Milder Winter: Das sind die Konsequenzen für Tiere und Pflanzen

- Redaktion
Viele Tiere und Pflanzen vertragen den milden Winter nicht.
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Der Winter 2019/2020 ist bisher um einiges milder als es im langjährigen Mittel der Fall war. Doch was bedeutet das für die Tier- und Pflanzenwelt?

Der Januar 2020 war zu mild und gehört zu den zehn wärmsten seit Aufzeichnungsbeginn im Jahr 1981. Viele vermissen klassisches Winterwetter mit Schnee und Frost, Sommerfans finden es andererseits auch ganz angenehm, wenn es milder ist. Woran viele jedoch nicht denken, sind Auswirkungen für die Tier – und Pflanzenwelt. 

Der Januar war viel zu mild

3,8 Grad war es nach Auswertungen des Deutschen Wetterdienstes wärmer als im langjährigen Mittel. An 319 von über 500 Wetterstationen mit Schneehöhenmessung hat es an keinem Tag eine Schneedecke gegeben.

Temperaturen im zweistelligen Bereich waren in ganz Deutschland absolut keine Seltenheit und Dauerfrost gab es kaum. War man spazieren, kamen teilweise echte Frühlingsgefühle auf!

Die komplette Januar-Bilanz kannst du dir hier durchlesen: Der Januar 2020 im Rückblick

Europaweit war dies laut dem europäischen Klimawandeldienst Copernicus sogar der wärmste Januar seit Aufzeichnungsbeginn im Jahr 1981

Immer weniger Vögel in deutschen Gärten

Es liegt wohl an der milden Witterung: Zum wiederholten Mal fällt das Ergebnis einer großen Vogelzählaktion niedriger aus als im langjährigen Vergleich. Zehntausende Naturliebhaber meldeten im Januar die Sichtung von im Schnitt 37,3 Vögeln pro Garten innerhalb einer Stunde, wie der Naturschutzbund (NABU) am Donnerstag mitteilte. Das sei zwar etwas mehr als 2019 (rund 37), der Wert liege allerdings deutlich unter dem langjährigen Mittel von fast 40 Vögeln pro Garten.

Insgesamt sei seit Beginn der Zählaktion 2011 ein abnehmender Trend festzustellen, bilanzierte der NABU. Die bisherigen Daten zeigten, dass die Zahl der Vögel in den Gärten umso geringer ausfalle, je milder und schneeärmer der Winter sei, so NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Erst bei Kälte und Schnee suchten viele Waldvögel die Gärten der etwas wärmeren Siedlungen auf, wo sie auch Futter fänden. 

Bei manchen Vogelarten scheinen auch Krankheiten hinter dem selteneren Vorkommen zu stecken: Bei Grünfinken vermutet der NABU Parasiten als Ursache. Und die Amselzahl verharre auf niedrigem Niveau, nachdem das Usutu-Virus im vorigen Winter um sich gegriffen hatte.

Weitere Konsequenzen milder Winter für Vögel

Wie der NABU in einem Beitrag auf seiner Webseite schreibt, lässt sich seit mehreren Jahren eine gewisse Zugfaulheit bei Vögeln feststellen, die sonst eher kurze Strecken zu ihrem Winterquartier zurücklegen. Dies sei auf den Klimawandel zurückzuführen.

So verweilen viele Tiere darunter zum Beispiel auch einfliegende Tiere aus Nordeuropa zunächst einmal bei uns in Deutschland und warten ab, wie sich der Winter entwickelt. Wird es dann tatsächlich frostig, können sie kurzfristig Richtung Südwesten in mildere Regionen fliegen. Meist reicht dann aber schon eine Reise nach Frankreich.

Bei Vögeln, die im Winter längere Strecken zurücklegen, wie dem Storch, geht der NABU davon aus, dass der Klimawandel die Zugzeiten auf lange Sicht beeinflussen wird. 

Gibt es auch einen Einfluss auf Insekten?

Ist es relativ mild, werden Insekten früher aktiv, sie können sich dann schneller vermehren - vorausgesetzt natürlich es gibt nach einer längeren milden Phase keinen plötzlichen Kaltlufteinbruch mehr. 

Bei Stechmücken ist laut NABU nicht der Winter allein verantwortlich für die Population. Diese hänge vor allem von den Startbedingungen im Frühling und Frühsommer ab. Ist es relativ nass und schon früh im Jahr sowie in den folgenden Monaten sehr warm, können sich die Blutsauger schnell und in großer Zahl vermehren. 

So kann sich ein milder Winter auf Igel auswirken

Für winterschlafende Säugetiere wie Igel oder auch Fledermäuse wird ein milder Winter problematisch, sobald sich milde Phasen zu oft mit Kaltlufteinbrüchen abwechseln, wie der NABU weiter berichtet.

Immerhin werden für jedes Aufwachen auf dem Winterschlaf wichtige Energiereserven beansprucht. Diese Reserven könnten dann unter Umständen nicht mehr ausreichen, um den Winter gut zu überstehen.

Ernste Folgen für Amphibien möglich

Bleibt es im Winter länger mild, kann unter Umständen, bei denen neben der Temperatur auch die Tageslänge und Luftfeuchtigkeit eine Rolle spielen, auch schon ab Ende Januar mit den ersten Amphibienwanderungen gerechnet werden.

Dann stellen plötzliche Kälteeinbrüche eine große Gefahr dar, da die Tiere sich nicht mehr rechtzeitig durch Eingraben vor der Kälte schützen können. Die Tiere erfrieren in diesem Fall.

Folgen für die Pflanzenwelt

In den letzten Tagen und Wochen wurden bereits mehrfach erste Blumen und Pflanzentriebe entdeckt. Bei stärkerem Frost können diese natürlich wieder absterben. Für heimische Pflanzen ist das an sich kein ernstes Problem, wie der NABU betont. Schließlich treiben sie im Frühjahr erneut aus. 

Bleibt es jedoch länger mild und die Bildung von Blatt- und Blütenknospen ist bereits fortgeschritten, kann ein späterer Frosteinbruch schwerwiegende Folgen haben. Der erste Austrieb hat die Pflanzen schließlich schon viel Energie gekostet. Die meisten verfügen zwar über ausreichend Reserven für einen zweiten, dieser könnte dann jedoch schwächer ausfallen. Dadurch werden die Pflanzen auch weniger widerstandsfähig gegenüber weiteren Wetterumschwüngen oder Schädlingsbefällen. 

Auch Feldfrüchte können durch Frost Schaden nehmen, wenn sie schon früh ungewöhnlich schnell gewachsen sind. Ebenso kann es bei Obst zu erheblichen Ernteausfällen kommen, wenn die Bäume bereits Blüten haben und es dann Frost gibt. Neue Blüten bildet die Pflanze nämlich erst im darauffolgenden Jahr. 

All das kann in der Folge auch dazu führen, dass Tiere wiedeurm nicht ausreichend Nahrung finden.

Milde Winter problematisch für Allergiker

Zu den ersten Blühpflanzen gehören beispielsweise der Haselstrauch und Weiden. In milden Wintern kann dies für Allergiker schon ungewöhnlich früh zur Belastung werden. 

Ob jetzt schon Pollen unterwegs sind und um welche es sich handelt, erfährst du in unserem Pollenflugkalender: 

Pollenflug in Deutschland

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