Totalausfall Winter? Es gibt noch Hoffnung für Schneefans!

- Paul Heger
Wetter 16 Tage: Schneereicher Januar-Endspurt? >
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Bisher warten einige vergebens auf viel Schnee, auf "richtigen" Winter. Doch ist der Winter wirklich ein Totalausfall? Ganz so einfach ist es nicht. Ein klares "Na ja!" im Kommentar von Paul Heger.

"Der Winter ist eine komplette Niete!", "Kommen da noch einmal richtig Eis, Schnee und Kälte?", "Müssen wir den Winter 2022 schon abschreiben?". So oder so ähnlich lauten die Fragen und Beschwerden hinsichtlich des aktuellen Wetters. Dabei ist die aktuelle Saison – objektiv betrachtet - gar nicht so unwinterlich und gleichzeitig brauchen wir den Winter noch lange nicht abschreiben. Schauen wir doch einmal genauer hin.

Rückblick: Es ist Ende November und fast alle haben die Nase voll vom Dauergrau am Himmel und tatsächlich mischt sich hier und da eine neue Farbe ins Wettergeschehen ein. Es wurde weiß. Sofort wurden wir gefragt: "Ist das normal im November?" Die Frage zeigt: So unwinterlich war es also schon vor dem offiziellen Beginn des Winters gar nicht. So ungewöhnlich ist Schnee Ende November allerdings auch nicht. Selbst im Oktober kann das mal passieren. 

Winter 2021/2022 ist keine Niete

Der Start in den Winter war also eher normal, wenn wir das mit zurückliegenden Jahrzehnten vergleichen. Zusammen mit 2020 waren die Startphasen des Winters sogar eher kühler und schneereicher als in den vorangegangenen Jahren – regionale Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel. 

Und so wundert es vielleicht auch gar nicht, dass wir 2021 lange Zeit berechtigte Hoffnungen auf ein weißes Weihnachtsfest hatten. Regional hat das zumindest tageweise sogar endlich mal wieder geklappt. Was uns danach erwartete war allerdings alles andere als normal, geschweige denn winterlich! Nach Weihnachten bis Anfang Januar haben wir rekord-milde Temperaturen erlebt – nachts wie tags.

Ich selbst bin in München im Pullover spazieren gegangen und das mit einem Gefühl zwischen Verwunderung, Staunen und Bauchschmerzen. Immer wieder zeigen uns solche Phasen mit neuen Rekorden, dass der Klimawandel voranschreitet.

Und anscheinend verwaschen solche Ereignisse häufig die Wahrnehmung des vorangegangenen Wetters: "Der Winter ist eine komplette Niete!", war teilweise schon zu hören. "Wird das überhaupt noch einmal was?", folgt dann ganz schnell.

Kommendes Winterwetter – es ist kompliziert

Nun ja, schauen wir doch mal auf die Datenlage Mitte Januar: Morgendliche Temperaturen im Frostbereich, im Süden sogar um -15 Grad sind alles andere als frühlingshaft. Da ich mittlerweile schon ein paar Jahre "Wetter mache", weiß ich aber, dass für die meisten eine einfache Gleichung gilt: Winter = Schnee. Wie sieht es damit denn jetzt aus abseits der Berge?

Die Beziehung zwischen Deutschland und dem Schnee-Winter könnte man so umschreiben: "Es ist kompliziert!" Immer wieder versuchen Tiefs von der Nordsee oder von Skandinavien nicht nur Niederschläge, sondern auch die für Schnee nötige Kälte zu uns zu bringen. Das wird auch in den kommenden Wochen immer wieder mal funktionieren. 

Es gibt derzeit jedoch einen starken Gegenspieler, nämlich ein sich immer wieder neu aufbauendes kräftiges Hochdruckgebiet. Vorteil: Es liegt westlich von uns, womit die Polarluft immer wieder die Chance bekommt, von Skandinavien über Deutschland nach Süden zu rutschen. Nachteil: Oft ist das Hoch so stark, dass kaum Schneefälle möglich sind und wir wieder im ruhigen Sonne-Nebel-Hochnebel-Modus bleiben. Für alle Berghasen und -häsinnen ist das aber wieder super. Gerade in den Alpen strahlt dann die Sonne und die Temperaturen sind teils sehr angenehm in den höheren Lagen. Ich sage ja: Es ist kompliziert.

Diese Faktoren machen Hoffnung auf Schnee und eisige Temperaturen 

Und jetzt wird es komplex – oder für uns Wetterleute spannend! Blicken wir doch mal in die weitere Zukunft. Die Langfristmodelle machen wenig Hoffnung auf lange kalte Phasen. Das amerikanische NOAA-Modell berechnet den Februar insgesamt milder als in den vergangenen Jahren, auch wenn die letzten Modellläufe wieder etwas kühler geworden sind. Ein wenig Spannung bleibt also? Das europäische Langfristmodell (EFFIS/EZMWF) berechnet im Monatsmittel ebenfalls zu hohe Temperaturen. Können wir die Hoffnung also doch begraben? Ein klares Nein!

Hinsichtlich Temperaturen gibt es das erste Aber: Hohe Temperaturen in den Langfristmodellen bei gleichzeitig zu trocken berechneten Monaten sprechen eher für teils stabile Hochdruckphasen. Im Winter bringen diese oft mäßigen bis teils strengen Nachtfrost und bei für Hochdrucklagen typischem Dauernebel auch Dauerfrost. Ja, ich weiß, das ist kein Schnee, aber Raureif sorgt zumindest auch für winterlich-weiße Landschaften. 

Gut, ein neuer Anlauf für Hoffnungen und dafür blicken wir einfach mal ein Jahr zurück. Der Februar 2021 brachte teils enorme Schneemengen, selbst im meist eher schneearmen NRW. Anschließend gab es bitterkalte Nächte mit verbreitet um -20 Grad. Im Anschluss gab es jedoch auch verbreitet tagsüber 20 Grad! Erst arktische Kälte, dann Rekordwärme und im Monatsschnitt war der Februar 2021 fast im Soll des neuen Klimamittels.

Hoffnungen trotz Polarwirbel berechtigt

Was ich mit diesem Beispiel zeigen will: Ein Monatsmittel sagt nichts über das Wetter innerhalb des Monats aus und gerade in der aktuellen Witterungsphase sollten wir mit voreiligen Schlüssen sehr vorsichtig sein - auch wenn Langfristmodelle und übrigens auch der stabile Polarwirbel keine Euphorie bei Winterfans auslösen.

In diesem Winter gab es ähnlich extreme Temperatur- und Wetterumschwünge wie im vergangenen Winter. Die kommende Großwetterlage lässt diese weiterhin zu! Und so heißt es dann ganz schnell wieder: "Plötzlicher, unerwarteter Wintereinbruch in Deutschland!"

Wie sich das Wetter in den nächsten 16 Tagen entwickeln wird, siehst du auch im Video zu Beginn des Artikels. 

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