Ticker: Klima-Proteste: Über eine Million demonstrieren in Italien

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Ticker: Klima-Proteste: Über eine Million demonstrieren in Italien
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Klimademonstranten fordern immer wieder das Ausrufen des Klimanotstandes.

Seit dem 20. September läuft bei wetter.com eine Spezialwoche zum Thema Klimawandel. Täglich gibt es Neuigkeiten zum Klimaschutz. Hier erhältst du die wichtigsten News im Überblick.

In über 150 Ländern wurde am 20. September für mehr Klimaschutz demonstriert. Alleine in Deutschland gingen rund 1,4 Millionen Menschen auf die Straße. Zudem einigte sich die Bundesregierung in Berlin auf konkrete Maßnahmen zu einer neuen Klimastrategie. Die Beschlüsse der großen Koalition für den Klimaschutz stießen auf scharfe Kritik und Skepsis. Zudem sorgte die Rede von Greta Thunberg beim UN-Klimagipfel für viel Aufsehen,

Wir fassen die wichtigsten Infos für euch im Ticker zusammen:

Freitag, 27. September 2019:

  • So wird sich unsere Zukunft durch den Klimawandel verändern

Bereits jetzt bekommen wir die Auswirkungen des Klimawandels zu spüren. Doch in den kommenden Jahrzehnten wird dieser sich noch um einiges bemerkbarer machen als heute. Welchen Einfluss das auf die Welt, erfährst du im folgenden Artikel:

  • Mehr ale eine Million Klimademonstranten in Italien

Mehr als eine Million meist junge Menschen haben am Freitag nach Angaben der Organisatoren in Italien für einen besseren Schutz des Weltklimas demonstriert. Mit Spruchbändern wie "Wir haben keinen Planeten B" oder "Tötet unsere Zukunft nicht" und Sprechchören wie "Mit Greta retten wir den Planeten" zogen die Demonstranten in Rom rund zwei Kilometer durch die Innenstadt bis ins antike Zentrum zwischen Kaiserforen und Kolosseum.
Nach Angaben der Fridays for Future-Bewegung nahmen allein in der Hauptstadt mehr als 200 000 Menschen am Klimastreik teil. Die Erwartungen seien deutlich übertroffen worden. Einige Demonstranten brachten angesichts jüngster Warnungen vom Mont Blanc wegen eines Gletscherabbruchs auch ihre Sorge um das Abschmelzen der Eismassen zum Ausdruck.  
In Mailand, Italiens zweitgrößter Stadt, demonstrierten laut Organisatoren mehr als 150 000 Menschen. Mit Slogans wie "Wir wollen eine heiße Pizza, aber keinen heißen Planeten" gingen die Schüler in Neapel auf die Straße. "Es hat keinen Sinn zu studieren ohne Zukunft", skandierten Demonstranten in Genua. "Wenn die Erde brennt, brennt ihr mit", hieß es in Palermo. Auch aus Turin, Florenz, Cagliari, Bari und Bozen wurden Demonstrationen mit jeweils Tausenden von Teilnehmern gemeldet.

  • Mehrheit mit Klimapaket der Bundesregierung unzufrieden

Eine Mehrheit der Deutschen findet einer Umfrage zufolge das Klimapaket der Bundesregierung unzureichend - höhere Spritpreise wollen aber nur Wenige in Kauf nehmen. Wie aus dem am Freitag veröffentlichten ZDF-"Politbarometer" hervorgeht, erklärten 53 Prozent der von der Forschungsgruppe Wahlen Befragten, die im Klimapaket beschlossenen Maßnahmen gingen nicht weit genug.
Besonders unzufrieden sind demnach Anhänger von Grünen und Linken, aber auch der SPD. Doch auch 39 Prozent der Unionsanhänger erklärten, mit dem Maßnahmenpaket nicht zufrieden zu sein.
Geht es um die Frage nach einer CO2-Bepreisung, ist dennoch nur etwa ein Drittel aller Befragten bereit, aus Gründen des Klimaschutzes mehr für Diesel und Benzin zu bezahlen. Lediglich 33 Prozent hätten eine stärkere Verteuerung der Spritpreise nach eigenen Angaben begrüßt. Eine Mehrheit für eine Anhebung der Spritpreise aus Gründen des Klimaschutzes finde sich nur unter den Anhängern der Grünen, hieß es.  

  • Klimawandel und Eisschmelze: Mont Blanc ist kaum wiederzuerkennen

Der Mont Blanc leidet massiv unter dem Klimawandel und der dadurch bedingten Schmelze des Gletschereis. Ein erfahrener Bergsteiger berichtet nun, dass er den höchsten Berg Europas mittlerweile kaum mehr wiedererkenne. Mehr dazu erfährst du hier:

  • Zehntausende bei Klima-Protesten in Neuseeland

Aus Protest gegen unzureichende Maßnahmen der Politik gegen den Klimawandel sind in Neuseeland am Freitag mehrere Zehntausend Menschen auf die Straße gegangen. Die Veranstalter selbst sprachen am Freitag von landesweit 170.000 Teilnehmern. Von der Polizei gab es zunächst keine Zahlen.
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In dem Pazifikstaat mit knapp fünf Millionen Einwohnern gab es in mehr als 40 Städten Demonstrationen. Allein in der Hauptstadt Wellington marschierten nach Schätzungen mehr als 40.000 Menschen mit. Dabei waren neben Schülern auch viele Eltern und Großeltern. Auf Plakaten forderten sie die Politik auf, endlich etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen.
Bei der Kundgebung in Auckland sagte einer der Veranstalter, Luke Wijohn: "Hört nicht mehr darauf, was sie sagen. Schaut hin, was sie machen." Im Parlament von Wellington überreichten Schüler einen Brief mit mehr als 11.000 Unterschriften. Darin wird die Regierung von Premierministerin Jacinda Ardern aufgefordert, für Neuseeland den Klimanotstand auszurufen.

Donnerstag, 26. September 2019:

  • Österreich ruft Klimanotstand aus

Das österreichische Parlament hat sich für die Ausrufung des Klimanotstands ausgesprochen. ÖVP, SPÖ, die liberalen Neos und die Liste Jetzt stimmten am Mittwochabend für einen gemeinsamen Antrag, nur die rechte FPÖ votierte dagegen. Damit wird die Regierung aufgefordert, "die Eindämmung der Klima- und Umweltkrise und ihrer schwerwiegenden Folgen" zu einer "Aufgabe höchster Priorität" anzuerkennen.
Ziel solle es sein, die Emission von Treibhausgasen schnellstmöglich und noch vor 2050 über die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens hinaus netto auf null zu reduzieren, heißt es in dem Vier-Parteien-Antrag. Bei künftigen Entscheidungen sollten zudem immer die Auswirkungen auf das Klima festgestellt werden. Die Regierung soll sich auch auf internationaler Ebene für die Erreichung des Ziels einsetzen, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen.

  • Schockierende Fakten zur Eisschmelze

Der Weltklimarat IPCC hat in seinem neuesten Bericht dramatische Fakten zur Eisschmelze und dem damit verbundenen Meeresspiegelanstieg gezeigt. Welche das sind, erfährst du im folgenden Artikel:

  • So sparst du CO2 im Haushalt - und mehr als 500 Euro!

Vor allem zuhause kann man den CO2-Verbrauch mit ein paar einfach Tricks senken. Und das beste: Neben CO2 sparst du dabei auch noch eine Menge Geld. Wie das geht, zeigt dir unsere Meteorologin Corinna Borau im folgenden Video:

  • Mainz ruft Klimanotstand aus

Der Stadtrat von Mainz hat den Klimanotstand für die Landeshauptstadt beschlossen - wie bereits Dutzende Städte in Deutschland zuvor. Das teilte ein Sprecher der rheinland-pfälzischen Kommune am Mittwoch mit. Ein gemeinsamer Ergänzungsantrag von Abgeordneten mehreren Parteien sei mit breiter Mehrheit angenommen worden. In dem Antrag heißt es unter anderem, die Verwaltung solle prüfen, wie durch Anwendung des Baurechts oder Satzungen das Erreichen der Klimaschutzziele verbessert werden kann. Als Beispiel wird die Nutzung erneuerbarer Energien genannt. In Rheinland-Pfalz hatten auch Landau, Speyer und Trier den Klimanotstand beschlossen.

  • Greta Thunberg kontert ihre Kritiker

Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg hat sich erneut ihre Gegner vorgeknöpft und gleichzeitig für die Klimaproteste am Freitag geworben. "Wie ihr vielleicht bemerkt habt, sind die Hasser so aktiv wie immer - greifen mich, mein Aussehen, meine Kleidung, mein Verhalten und meine Unterschiede an", schrieb die 16-Jährige am Mittwochabend auf Twitter.
Sie verstehe nicht, warum erwachsene Menschen ihre Zeit lieber damit verbrächten, Kinder und Jugendliche für ihre Hinweise auf die Wissenschaft zu verspotten und zu bedrohen, anstatt etwas Gutes zu tun. "Ich nehme an, sie fühlen sich einfach ziemlich bedroht von uns." Weiter ergänzte Thunberg, man solle seine Zeit nicht damit verschwenden, diesen Leuten weitere Beachtung zu schenken. "Die Welt wacht auf. Wandel kommt, ob sie es mögen oder nicht. Wir sehen uns an diesem Freitag auf den Straßen!"

Mittwoch, 25. September 2019:

  • Klimawandel nimmt auch massiven Einfluss auf unsere Wälder

Die Folgen der Erderhitzung bekommt Deutschland nicht nur an den Küsten, sondern auch in den Wäldern zu spüren. Nach schweren Schäden durch Trockenheit und Borkenkäfer sollen sie mit Millionenhilfen aufgeforstet und besser gegen den Klimawandel gewappnet werden.

Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) stellte auf einem "Nationalen Waldgipfel" in Berlin dafür zusätzliche Mittel von Bund und Ländern von bis zu 800 Millionen Euro in den kommenden vier Jahren in Aussicht.
180 000 Hektar geschädigte Fläche - mehr als 250 000 Fußballfelder - seien wieder zu bepflanzen, sagte Klöckner. Umweltschützer mahnten eine "ökologische Waldwende" an. Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) forderte 11 000 zusätzliche Forstkräfte.
Der Grünen-Agrarpolitiker Harald Ebner sagte der dpa, der Wald müsse auch eine Chance bekommen, sich selbst zu erneuern.

  • Auch Kanzlerin Merkel nimmt zu Klimabericht Stellung

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Bürger und Firmen für mehr Klimaschutz zu einem Bewusstseinswandel und Verhaltensänderungen aufgerufen. Merkel sagte am Mittwoch in Berlin bei einem Kongress der Unionsfraktion, der neue Bericht des Weltklimarats gebe allen Grund zu sagen: "Wir müssen hier entschlossen handeln." Es gehe um ein grundsätzliches Umdenken einer ganzen Gesellschaft - und darum, nachhaltig zu wirtschaften und sich die Folgen des eigenen Wirtschaftens vor Augen zu führen.
"Wir sind der Meinung, dass wir angesichts von technologischen Möglichkeiten, von Innovationen, alle Chancen haben, Wohlstand und und Klimafreundlichkeit gut miteinander zu vereinbaren", sagte Merkel. "Wir brauchen also Verhaltensänderungen in allen Bereichen, beim Konsumieren, beim Produzieren, bei der Mobilität und bei der Ernährung genauso wie beim Städtebau." Die jüngsten Demonstrationen zeigten, dass es sehr bedeutsame Ansätze für einen Bewusstseinswandel gebe und gerade junge Leute Druck machten.

  • Betroffene Bundesländer äußern sich zum Klimabericht

Im Norden Deutschlands rechnen Politiker mit höheren Kosten beim Küstenschutz durch den steigenden Meeresspiegel. Der jüngste Bericht des Weltklimarats ging am Mittwoch im globalen Durchschnitt von einem derzeitigen Anstieg von 3,6 Millimetern im Jahr aus. Schleswig-Holstein werde für den Küstenschutz mehr Geld und Personal benötigen, sagte Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne). Gleichzeitig betonte er: "So alarmierend das Szenario ist - mit unserer Küstenschutzstrategie sind wir grundsätzlich darauf vorbereitet". Immerhin fast ein Viertel der Landesfläche Schleswig Holsteins - 3900 Quadratkilometer - zählt zu den überflutungsgefährdeten Niederungen an Nord- und Ostsee sowie Elbe.
In Mecklenburg-Vorpommern werden laut Umweltminister Till Backhaus(SPD) Schutzbauten wie Ufermauern, Hochwasserschutzwände oder Sperrwerke so geplant und errichtet, dass sie bei Bedarf später unproblematisch erhöht werden könnten. Seit 1991 seien rund 500 Millionen Euro in den Schutz der Außen-, Bodden- und Haffküsten von Mecklenburg-Vorpommern geflossen. Derzeit wende das Land jährlich rund 20 Millionen Euro dafür auf. "Das wird zukünftig nicht mehr reichen", erklärte Backhaus am Mittwoch.
"Was bisher als Jahrhundert-Sturmflut galt, wird uns bald viel häufiger ereilen", sagte Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne).
Das bisherige Erhöhungsprogramm der Deiche und Flutschutzbollwerke an der Elbe und in Hamburg gehe weiter, werde aber ab der Mitte des Jahrhundert an seine Grenzen stoßen.

  • Weltklimarat veröffentlich schockierende Fakten zur Eisschmelze

Der neueste Bericht des Weltklimarates IPCC enthält einige dramatische Fakten bezüglich der durch die Erderwärmung verursachten Eisschmelze und den daraus resultierenden Folgen:

  1. Die Welt-Bevölkerung in Meeresnähe und den eisbedeckten Regionen ist den Folgen der Erderwärmung auf Eis und Ozeane unmittelbar ausgesetzt. In flachen Küstenregionen von bis zu zehn Metern Höhe leben rund 680 Millionen Menschen, etwa 10 Prozent der Weltbevölkerung. Bis 2050 könnten es mehr als eine Milliarde sein.
    Dazu kommt die Bevölkerung von rund 65 Millionen in kleinen Inselstaaten. Rund 670 Millionen Menschen leben in den Hochgebirgsregionen aller Kontinente außer Antarktika. Auch hier wird ein Bevölkerungsanstieg auf 740 bis 840 Millionen erwartet.
  2. Weltweit kommt es häufiger zu Ereignissen im Zusammenhang mit der Erwärmung der Ozeane. Die Häufigkeit sogenannter mariner Hitzewellen hat sich verdoppelt. Diese haben zudem an Dauer, Intensität und Ausdehnung zugenommen. Hitzewellen im Meer führten bereits zu einer zunehmenden, umfangreichen Korallenbleiche, was seit 1997 weltweit zu einer Abtragung der Riffe geführt hat. Diese brauchen vermutlich mehr als 15 Jahre, um sich zu erholen - falls sie das überhaupt tun.
  3. Der Meeresspiegel wird in jedem Fall auch noch nach dem Jahr 2100 weiter ansteigen. Im Szenario einer wie bisher fortgesetzten Klimapolitik mit hohem CO2-Ausstoß gehen die Experten bis 2100 von einem um rund zehn Prozent höheren Anstieg des globalen Meeresspiegels aus als im vergangenen Bericht. Demnach könne er seit Anfang des 20. Jahrhunderts bis 2100 um bis zu rund einem Meter steigen. Mit mehreren Zentimetern pro Jahr werde der Spiegel bei diesem Szenario in den darauf folgenden Jahrhunderten um mehrere Meter steigen. Selbst wenn das Pariser Klimaschutzabkommen umgesetzt werde, könnte der Anstieg um das Jahr 2300 herum ungefähr einen Meter betragen.
  4. Nehmen die Bemühungen nicht zu, Küstenregionen gegen Überschwemmungen abzusichern und Maßnahmen etwa gegen Bodenabtragung zu ergreifen, werden die jährlichen Flutschäden bis 2100 im Vergleich zu heute um das Zwei- bis Dreifache steigen. Global betrachtet kann ein angemessener Küstenschutz das Überschwemmungsrisiko um denselben Faktor reduzieren. Im erforderlichen Umfang würde dieser allerdings bis zu mehrere Hundert Milliarden US-Dollar pro Jahr kosten.
  • Klimarat warnt vor Eisschmelze und dem damit verbundenen Meeresspiegelanstieg

Der Weltklimarat IPCC hat in seiner neuesten Veröffentlichung vor katastrophalen Folgen durch die Erderwärmung gewarnt. Schuld daran sind die Eisschmelze und der daraus resultierende Anstieg des Meeresspiegels. Welche Folgen das genau sind und wie man die Folgen eindämmen kann, erfährst du im folgenden Artikel:

Klimarat warnt: Erderwärmung verursacht massiven Meeresspiegelanstieg

Dienstag, 24. September 2019:

  • Aus diesen Gründen müssen wir unseren CO2-Verbrauch reduzieren

Der hohe CO2-Ausstoß ist der Hauptgrund für die so rasant ansteigende globale Erwärmung, weshalb wir dringend den Verbrauch reduzieren müssen. Mehr dazu erfährst du im folgenden Artikel:

Große Wirkung: Deshalb müssen wir dem CO2-Ausstoß reduzieren

  • Report des Weltklimarats: Das passiert, wenn das Eis schmilzt

Ganze Inselgruppen sind vom Untergang bedroht und Skigebiete verschwinden - die Erderwärmung hat massive Auswirkungen auf Eismassen und Ozeane. Rund 130 Forscher aus mehr als 37 Ländern haben die Folgen der menschengemachten Treibhausgase auf die Weltmeere, Eismassen und somit auch auf Mensch und Natur für den Weltklimarat IPCC auf vielen Seiten analysiert und das Wissen in einem Bericht zusammengefasst.
Seit Freitag ringen Forscher und Delegierte der 195 IPCC-Mitgliedstaaten in Monaco um die exakten Formulierungen dieser Zusammenfassung für Politiker und andere Entscheidungsträger. Am Mittwoch soll der mit Spannung erwartete Bericht in dem Fürstentum an der Riviera vorgestellt werden.
"Was am Mittwoch in dieser Zusammenfassung steht, ist mit allen Regierungen abgestimmt, dahinter kann also niemand mehr zurück", betont der Oxfam-Klimaexperte Jan Kowalzig. Er fürchtet allerdings auch, dass einzelne Länder "ehrgeizige, ehrliche oder richtungsweisende Aussagen" blockieren können, wenn sie ihnen politisch nicht genehm sind. Das bedeute, die in Monaco zur Verhandlung stehende Zusammenfassung könne bei einzelnen Themen so etwas wie "der kleinste gemeinsame Nenner" sein, so Kowalzig.

  • Thunberg und 15 weitere Kinder legen Beschwerde bei der UN ein

Die Klima-Aktivistin Greta Thunberg und 15 weitere Kinder und Jugendliche aus zwölf Ländern haben eine Beschwerde beim Kinderrechtsausschuss der Vereinten Nationen eingereicht. Darin werfen sie den UN-Mitgliedsstaaten vor, nicht genug gegen den Klimawandel zu unternehmen und damit gegen die vor 30 Jahre verabschiedete UN-Kinderrechtskonvention zu verstoßen, wie das UN-Kinderhilfswerk Unicef am Montag mitteilte.
Unter den Jugendlichen ist auch eine 15-Jährige aus Hamburg. Die 1989 verabschiedete Kinderrechtskonvention legt Standards zum Schutz von Kindern weltweit fest - zu den Themen Überleben, Entwicklung, Nichtdiskriminierung, Interessenwahrnehmung und Beteiligung.
Die Beschwerde ist aufgrund eines Zusatzprotokolls zur Kinderrechtskonvention möglich. Die Kinder und Jugendlichen zwischen
8 und 17 Jahren aus Argentinien, Brasilien, Deutschland, Frankreich, Indien, den Marshallinseln Nigeria, Palau, Südafrika, Schweden, Tunesien und den USA werden dabei von einer Rechtsanwaltskanzlei unterstützt. Auch Unicef unterstützt das Anliegen der Kinder, ist aber nicht offizieller Partner der Beschwerde.

  • Auch der Papst äußert sich zum Klimagipfel

Per Videobotschaft meldete sich auch Papst Franziskus zu Wort. "Auch wenn die Lage nicht gut ist und der Planet leidet, ist das Fenster der Möglichkeiten noch immer geöffnet", sagte das Oberhaupt der Katholischen Kirche. "Noch. Noch sind wir in der Zeit. Lassen wir nicht zu, dass es sich schließt."

  • Greta Thunberg trifft unfreiwillig auf Donald Trump

Klimaaktivistin Greta Thunberg hat vor ihrer Reise zum UN-Klimagipfel angekündigt, sich nicht mit US-Präsident Donald Trump treffen zu wollen. Nun sahen sich die beiden eher zufällig auf dem Klimagipfel. Wie die 16-Jährige das unfreiwillige Aufeinandertreffen mit Trump fand, ließ sich gut an ihrem Gesichtsausdruck ablesen. Mehr dazu im folgenden Video:

Montag, 23. September 2019:

  • Greta Thunberg mit mahnender Rede bei UN-Klimagipfel

Die Klima-Aktivistin Greta Thunberg hat beim Klimagipfel der Vereinten Nationen die Staats- und Regierungschefs der Welt mit einem emotionalen und eindringlichen Appell zu mehr Engagement beim Klimaschutz aufgefordert. "Wie konntet Ihr es wagen, meine Träume und meine Kindheit zu stehlen mit Euren leeren Worten?", sagte Thunberg am Montag in New York mit Tränen in den Augen. "Wir stehen am Anfang eines Massenaussterbens und alles, worüber Ihr reden könnt, ist Geld und die Märchen von einem für immer anhaltenden wirtschaftlichen Wachstum - wie könnt Ihr es wagen?"
Die wissenschaftlichen Vorhersagen zum Klimawandel seien seit Jahrzehnten mehr als deutlich, sagte die 16-Jährige weiter. "Wie könnt Ihr es wagen zu glauben, dass man das lösen kann, indem man so weiter macht wie vorher - und mit ein paar technischen Lösungsansätzen? Ihr seid immer noch nicht reif genug zu sagen, wie es wirklich ist. Ihr lasst uns im Stich. Alle kommenden Generationen haben euch im Blick und wenn Ihr Euch dazu entscheidet, uns im Stich zu lassen, dann entscheide ich mich zu sagen: Wir werden Euch nie vergeben! Wir werden Euch das nicht durchgehen lassen!"
Die Rede der 16-Jährigen gibt es hier im Video:

  • 66 Länder wollen bis 2050 klimaneutral werden

Unmittelbar vor dem Klimagipfel in New York hat UN-Generalsekretär Antonio Guterres konkrete Zusagen der Teilnehmerstaaten veröffentlicht. Danach verpflichten sich 66 Länder, zehn Regionen, 102 Städte und 93 Konzerne bis 2050 klimaneutral zu werden, also unter dem Strich keine klimaschädlichen Treibhausgase mehr auszustoßen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat dieses Ziel auch für Deutschland ausgerufen.
"Der Klima-Notfall ist ein Rennen, das wir derzeit verlieren, aber es ist ein Rennen, das wir gewinnen können", sagte Guterres laut einer schriftlichen Erklärung seines Büros. "Das ist kein Klima-Gipfel der Reden. Wir haben genug geredet. Das ist kein Klima-Gipfel der Verhandlungen. Man verhandelt nicht mit der Natur. Das ist ein Klima-Gipfel der Taten."
Nach seinen Angaben haben 59 Staaten zugesichert, einen erweiterten Klima-Aktionsplan vorzulegen. Nach dem Pariser UN-Klimaabkommen von 2015 sollten das allerdings bis 2020 eigentlich alle Unterzeichner machen. Bisher sind es nur etwa ein Drittel.
Guterres eröffnete am Montag den eintägigen Gipfel, der die Dringlichkeit des Kampfes gegen die globale Erderwärmung verdeutlichen soll.

  • Merkel mit Appell zur Regenwald-Rettung

Kanzlerin Angela Merkel hat mit einem dringenden Appell zur Rettung des Regenwaldes nicht nur im Amazonas, sondern auch in Afrika etwa im Kongo aufgerufen. "Es gibt in Deutschland ein Sprichwort: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es", sagte Merkel am Montag bei einem Treffen einer "Allianz für den Amazonas" am Rande des UN-Klimagipfels in New York. Sie forderte die Staats- und Regierungschefs auf: "Agieren wir, handeln wir für unseren Regenwald auf der Welt. Es ist so wichtig für unser aller Überleben."
 
Merkel sprach sich für die Einbeziehung der indigenen Völker und für gezielte Finanzhilfen zur Rettung des Regenwaldes aus, wenn Ergebnisse nachgewiesen werden könnten. So gehe Deutschland etwa im Amazonasfonds in Brasilien zusammen mit Norwegen vor: Immer dann würden Zahlungen gegeben, "wenn man nachweisen kann, dass wirklich eine Reduzierung der Entwaldung stattgefunden hat." 

  • Russland tritt offiziell Pariser Klimaabkommen bei

Russland ist per Regierungsverfügung dem Klimaschutzabkommen von Paris offiziell beigetreten. Regierungschef Dmitri Medwedew unterzeichnete das Dokument, wie er am Montag in Moskau mitteilte. Russland werde die Luftverschmutzung reduzieren und Wälder aufforsten, sagte er.
Unklar blieb aber, wie Russland den Ausstoß des klimaschädlichen Treibhausgases CO2 reduzieren will. Die Rohstoffgroßmacht, die vor allem von ihren Gas- und Ölressourcen lebt, gehört zu Ländern mit dem höchsten Ausstoß von Kohlendioxid.
Kremlchef Wladimir Putin hatte Ende Juni eine baldige Ratifizierung des Abkommens - also eine Bestätigung durch das Parlament - angekündigt. Nun teilte die Regierung mit, es brauche gar keinen Ratifizierungsprozess. "Für unser Land ist die Teilnahme an diesem Prozess wichtig", sagte Medwedew. Besonders für die Menschen, die in Regionen mit Permafrostböden lebten, sei dies auch eine Frage der Sicherheit. Wegen des Klimawandels tauen dort die Böden auf.
Medwedew sagte, dass durch den Klimawandel das ökologische Gleichgewicht zerstört werde. Außerdem habe die Zahl der Naturkatastrophen zugenommen. Russland kämpfte im Sommer gegen die schlimmsten Waldbrände seit Jahren in Sibirien sowie gegen eine Jahrhundertflut nach extremen Regenfällen.
Russland stehe nun vor der Aufgabe, Maßnahmen für eine Einhaltung der Klimaziele von Paris zu entwickeln, sagte Vize-Regierungschef Alexej Gordejew. Ein solches Papier, das die nationalen Interessen Russlands berücksichtige, solle 2020 vorliegen. Das Abkommen von Paris sieht vor, die Erderwärmung auf unter 2 Grad Celsius zu begrenzen, möglichst sogar auf 1,5 Grad.

  • So betreiben andere Länder Klimapolitik

Während in Deutschland mit dem Klimapaket erste Schritte in Richtung Klimaschutz eingeleitet wurden, haben viele Länder in Sachen Umweltschutz noch einen großen Nachholbedarf. Um welche Länder es sich dabei handelt, erfährst du im folgenden Artikel:

  • UN-Generalsekretär warnt vor weiterer Regenwald-Abholzung

UN-Generalsekretär António Guterres hat vor der fortschreitenden Abholzung tropischer Regenwälder gewarnt. Der Kahlschlag durch Brände im Amazonasbecken und in anderen Regionen schädige nicht nur die örtliche Bevölkerung, sondern berge Gefahren für die ganze Welt.
"Wir können uns nicht leisten, eine solch wichtige Sauerstoffquelle zu beschädigen", sagte Guterres am Montag bei einer Veranstaltung zum Schutz der Regenwälder vor dem offiziellen Beginn des UN-Klimagipfels in New York. "Wenn sich die Atmosphäre mit Rauch und Asche füllt, wird unsere Zukunft düster."
 
Der UN-Chef erwähnte dabei auch bislang beispiellose Brände rund um den Polarkreis im Sommer sowie die Feuer in Kalifornien im vergangenen Jahr, die Schäden von 16 Milliarden Dollar (14,56 Milliarden Euro) verursacht hätten.

  • SPD-Fraktionsvizes verteidigen Klimapaket

Die SPD-Fraktionsvizes Sören Bartol und Matthias Miersch haben das Klimapaket der schwarz-roten Bundesregierung gegen Kritik verteidigt. "Klar, ohne die notwendigen Kompromisse mit unserem Koalitionspartner wären einige Ergebnisse noch ambitionierter ausgefallen", schrieben die Bundestagsabgeordneten am Montag in einem Brief an die Fraktion, der der Deutschen Presse-Agentur vorlag. Das Konzept sei jedoch ein großer Schritt in die richtige Richtung. "Es ist ein guter erster Anfang auf dem Weg zu einem sozial ökologischen Umbau unserer Gesellschaft." Jetzt müssten die Vereinbarungen in Gesetze gegossen und beschlossen werden.
Dabei setzen die beiden SPD-Politiker auch auf weitere Schritte - und auf "möglicherweise neue Perspektiven" durch die kommenden Wahlen. An dem am Freitag vorgestellten Klimakonzept der Bundesregierung gibt es scharfe Kritik von Opposition, Umweltschützern und Wirtschaftsverbänden. Führende Forscher halten es für zu kleinteilig und in der Wirkungskraft zu begrenzt.

  • Hamburger Klimawoche rechnet mit deutlich mehr Teilnehmern

Angesichts der aktuellen Debatte über den Klimawandel rechnen die Organisatoren der Hamburger Klimawoche in diesem Jahr mit deutlich mehr Teilnehmern. Im vergangenen Jahr hätten schätzungsweise rund 40 000 Menschen die zahlreichen Veranstaltungen besucht, sagte der Beiratsvorsitzende Frank Schweikert am Montag. "In diesem Jahr werden es sicher mehr als 100 000 Leute sein, die in irgendeiner Form daran teilnehmen."
Das Interesse sei auch dadurch groß, dass der Segler Boris Herrmann, der die Fridays-for-Future-Gründerin Greta Thunberg mit seinem Team Malizia über den Atlantik brachte, die Schirmherrschaft über die Klimawoche übernommen habe. Von den Beschlüssen der Bundesregierung zum Klimaschutz zeigten sich die Klimawoche-Organisatoren enttäuscht.

  • Bundesregierung kompensiert CO2-Emissionen von Flügen und Autofahrten

Ihre dienstlichen Flüge und Autofahrten gleicht die Bundesregierung nach eigenen Angaben komplett durch Investitionen in Klimaschutzprojekte aus. Sie reagierte damit auf Medienberichte über die Flüge von Kabinettsmitgliedern in die USA in dieser Woche.
Ein Sprecher des Umweltministeriums erklärte am Montag in Berlin, für Dienstreisen von Angehörigen von 121 Ministerien und Bundesbehörden im Jahr 2017 seien für rund 1,7 Millionen Euro Emissionsgutschriften in Höhe von etwas mehr als 300 000 Tonnen CO2 (Kohlendioxid) erworben worden. Für die Kompensation im Jahr 2018 seien rund zwei Millionen Euro vorgesehen.
Unterstützt wurden damit laut Umweltbundesamt unter anderem der Bau von Biogasanlagen in Nepal und der Einbau effizienter Kochöfen in ländlichen Gebieten Sambias.

  • Umweltministerium verteidigt Klimapaket

Nach der scharfen Kritik am Klimapaket hat das Bundesumweltministerium die Entscheidungen verteidigt. "Ich bin überzeugt, dass der Gesamtmechanismus geeignet ist, Deutschland auf Zielkurs zu bringen", sagte Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth am Montag in Berlin. Es könne aber passieren, dass man am Anfang des kommenden Jahrzehnts noch hinter den Plänen zurückbleibe.
"Herzstück" sei das Klimaschutzgesetz, in dem jahresgenau Treibhausgas-Budgets für einzelne Bereiche wie Verkehr, Gebäude oder Landwirtschaft festgeschrieben werden sollen.
Wenn Ziele gerissen werden, müssen die Fachminister Sofortprogramme vorlegen. Das sei "der Schlüssel zu einem künftigen Erfolg", weil Anstrengungen im Klimaschutz "aus der Anonymität herausgeholt" würden. Künftig seien die Ziele Gesetz. "Da muss man sich dran halten", sagte Flasbarth.

  • Faktencheck: So verändert der Klimawandel unsere Natur

Durch den Klimawandel wird unsere Natur massiv verändert. Waldsterben, Gletscherschmelze sowie die Versauerung der Meere sind nur einige Folgen. Inwieweit diese Veränderungen aussehen und welchen Einfluss der Mensch darauf hat, erfährst du im folgenden Video:

  • CSU-Vorsitzender Söder sieht Klimapaket positiv

Der CSU-Vorsitzende Markus Söder verteidigte das Klimapaket. Die Kanzlerin werde beim UN-Klimagipfel in New York international große Beachtung für die Pläne Deutschlands finden, sagte der bayerische Ministerpräsident am Sonntagabend im ARD-"Bericht aus Berlin". "Denn wir sind von den Industrienationen jetzt das Land, das am führendsten vorangeht", wenn es um Klimaschutz, aber auch Erhalt von Wohlstand und Konjunktur gehe. 

Sonntag, 22. September 2019:

  • Deutschland tritt Allianz der Kohleausstiegsländer bei 

An diesem Sonntag wird Deutschland Teil der internationalen Allianz für den Kohleausstieg. "Der Kohleausstieg ist ein zentraler Baustein für den weltweiten Klimaschutz", sagte Bundesumweltministerin Svenja Schulze anlässlich der am Rande des UN-Klimagipfels in New York geplanten Verkündung den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Mit den Beschlüssen des Klimakabinetts bekennt sich die Bundesregierung offiziell zum Kohleausstieg. Damit können wir endlich auch der Allianz der Kohleausstiegsländer beitreten."

Die Allianz zeige, dass die Kohleverstromung in den verschiedenen Teilen der Welt zum Auslaufmodell werde. "Wenn ein großes Industrieland wie Deutschland sich von Atom und Kohle verabschiedet und seine Energieversorgung schrittweise vollständig auf erneuerbare Energien umstellt, ist das auch ein starkes Signal für andere Teile der Welt", erklärte Schulze.

Bundesumweltministerium Tweet Kohleausstieg

In Deutschland sollen bis spätestens 2038 schrittweise alle Kraftwerke mit einer Gesamtleistung von 42,5 Gigawatt vom Netz genommen werden, nach Möglichkeit schon bis 2035. Bis 2030 soll die Kraftwerksleistung auf 17 Gigawatt reduziert werden.

Die 2017 gegründete sogenannte "Powering Past Coal Alliance" umfasste bislang 30 nationale Regierungen sowie zudem Regionen und Unternehmen. Sie bekennen sich dazu, den Bau neuer Kohlekraftwerke zu stoppen, die internationale Kohlefinanzierung zu beenden, ein Datum für den Kohleausstieg festzulegen und ihre nationalen Klimaschutzmaßnahmen auf die Ziele des Pariser Klimaabkommens auszurichten. Deutschland hat mit den Beschlüssen des Klimakabinetts am Freitag dafür die Weichen gestellt.

  • Veränderter Planet: Stumme Zeitzeugen des Klimawandels

Im Zuge des Klimawandels hat sich die Natur auf der Erde teils dramatisch verändert. Eisflächen schmelzen, Seen trocknen aus, Wüsten wachsen. Die Bildergalerie zeigt einige Beispiele im Vorher-Nachher-Vergleich.

  • Klimafreundliche Ernährung: So kann CO2 eingespart werden

Nicht nur das Auto, sondern auch unsere Ernährung ist ein wichtiger Faktor hinsichtlich des Klimaschutzes und der CO2-Einsparung. Mit diesen Ernährungstipps kann die Umwelt entlastet werden. 

  • Autofreier Sonntag in Berlin - Menschen sollen Wagen stehen lassen 

Für den Klimaschutz sollen Autos in Berlin an diesem Sonntag stehen bleiben. Der Senat und mehrere Organisationen rufen dazu auf, sich am autofreien Sonntag - ein europaweiter Aktionstag - zu beteiligen. 

Fahrgäste der U- und S-Bahnen sowie in Bussen und Regionalbahnen können in Berlin den ganzen Tag mit einem normalen Einzelticket (2,80 Euro) Bus und Bahn fahren. Auch in Potsdam gelten Vergünstigungen. "Der ÖPNV muss dringend weiter ausgebaut werden, damit wir nicht am Autoverkehr mit den immer schwereren und breiteren Fahrzeugen ersticken", sagte der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH), Jürgen Resch. 

rbb Tweet autofreiersonntag

Die Spitzen der großen Koalition hatten sich auf ein Maßnahmenpaket geeinigt, mit dem die Klimaschutz-Ziele für 2030 geschafft werden sollen. Die Koalition will unter anderem Bahnfahren billiger und Flüge teurer machen. So soll die Mehrwertsteuer auf Fernzugtickets von 19 auf 7 Prozent sinken.

Samstag, 21. September 2019: 

  • Thunberg vor Vereinten Nationen: "Uns kann niemand stoppen"

Die schwedische Aktivistin Greta Thunberg hat nach den weltweiten Klimaprotesten vor den Vereinten Nationen den Kampf gegen die Klimakrise beschworen.

"Gestern sind Millionen Menschen rund um den Globus marschiert und haben wirkliche Klimamaßnahmen verlangt, vor allem junge Leute", sagte die 16-Jährige am Samstag beim UN-Jugendklimagipfel in New York. "Wir haben gezeigt, dass wir geeint sind und dass uns junge Leute niemand stoppen kann."

Reuters Tweet Greta Thunberg UN

  • Kanzleramtschef verteidigt CO2-Preis-Pläne 

Kanzleramtschef Helge Braun hat das Klimaschutzpaket der großen Koalition verteidigt. "Wir wollen, dass alle Menschen ihr Verhalten ändern, dass sie sich klimafreundlicher verhalten. Aber wir wollen, dass sie es freiwillig tun und wir wollen auch, dass sie den Umstieg gut schaffen", sagte der CDU-Politiker am Samstag im Deutschlandfunk. "Alle sollen schrittweise umsteigen. Wir werden aber niemanden zwingen, heute seine Mobilität von jetzt auf gleich einzuschränken."

Zu dem von Umweltschützern kritisierten moderaten Einstieg in einen CO2-Preis sagte Braun: "Das Entscheidende ist, dass wir hier in einen Emissionshandel einsteigen." Es müssten jetzt alle damit rechnen, dass es eine Umstellungsphase von fünf Jahren gebe, "wo wir ihnen helfen, die Heizung auszutauschen, wo sie die nächste Entscheidung fürs neue Auto treffen, das soll CO2-neutraler sein". "Und danach kann der Preis dann auch sehr viel deutlicher steigen, weil wir dann ihn politisch nicht mehr so stark regulieren werden", erläuterte Braun. 

  • Klima-Maßnahmen nicht ambitioniert genug

Der Wissenschaftler Volker Quaschning hat die Klimaschutz-Vereinbarungen der großen Koalition ebenfalls scharf kritisiert: Die Regierung tue so, "als ob wir 200 Jahre Zeit hätten. Dann wären die Maßnahmen gut, aber nicht bei 15 Jahren", sagte Quaschning am Samstag. In dem vorgelegten Eckpunktepapier erkennt Quaschning demnach "keine Logik und keinen Sachverstand". Mit Blick auf die künftige CO2-Bepreisung bemängelte er, dass sie erst in zwei Jahren einsetze und wesentlich zu niedrig sei. "Man hat sich nicht einmal getraut, diesen Mikroschritt in diese Legislaturperiode zu legen". 

VQuaschning Tweet Klimapaket Erwartung unterboten

Quaschning sagte weiter: Eine Bepreisung von zehn Euro pro Tonne CO2 "bedeutet umgerechnet, dass man etwa drei Cent pro Liter Sprit mehr zahlt. Wenn ich eine Straße weiter zur nächsten Zapfsäule fahre, habe ich auch drei Cent pro Liter Unterschied. Das wird keinen Menschen dazu bringen, weniger Auto zu fahren."

  • Städtetag: Für Klima-Erfolg muss Verkehrswende auf Touren kommen

Der Erfolg der Klimabeschlüsse wird sich nach Ansicht des Deutschen Städtetages maßgeblich an der Verkehrswende hin zu nachhaltiger Mobilität entscheiden. "Die von der Koalition beschlossenen Eckpunkte für das Klimaschutzprogramm 2030 sind ein wichtiger Schritt zur Einhaltung der Klimaziele", sagte Städtetagspräsident Burkhard Jung am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. "Damit wir die Klimaziele für 2030 erreichen können, muss aus Sicht der Städte vor allem die Verkehrswende hin zu nachhaltiger Mobilität viel stärker auf Touren kommen", sagte der Leipziger Oberbürgermeister.

In den Klimaschutz-Vereinbarungen der großen Koalition werden nach seinen Worten mehrere sachgerechte Vorschläge unterbreitet, wie zum Beispiel das Bahnfahren attraktiver zu machen sowie Elektromobilität und Radverkehr stärker zu fördern. "Dies wird aber nicht reichen", sagte er. Die Städte brauchten die Unterstützung durch Bund und Länder, um rasch die nötigen Investitionen für einen attraktiven öffentlichen Nahverkehr mit modernen Bussen und Bahnen leisten zu können.

Die beabsichtigte Anhebung der Mittel für die kommunale Verkehrsinfrastruktur durch das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz auf zwei Milliarden Euro jährlich sei gut, sagte er. Das dürfe aber nicht erst ab 2025, sondern müsse noch in dieser Legislaturperiode kommen. "Wir müssen es schaffen, dass der CO2-Ausstoß im Verkehr signifikant sinkt. Denn bisher sind im Verkehrsbereich noch keine entscheidenden Beiträge zum Klimaschutz erreicht worden."

  • Reaktionen der internationalen Presse

So kommentiert die internationale Presse über das deutsche Klimapaket und die Klimaproteste:

"Neue Zürcher Zeitung" (Schweiz): "Die deutsche Regierung will laut den am Freitag vorgelegten Eckpunkten für das Klimaschutzprogramm 2030 künftig auch die Sektoren Verkehr und Gebäude/Wärme schrittweise in einen nationalen Emissionshandel einbeziehen. Das wäre eigentlich eine gute Nachricht. (...) Doch die schwarz-rote Koalition geht das Vorhaben derart mutlos an, dass die Gefahr groß ist, dass die Gesamtkosten des Klimapakets unnötig hoch ausfallen und der angestrebte Abbau von Emissionen dennoch verfehlt wird."

"Independent" (Großbritannien): "Dies ist die perfekte Erinnerung für alle Teilnehmer des UN-Klimagipfels in New York an das, was auf dem Spiel steht. Die Angelegenheit könnte kaum wichtiger sein. Wie auf den Plakaten der Demonstranten steht: Es gibt keinen Planeten B. Und zur Generation der heutigen Spitzenpolitiker, die die künftige Existenz der Menschheit in ihren Händen hält, sagen die Jugendlichen: Ihr mögt an Altersschwäche sterben, aber eure Kinder und Enkelkinder werden an den Folgen des Klimawandels sterben. Wir wurden gewarnt."

"La Repubblica" (Italien): "Greta hat die Welt aufgerüttelt und sie auf die Straße gebracht. Sie hat einen einsamen und persönlichen Kampf in einen Krieg verwandelt, der von Millionen jungen Menschen von New York bis Sydney, über Delhi und Manila geführt wird. Ihr Schulstreik ist von einer symbolischen Geste zu einem kollektiven Ritual geworden. Aber vor allem ist ihre Besessenheit, die Menschheit vor der Klimakrise zu retten, heute eine Sorge der Massen, die endlich die Entscheidungen der Politik beeinflussen kann. Das zeigt die Entscheidung der deutschen Bundesregierung."

Repubblica Tweet Greta Thunberg

  • Wissenschaftler zum Klimapaket: Viel Schatten, wenig Licht

Führende Umwelt- und Wirtschaftsforscher haben die Klimaschutz-Vereinbarungen der großen Koalition kritisiert. Sie halten sie für zu kleinteilig und in der Wirkungskraft zu begrenzt. Gelobt wird allerdings der vereinbarte Mechanismus zur Überprüfung, ob die Maßnahmen wirken. "Das ist halt alles, was eine Drei-Parteien-Koalition hinbekommt", sagte der Wissenschaftliche Geschäftsführer des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung in Leipzig, Professor Georg Teutsch.

"Viele Einzelmaßnahmen, von denen heute kein Mensch sagen kann, wie sie in der Summe wirken werden." Die zentrale Maßnahme - die Festlegung eines Preises für den Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) - sei viel zu zaghaft, um schnell Wirkung zu erzeugen. Starten soll die Bepreisung von Benzin, Diesel, Heizöl und Erdgas 2021 mit einem Festpreis für Verschmutzungsrechte von 10 Euro pro Tonne CO2. Bis 2025 soll der Preis schrittweise auf 35 Euro steigen - was zum Beispiel Diesel beim Tanken um gut 9 Cent verteuern würde.

Auch das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hält das für unzureichend. "Von dem Einstiegspreis von zehn Euro sind keine Verhaltensänderungen zu erwarten, hier stand offenbar der Verzicht auf harte Belastungen im Vordergrund", sagte IW-Geschäftsführer Hubertus Bardt. Der Ansatz, die Einführung des CO2-Preises für den Gebäude- und den Verkehrssektor mit Förderprogrammen zu verbinden, sei dagegen "sinnvoll, weil er die notwendigen Investitionen in den nächsten Jahren voranbringen kann".

iw_koeln Tweet CO2 Klima

Insgesamt sei das Sammelsurium an Preissignalen aber ohne effiziente klimapolitische Steuerung. Umweltforscher Teutsch zeigte sich trotzdem "etwas optimistisch", weil die Maßnahmen von einem Monitoring begleitet werden sollen.

"Wenn es bei Nichteinhaltung wirklich klare Konsequenzen mit entsprechender Nachsteuerung gibt - und das hängt entscheidend von dem noch zu formulierenden Kontroll- und Korrekturprozess ab - dann könnten wir die Klimaziele für 2030 und 2050 tatsächlich erreichen", sagte er. Der Druck auf die Politik müsse aufrechterhalten werden.

Für die Deutsche Energie-Agentur (dena) ist das Vereinbarte "sehr wahrscheinlich noch nicht genug, um die Klimaziele 2030 zu erreichen", wie Geschäftsführer Andreas Kuhlmann erklärte. Bundestag und Bundesrat müssten das Konzept nun weiterentwickeln. Auch er lobte aber den Prüfmechanismus.

  • Jeder kann zum Klimaschutz beitragen

Müllvermeidung, weniger Fleisch essen und weniger Fliegen: Jeder Einzelne kann zum Schutz der Umwelt beitragen. 

Wir haben 17 Tipps gesammelt, mit denen circa 3500 Kilogramm CO2 pro Jahr gespart werden kann. Viele davon können schon heute umgesetzt und ganz einfach im Alltag integriert werden:

  • Aktivisten enttäuscht vom Klimaschutzpaket

Weltweit sind am Freitag Millionen von Menschen auf die Straßen gegangen, um für mehr Klimaschutz zu demonstrieren. In Stockholm meldete sich Greta Thunberg zu Wort. Mit dem Klimaschutzpaket der Bundesregierung, das die Große Koalition am Freitag in Berlin vorstellte, sind viele Klimaaktivisten nicht einverstanden.

Friedlich und ohne Ordnungswidrigkeiten wiesen Vertreterinnen und Vertreter der Fridays-For-Future-Bewegung auf das in ihren Augen misslungene Klimapaket hin. Um ihren Unmut kundzutun, griffen andere zu drastischeren Maßnahmen. Die weltweit aktive Bewegung Extinction Rebellion hielt am frühen Freitagabend einen Sitzstreik am Potsdamer Platz ab und legte somit den Verkehr lahm:

Freitag, 20. September 2019:

  • Bundesregierung erzielt Einigung über Klimapaket

Die Koalitionsspitzen von Union und SPD haben einen Durchbruch bei ihren knapp 19-stündigen Verhandlungen im Kanzleramt über mehr Klimaschutz erzielt. Sie einigten sich auf ein 50 Milliarden Euro schweres Gesamtpaket, das ohne die Aufnahme neuer Schulden oder einer Klimaanleihe umgesetzt werden soll. Vorgesehen ist, dass künftig nachgesteuert wird, wenn Deutschland beim CO2-Sparen weiterhin nicht schnell genug vorankommt, um das Klimaziel für das Jahr 2030 zu schaffen.

Damit Deutschland beim Klimaschutz künftig auf Kurs bleibt, soll ein Gesetz in Zukunft Treibhausgas-Einsparziele für einzelne Bereiche und klare Regeln fürs Nachsteuern festschreiben. Für Verkehr, Industrie, Landwirtschaft, Gebäude und weitere Sektoren werden auf Basis der bereits im Klimaschutzplan 2050 vereinbarten Ziele jährliche CO2-Budgets in einem Gesetz verankert. Das Klimakabinett der Bundesregierung soll zur Dauereinrichtung werden und Wirkung und Effizienz der Klimaschutz-Maßnahmen jährlich prüfen.

Auch ein externer Expertenrat soll diese Arbeit begleiten. Wenn ein Bereich seine Ziele nicht schafft, soll der zuständige Bundesminister innerhalb von drei Monaten, nachdem die Daten zum CO2-Ausstoß von den Experten bestätigt wurden, dem Klimakabinett ein "Sofortprogramm zur Nachsteuerung" vorlegen.

Zudem wurde sich seitens der Regierung auf einen Preis für den Ausstoß des klimaschädlichen Treibhausgases CO2 im Verkehr und bei Gebäuden geeinigt - über einen Handel mit Zertifikaten. So soll der Start demnach 2021 mit einem niedrigen Einstiegspreis  von 10 Euro pro Tonne Kohlendioxid erfolgen. Bis zum Jahr 2025 soll der Preis schrittweise auf 35 Euro steigen.

2021 sollen Benzin und Diesel um 3 Cent teurer werden, bis 2026 dann 10 Cent. Als Entlastung für Fernpendler für einen CO2-Preis im Verkehr haben sich die Koalitionsspitzen auf eine Erhöhung der Pendlerpauschale um fünf Cent pro Kilometer von 2021 an geeinigt. Pro Entfernungskilometer sollen demnach künftig 35 statt 30 Cent von der Steuer abgesetzt werden können - allerdings erst ab dem 21. Kilometer.

Im Gegenzug zu einem CO2-Preis im Verkehr und bei Gebäuden soll die EEG-Umlage zur Förderung des Ökostroms ab 2021 gesenkt werden, wie aus einem 22-seitigen Eckpunktepapier hervorgeht.

Auch wurde sich darauf verständigt, dass der Einbau neuer Ölheizungen bereits ab dem Jahr 2026 verboten wird. Wer seine alte Ölheizung gegen ein klimafreundlicheres Modell auswechselt, soll mit bis zu 40 Prozent der Kosten gefördert werden.

Darüber hinaus will die große Koalition die Mehrwertsteuer auf Bahntickets im Fernverkehr senken und die Luftverkehrsteuer zum 1. Januar 2020 anheben. Zugleich soll es seitens des Bundes eine Kapitalerhöhung bei der Deutschen Bahn geben. Der Bund wird sich von 2020 bis 2030 jährlich mit einer Milliarde Euro zusätzlichen Eigenkapitals an der Bahn beteiligen. Mit der Kapitalerhöhung soll der bundeseigene Konzern in die Lage versetzt werden, zusätzliches Kapital in die Modernisierung, den Ausbau und die Elektrifizierung des Schienennetzes und das Bahnsystem zu investieren.

Als erste Reaktion kündigte die Deutsche Bahn am Freitag an, dass die Fahrpreise im Fernverkehr um zehn Prozent sinken sollen. Das gelte, sobald die geplante Mehrwertsteuersenkung für den Fernverkehr in Kraft tritt. Die sonst zum Jahresende übliche Preiserhöhung wird es nicht geben. Der Staatskonzern kündigte zudem an, ab Ende 2022 zusätzlich 30 neue Hochgeschwindigkeitszüge zu kaufen. Man rechne mit jährlich fünf Millionen zusätzlichen Fahrgästen durch die geplante Steuersenkung.

  • Reaktionen: Klimapaket für Fridays for Future ein "Eklat"

Die Klimaschutzbewegung Fridays for Future hat das Klimapaket der Bundesregierung scharf kritisiert. "Wenn man jahrelang nichts für den #Klimaschutz tut & dann nach massivem monatelangem Druck aus der Bevölkerung Maßnahmen diskutiert, die mit 1,5 Grad rein gar nichts zu tun haben, ist das kein 'Durchbruch', sondern ein Eklat", twitterte der deutsche Ableger der internationalen Bewegung nach Bekanntwerden erster Eckpunkte.

Tweet Fridays for Future

Die Pläne zur CO2-Bepreisung seien "ein Schlag ins Gesicht" aller, die am Freitag "zu Hunderttausenden" für einen besseren Klimaschutz in Deutschland auf die Straße gingen, hieß es in einem anderen Tweet. Die Pläne für den CO2-Preis seien zu kompliziert, würden zu spät greifen und seien außerdem zu niedrig, kritisierte die Organisation.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat das von Union und SPD vorgelegte Klimapaket ebenfalls kritisiert. "Das ist kein Durchbruch, das ist ein Versagen auf ganzer Linie, was das Klimakabinett da vorgelegt hat", twitterte die Umweltorganisation. Die geplante Erhöhung der Pendlerpauschale als Entlastungsmaßnahme für Bürger nannte die DUH absurd: "So kann man es sich auch schön rechnen."

Ottmar Edenhofer, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), äußerte sich wie folgt: "Das Klimapaket ist ein Dokument der politischen Mutlosigkeit. Mit dieser Entscheidung wird die Bundesregierung die selbstgesteckten Klimaziele für 2030 nicht erreichen. Zwar wird die Architektur einer umfassenden CO2-Bepreisung sichtbar: Einstieg mit einem Fixpreis, mittelfristig ein nationaler Emissionshandel für Wärme und Verkehr und langfristig Integration in den EU-Emissionshandel. Aber der Preispfad ist zu niedrig und reicht nicht weit genug in die Zukunft, um eine Lenkungswirkung zu entfalten. Ein sinnvoller Einstiegspreis liegt dagegen bei 50 Euro pro Tonne CO2 – und er müsste dann bis zum Ende des nächsten Jahrzehnts, also 2030, auf 130 Euro steigen. Der CO2-Preis hätte das klimapolitische Leitinstrument werden müssen, hat aber nun nur eine Alibi-Funktion. Zwischen der notwendigen und der jetzt geplanten CO2-Bepreisung besteht also eine gewaltige Lücke. Dass diese im Rahmen des vorgesehenen Monitorings geschlossen wird, ist unrealistisch."

Und weiter: "Damit hat die Große Koalition im zentralen Punkt nicht geliefert. Über diese Tatsache kann auch die Vielzahl an angekündigten Fördermaßnahmen nicht hinwegtäuschen - diese werden zusammengenommen allenfalls die Hälfte der im Rahmen der EU Effort Sharing Regulation rechtlich bindend zugesicherten CO2-Minderung erbringen. Die Gefahr von Strafzahlungen in Milliardenhöhe ist damit keinesfalls abgewendet. Die Bundesregierung bleibt heute uns und den kommenden Generationen die entscheidende Antwort auf die Frage nach einem ambitionierten Klimaschutz schuldig."

  • 1,4 Millionen Teilnehmer: Protestaktionen in Deutschland

Mit einem Fahrrad-Korso haben am Freitagmorgen in Berlin die Demonstrationen für mehr Klimaschutz begonnen. Aktivisten fuhren gegen 07.45 Uhr vom Ernst-Reuter-Platz in Charlottenburg in Richtung Innenstadt los. Später versammelten sich insgesamt 270.000 Demonstranten in der Bundeshauptstadt. In der Innenstadt in Frankfurt/Main gab es bereits am frühen Morgen erste Straßenblockaden. Am zentral gelegenen Baseler Platz hielten mehrere Dutzend Aktivisten den Straßenverkehr auf und lösten einen Stau sowie ein Hupkonzert aus. Im Tagesverlauf kamen etwa 25.000 Personen in der Mainmetropole zu Demos zusammen.

Tweet Hamburg Demo

Rund 80.000 Menschen folgten auch in Hamburg dem Aufruf zum globalen Klimastreik. In München nahmen etwa 40.000 Menschen an einem Protestzug durch die Innenstadt teil, in Bremen waren es mehr als 30.000, in Münster 20.000 und in Bonn 15.000. Gar 70.000 wurden in Köln geschätzt. Bundesweit traten laut Fridays for Future 1,4 Millionen Menschen für mehr Klimaschutz ein!

Tweet Freiburg Demo

  • Hunderttausende in Australien auf der Straße

An dem globalen Klimastreik in Australien haben sich nach Angaben der Veranstalter mindestens 300.000 Menschen beteiligt. Dies seien doppelt so viele wie beim vorherigen Protestmarsch, schrieben die Aktivisten von Fridays for Future am Freitag auf Twitter. Es dürften demnach sogar noch mehr werden, weil ihnen am Nachmittag (Ortszeit) noch keine Teilnehmerzahlen aus allen Orten vorlagen. Große Kundgebungen gab es unter anderem in Sydney und Melbourne. In der Stadt Alice Springs im Zentrum Australiens legten sich Hunderte Menschen demonstrativ auf den Boden und stellten sich tot.

  • Demonstrationen auch in Afrika und Indien

Bei den weltweiten Demonstrationen zum globalen Klimastreik haben sich Aktivisten auch in Afrika Gehör verschafft. Im südafrikanischen Johannesburg gingen mehrere hundert, vor allem junge Menschen auf die Straßen. Die Demonstranten hielten Plakate mit Aufschriften wie "No future on a dead planet" (Keine Zukunft auf einem toten Planeten), "Unite, don't ignite" (Eint, aber zündelt nicht) oder "Coal kills" (Kohle tötet). Der Kohleproduzent Südafrika setzt bei seiner Energiegewinnung weitgehend auf Kohleverstromung. Auch in anderen Großstädten des Kontinents - wie in Kampala (Uganda) oder Nairobi (Kenia) - fanden ähnliche Proteste statt.

In Indien engagierten sich mehrere Tausend in Delhi - was vergleichsweise wenig ist bei 1,3 Milliarden Indern.

  • Österreichs Parteien einigen sich auf Ökostrom-Paket

Die österreichischen Parlamentsparteien haben sich wenige Tage vor der Neuwahl auf ein 540 Millionen Euro schweres Ökostrom-Paket geeinigt. Damit soll dem "dringend notwendigen Ausbau der Erneuerbaren Energien" ein enormer Schub gegeben werden, hieß es am Freitag in einer gemeinsamen Mitteilung von ÖVP, SPÖ, FPÖ, Neos und der Liste Jetzt. 

In den kommenden drei Jahren sollen dann unter anderem jeweils 36 Millionen Euro in den Ausbau von Photovoltaik und entsprechenden Speichern investiert werden. In anderen Bereichen sollen Kontingente anders berechnet werden, damit Projekte schneller umgesetzt und Warteschlangen abgebaut werden können.

  • Amazon und Google starten Klimainitiative

Der US-Konzern Amazon hat sich zu ambitionierten Klimazielen verpflichtet und die Bestellung von 100.000 Elektro-Lieferwagen für die Paketzustellung bekanntgegeben. Mit der Initiative "Climate Pledge" will das Unternehmen seine Emissionen abbauen oder kompensieren, um bis 2040 klimaneutral zu sein, erklärte Amazon-Gründer in Washington. Bezos will dafür werben, dass sich auch andere Großunternehmen der Initiative abschließen. Wenn Amazon mit viel Infrastruktur und der Auslieferung von rund zehn Milliarden Paketen im Jahr solche Klimaziele erreichen könne, "dann kann es jede Firma", sagte Bezos. 

Ab 2030 soll zum Beispiel Amazons gesamter Energieverbrauch aus erneuerbaren Quellen gespeist werden. Amazon werde zudem 100 Millionen US-Dollar in Wiederaufforstungsprojekte investieren, kündigt der Vorstandsvorsitzende an. 

Die ersten Elektro-Lieferwagen sollen ab 2021 im Einsatz sein, bis 2030 sollen alle 100.000 ausgeliefert sein. Amazon sprach von der größten jemals gemachten Bestellung elektrischer Fahrzeuge. Sie werden von der Firma Rivian im US-Bundesstaat Michigan produziert, in die Amazon nach eigenen Angaben 440 Millionen Dollar investiert hat.

Auch Google will massiv in erneuerbare Energien investieren. In einem Blog-Eintrag kündigte Google-Chef Sundar Pichai zum internationalen Aktionstag der Fridays-for-Future-Bewegung den "größten Einkauf von erneuerbaren Energien in der Geschichte" an. Der Internet-Konzern werde ein Paket aus insgesamt 1600 Megawatt in den USA, Chile und Europa beziehen. "Zusammengenommen werden diese Transaktionen unser weltweites Portfolio an Wind- und Solarenergieverträgen um mehr als 40 Prozent auf 5500 MW erhöhen", schreibt Pichai. Das entspreche der Kapazität von einer Million Solardächern.

  • "Unser Klima, unser Zuhause": Deshalb gibt es bei wetter.com die Klimawoche

"Unser Klima, unser Zuhause" - unter diesem Motto steht die wetter.com Klimawoche, die vom 20. bis 27. September läuft. Und warum? Weil Wetter und Klima längst nicht mehr getrennt voneinander betrachtet werden dürfen.

Was genau du erwarten darfst und die Hintergründe zur Spezialwoche, erklären wir dir hier: "Unser Klima, unser Zuhause": Die wetter.com Klimawoche vom 20. bis 27. September

  • Diese Folgen des Klimawandels sind längst Realität

Für viele Menschen sind die Folgen des Klimawandels lediglich graue Theorien, die noch weit in der Zukunft liegen. Das ist jedoch falsch. Viele Konsequenzen der globalen Erwärmung sind längst bittere Realität - auch in Deutschland. Wo wir den Klimawandel bereits spüren und sehen, erfährst du im Artikel: Klimawandel: Diese Folgen sind bereits Realität

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