Klimaforscher besorgt: Rekordtemperaturen in Sibirien

- Quelle: dpa/wetter.com
Der Klimawandel verändert unsere Natur.
Initialisierung des Players
fehlgeschlagen!
Bitte aktivieren Sie Flash!
Kontakt & Support
 

Das würde man eher in Spanien erwarten: Vor Kurzem wurden in einem Ort in Sibirien 38 Grad Celsius gemessen. Aufgrund der hohen Temperaturen entstehen viele Probleme. Klimaforscher sind besorgt.

Die Hitzewelle in Sibirien hält an. Schon seit Monaten ist es dort viel zu warm. Im Westen der Region waren es laut einer Analyse des europäischen Klimadienstes Copernicus von Dezember bis Mai sogar rund fünf Grad mehr als normal. Klima-Forscher rätseln über die Ursachen. 

38 Grad: Rekordtemperaturen in Sibirien

Im Norden Sibiriens ist es momentan außergewöhnlich heiß. So wurde am Samstag (20.06.2020) in Werchowjansk, einem Ort in Jakutien, 38° Grad gemessen. Dies teilte der russische Wetterdienst mit, die Werte wurden bislang jedoch noch nicht offiziell bestätigt. Noch nie war es so weit nördlich so heiß.

Rekordtemperatur in Sibirien

Bereits letzte Woche wurden in Werchowjansk 34 Grad im Schatten gemessen. Für diese Region sind solche Höchstwerte völlig untypisch. Die würde man normalerweise auf Mallorca oder Ibiza erwarten. Im Norden Sibirien wären um diese Zeit etwa 12 Grad normal. An der Küste, im Ort Chatanga, war es am 25. Mai 25 Grad warm, wo um 0 Grad normal waren. Auch der letzte Winter soll der heißeste seit 130 Jahren gewesen sein.

Schon länger ungewöhnlich warm im Sibirien

Schon seit Monaten werden weite Teile Sibiriens von einer Hitzewelle geplagt. Gerade erst meldete das europäische Erdbeobachtungsprogramm Copernicus, dass der Mai im globalen Durchschnitt der wärmste Mai seit Beginn der Aufzeichnungen 1979 war.

Die höchsten Werte wurden in Teilen Sibiriens gemessen, wo die Oberflächentemperatur bis zu zehn Grad höher als im Durchschnitt der Jahre 1981-2010 lag. Auch in Alaska und in der Antarktis sei es deutlich wärmer gewesen als im Mittel.

Tweet von Copernicus

Zwar ist die Erderwärmung global, manche Regionen sind jedoch stärker vom Klimawandel und dessen negative Folgen betroffen. Rund um die Pole steigen die Temperaturen am schnellsten, weil die Wärme durch die Meeresströmungen dorthin transportiert wird. 

Wieso ist das so beunruhigend?

Klimawissenschaftler sind aufgrund des Extremwetters in Sibirien alarmiert. So sollen die hohen Temperaturen neben dem schlechten Zustand des Tanks auch mit verantwortlich für die Ölkatastrophe am Nordpolarmeer sein. Ende Mai sind in Norilsk aus einem Tank eines Heizkraftwerkes über 20.000 Liter Diesel ausgelaufen. Die Langzeitfolgen sind noch nicht absehbar.

Der tauende Permafrostboden könne aus Sicht von Experten dazu beigetragen haben, dass die Gebäude vor Ort weniger stabil seien. Alle Details zur Ölkatastrophe kannst du hier nachlesen:

Katastrophale Folgen möglich: Öl-Pest am Nordpolarmeer

Klimaforscher rätseln über Ursachen

Doch warum treffen solche Hitzeperioden gerade Sibirien immer wieder? Gegenüber der Süddeutschen Zeitung (SZ) sagt Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK): "Wir verstehen das noch nicht". Es gebe mehere Erklärungsansätze: Zum einen die Tatsache, dass sich die große Landmasse des euraischen Kontinents sich generell stark erwärmt oder der schwächelnde Jetstream, wodurch sich Hochs oder Tiefs länger über einer Region festsetzen können.

Mehr über den Jetstream erklären wir dir hier:

Auch der Rückgang der Rückgang der Eisflächen könnte eine Rolle spielen, denn durch das Wegschmelzen der reflektierenden Schnee- und Eismassen wird die Erderwärmung in den Gebieten weiter begünstigt. Dunkle Wasserflächen können schließlich mehr Sonnenwärme aufnehmen als weiße Schnee- und Eisflächen.

In Zukunft mehr Wetterextreme wahrscheinlich

Laut Levermann scheint aber keiner dieser Erklärungsversuche so richtig zu passen, was die Hitzeperiode besonders beunruhigend macht. "Möglicherweise stehen wir vor dem Übergang in ein neues atmosphärisches Zirkulationsmuster", sagt er gegenüber der SZ. "Wenn der Jetstream instabil wird und die Arktis nicht mehr von den gemäßigten Breiten abschirmt, müssen wir mit noch mehr Wetterextremen rechnen." 

Die langfristigen Folgen sind also noch nicht absehbar, wobei schon die unmittelbaren Folgen verheerend sind.

Erneut schwere Waldbrände

Außerdem ist es sehr trocken und wie im vergangenen Jahr gibt es schwere Waldbrände. 2019 wüteten vor allem in den Wäldern Sibiriens schwere Brände - besonders in der Taiga, einem für das Weltklima wichtigen Waldgürtel. Nach Schätzungen der Naturschützer von Greenpeace fielen insgesamt 15 Millionen Hektar den Flammen zum Opfer, also mehr als ein Drittel der Fläche Deutschlands.

Auch die aktuelle Situation sei bereits kritisch, hieß es vom Zivilschutz. Es gibt demnach in einigen Gegenden bereits mehr Brände als im Vorjahreszeitraum. 

Greenpeace hatte gewarnt, dass die Brände in diesem Jahr wegen wenig Schnee und des frühen Frühlingsstarts noch schlimmer ausfallen könnten. Auch der Naturschutzminister Dmitri Kobylkin betonte, dass der Klimawandel die heftigen Brände begünstige. Zudem warnte er vor einem ungewöhnlich heißen Sommer.

Tauender Permafrostboden kann alte Krankheiten wiederbringen

Aufgrund des tauenden Permafrostbodens können außerdem alte Krankheiten wieder ihren Weg in unsere Gesellschaft finden. Im dauerhaft gefrorenen Boden sind schließlich viele Bakterien gespeichert, die Krankheiten verursachen können. Taut der Boden, werden diese wieder freigesetzt.

Mehr darüber kannst du hier nachlesen: 

Bakterien im Permafrost - Krankheiten lauern im schmelzenden Eis

P.S. Bist du auf Facebook? Dann werde jetzt Fan von wetter.com!

Zur News-Übersicht Klima

Nach oben scrollen