Völlig losgelöst: Schwerelos über den Wolken

- Redaktion
Völlig losgelöst: Schwerelos über den Wolken
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Zunächst einmal durchquerten die Astronauten innerhalb von wenigen Minuten drei Stockwerke unserer Atmosphäre, zunächst die Troposphäre, in der sich unser gesamtes Wetter- und Klimageschehen abspielt, und anschließend die Stratosphäre und Mesosphäre. In der Thermosphäre, die sich etwa zwischen 80 und 500 km befindet, war ihr Ziel erreicht.

Gerst und die anderen Teammitglieder sind nun für ein halbes Jahr lang "schwerelos". Aber was bedeutet das eigentlich genau? Viele denken, dass man schwerelos wird, wenn die Schwerkraft (auch Gravitationskraft genannt) nicht mehr wirkt. Doch das ist nicht der Fall. Das wird am besten mit einem Beispiel deutlich:
Wirft man einen Ball in die Luft, wirken zwei Kräfte seinem Flug entgegen. Die eine ist der Luftwiderstand, der den Flug abbremst. Die andere Kraft ist die oben erwähnte Schwerkraft. Sie wirkt immer zwischen zwei Körpern, und zwar umso stärker, je geringer der Abstand zwischen ihnen und je schwerer der Körper ist. Also zieht die Erde den Ball an - und auch der Ball die Erde, aber letztere Anziehung merkt man aufgrund der viel kleineren Masse des Balles kaum. Die Schwerkraft bremst also den hochgeworfenen Ball und beschleunigt ihn schließlich wieder Richtung Erde.

Die Weltraumkapsel, in die Alexander Gerst am Mittwoch stieg, war aber schnell genug um nicht wie ein Ball wieder auf der Erde zu landen. Mit etwa 7,9 Kilometern pro Sekunde muss man sich bewegen, um auf eine kreisförmige Umlaufbahn um die Erde zu gelangen. Übrigens befinden sich auch Wettersatelliten, die für die Wettervorhersage von großer Wichtigkeit sind, auf einer kreisförmigen Umlaufbahn um die Erde - allerdings deutlich höher nämlich bei ca. 36.000 km.
 
Fliegt man nun derart schnell um die Erde, wirkt also zum einen die Schwerkraft. Und zwar in 400 km Höhe mit fast 90% des Wertes, der auf der Erde herrscht. Zweitens wirkt die Fliehkraft (auch Zentrifugalkraft genannt), in die entgegengesetzte Richtung, also von der Erde weg. Die Fliehkraft entsteht, wenn ein Gegenstand schnell im Kreis herumgeschleudert wird und dann nach außen saust, wie z.B. beim Hammerwerfen. Diese beiden Kräfte gleichen sich genau aus. Physiker beschreiben das auch so, dass sich die ISS im freien Fall in Richtung Erde befindet. Sie fällt aber nicht runter, weil sie so schnell geradeaus fliegt, dass sie um die Erde herumfliegt.

Den Zustand der Schwerelosigkeit wird jeder Fallschirmspringer und jeder, der im Schwimmbad schon vom 3-Meter-Brett gesprungen ist, schon einmal gespürt haben. Allerdings nur für ein paar Sekunden, sodass sich wohl keiner so richtig vorstellen kann, wie sich Alexander Gerst und die anderen Astronauten gerade fühlen. Und während einige Leser bestimmt weiterhin von einem Flug ins Weltall träumen, sind viele wahrscheinlich froh, den festen Boden unter den Füßen nicht zu verlieren...
 
(Quelle: DWD)
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