Wasser zur Bewässerung entnommen werden muss.

Laut Umweltbundesamt stammen etwa 70 Prozent des deutschen Trinkwassers aus Grund- und Quellwasser. Aufgrund anhaltender Trockenheit konnte bereits in den vergangenen Jahren festgestellt werden, dass die Grundwasserstände deutlich zurückgingen. Lokal wurde das Trinkwasser bereits knapp.

Hinzu kommen enorm geschädigte Wälder. Die Witterung der letzten Jahre hat dazu geführt, dass sich Schädlinge wie der Borkenkäfer ausbreiten und die Bäume extrem schädigen konnten. 

Nie dagewesene Populationsdichte: Beispiellose Borkenkäferplage lichtet Wälder

Was kann man gegen Dürre in Deutschland unternehmen?

Im Oktober 2020 beschloss die Regierung mehrere Maßnahmen, um Deutschland vor den negativen Folgen des Klimawandels, also auch der Wasserknappheit, zu schützen. Was im Detail beschlossen wurde, kannst du hier nachlesen:

So soll Deutschland klimafest werden

Was hat das mit dem Klimawandel zu tun?

Durch den menschengemachten Klimawandel werden nicht nur lokale Wetterphänomene, sondern auch globale Wetterlagen beeinflusst. So sind auch in den nächsten Jahren bei uns besonders im Sommer weiterhin Extremwetterlagen mit langen Hitzeperioden und Dürre möglich. Woran das liegt und was der Jetstream damit zu tun hat:

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