Massive Kritik: Krankschreibungen per Telefon nun doch möglich

- Quelle: dpa/wetter.com
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Wer eine Krankschreibung wegen Atemwegsbeschwerden brauchte, bekommt diese vorerst weiterhin ohne Praxisbesuch, nach telefonischer Rücksprache mit dem Arzt.

Krankschreibungen wegen Erkältungen sind in der Coronakrise nun doch weiterhin auch per Telefon möglich. Das teilte der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses im Gesundheitswesen (G-BA), Josef Hecken, am Montag mit.

Verlängerung bis zum 4. Mai

Der Bundesausschuss, der mit Vertretern von Ärzten, Kliniken und gesetzlichen Krankenkassen besetzt ist, werde sich im Laufe des Tages erneut mit dem Thema befassen und mit "hoher Wahrscheinlichkeit" eine Verlängerung der Regelung bis zum 4. Mai 2020 beschließen. Ärzte könnten "im Vorgriff auf diese Entscheidung" weiterhin aufgrund telefonischer Anamnese Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen ausstellen.

Dauer der Krankschreibung auf eine Woche begrenzt

Die Dauer einer telefonischen Krankschreibung soll demnach auf eine Woche begrenzt werden und könne "bei fortdauernder Erkrankung"einmal verlängert werden. "Alle Verantwortlichen müssen derzeit tagesaktuell und auf unsicherer Erkenntnislage neu abwägen und entscheiden, wie eine schrittweise Herstellung des regulären Medizinbetriebes unter Wahrung des gebotenen Infektionsschutzes möglich ist", sagte Hecken.

Am 20. März hatte der G-BA die Sonderregelung zur telefonischen Krankschreibung eingeführt. Bei einer Sitzung am vergangenen Freitag wurde sie nicht mehr verlängert - gegen die Stimmen von Medizinern und Krankenhäusern. Gesundheitspolitiker, Ärzteverbände, Gewerkschaften und Verbraucherschützer hatten das massiv kritisiert.Arbeitgeber hatten die Entscheidung begrüßt.

Entscheidung wäre zu früh gekommen

Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml hatte bereits am Samstag große Bedenken bezüglich des Endes der telefonischen Krankschreibung geäußert. "Es ist zu befürchten, dass nun auch Covid-19-Patienten wieder in den Arztpraxen erscheinen und dadurch andere Menschen anstecken. Das muss verhindert werden", sagte Huml. Sie forderte eine Verlängerung der Ausnahmeregelung.

Der Gemeinsame Bundesausschuss von Ärzten, Kliniken und Krankenkassen hatte am Freitag beschlossen, diese auslaufen zu lassen. Betroffene Arbeitnehmer müssen sich demnach von diesem Montag an wieder in der Praxis vorstellen. Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) hatte das begrüßt.

"Unverantwortlich": Gesundheitsexperten kritisieren Entscheidung

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach schrieb am Samstag bei Twitter: "Jetzt die telefonische Krankschreibung auslaufen zu lassen ist klar falsch. Es hat sehr geholfen, dass Kranke nicht in den Wartezimmern gesessen haben." Der Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Klaus Müller, nannte den Beschluss des Bundesausschusses einen Fehler und "unverantwortlich". Die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Maria Klein-Schmeink, forderte Gesundheitsminister Jens Spahn auf, diesen kurzfristig außer Kraft zu setzen.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) forderte eine Verlängerung der telefonischen Krankschreibung bis mindestens Ende Juni. "Jetzt zu beschließen, sich bei Atemwegsbeschwerden nicht mehr telefonisch krankschreiben zu lassen, zeugt von wenig Realitätssinn des G-BA und tiefem Misstrauen gegenüber den Beschäftigten", sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. Man sei mit der Pandemie "noch lange nicht über den Berg".

Hessens Sozialminister Kai Klose schrieb in einem am Samstag veröffentlichten Brief an Spahn: "Die Entscheidung geht in eine falsche Richtung und gefährdet die positive Entwicklung, die in der laufenden SARS-CoV-2-Pandemie erreicht werden konnte." Bürger, andere Patienten und das in der Praxis tätige Personal würden damit einem vermeidbaren Risiko ausgesetzt.

Beschluss gegen den Willen der Ärzte und Klinken getroffen

Das Bundesgesundheitsministerium verwies am Sonntag auf Nachfrage auf einen Bericht des "Tagesspiegels". Dort wurde ein Ministeriumssprecher mit den Worten zitiert: "Das ist eine Entscheidung der Selbstverwaltung". Der Beschluss sei zu einem Zeitpunkt gefallen, "zu dem sich die niedergelassenen Ärzte besser auf Corona-Patienten haben einstellen können".

Ärzte und Kliniken betonten dagegen, die Entscheidung, telefonische Krankschreibungen nicht mehr zu ermöglichen, sei gegen ihren Willen getroffen worden. Sie sei weder für die Praxen noch für die Patienten gut, hieß es von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), die die Praxisärzte vertritt.

Der Beschluss sei vom Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) und dem unparteiischen Vorsitzenden des G-BA getroffen worden, gegen die Stimmen der Ärzte, Zahnärzte und der Krankenhäuser, hieß es von der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG). Das Beschlussgremium des Bundesausschusses ist mit drei unparteiischen Mitgliedern, fünf Vertretern der Krankenkassen und insgesamt fünf Ärzte- und Klinikvertretern besetzt.

Ärzte bieten Videosprechstunden an

Patienten, die nun Angst haben, sich mit dem Coronavirus anzustecken, müssen aber nicht auf einen Arztbesuch verzichten. Denn mittlerweile bieten viele Ärzte Videosprechstunden an. Im Gegensatz zur telefonischen Sprechstunde hat eine Videosprechstunde den Vorteil der Optik, die bei einer Diagnose enorm wichtig ist.

Ob dein Arzt eine Videosprechstunde anbietet, erfährst du bei der telefonischen Terminvereinbarung. Per Email oder SMS erhältst du anschließend einen Link inklusive Passwort, mit dem du die Videosprechstunde am Smartphone oder Laptop starten kannst.

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