Heizung ablesen: Oft zahlst du drauf, ohne es zu merken

- Sabrina Fuchs
Heizung ablesen: Oft zahlst du drauf, ohne es zu merken
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Die Heizkosten-Abrechnung fällt bei vielen Mietern oft höher aus als sie müsste.

In der Regel kündigt sich einmal im Jahr die Ablesefirma für Heizung und Warmwasser an. Dann solltest du als Mieter aktiv werden, sonst zahlst du schnell zu viel.

Jetzt ist wieder die Zeit, in der sie von Tür zu Tür gehen: Heizungsableser. Der Großteil der Bevölkerung lässt die Mitarbeiter kurz ihre Arbeit erledigen und bezahlt die Heizkosten, ohne dies in Frage zu stellen. Häufig wird der Wohnungsschlüssel auch an zuverlässige Nachbarn übergeben, weil man um diese Zeit nicht aus der Arbeit kann. Das kann jedoch dazu führen, dass du mehr zahlst als du müsstest.

Laut Experten vom Mieterbund ist nämlich rund die Hälfte aller Abrechnungen mit Fehlern behaftet. Oft wissen auch Vermieter nicht genau, was sie wie abrechnen dürfen. Mieter müssen also ganz genau hinschauen. Um zu hohe Kosten zu verhindern, solltest du ein paar Dinge beachten.

Heizungsableser kommen: Darauf musst du als Mieter achten

Mieter tragen die Kosten für das Ablesen der Heizung sowie das Erstellen der Heizkostenabrechnung. Der Vermieter oder die Hausverwaltung beauftragt zwar die Messdienstleister, die Kosten für die Ablesung werden jedoch als Betriebskosten auf die Mieter umgelegt. 

Habe keine Scheu davor, dem Techniker Fragen zu stellen, während er bei dir tätig ist. Du kannst ihn ruhig nach der Bedeutung aller Zahlen fragen, die er protokolliert. Heutzutage werden die Daten vor allem mit elektronischen Heizkostenmessgeräten erfasst, weshalb du schlecht nach einer Kopie des Ableseprotokolls fragen kannst. Versuche genau zu durchschauen, was bei der Ablesung vor sich geht. 

Du solltest alle Zahlen selbst dokumentieren, also beispielsweise mitschreiben oder die Daten abfotografieren. Ergeben sich schließlich Ungereimtheiten, musst du dich direkt an den Vermieter oder die Hausverwaltung wenden, da du nicht selbst mit der Ablesefirma verhandeln darfst. Diese arbeitet schließlich nicht in deinem Auftrag. Protokolliere lieber zu viel als zu wenig. Im Streitfall kann jede Information und jeder Beweis entscheidend sein.

Wie umweltfreundlich Deine Heizung ist, erfährst Du im Video: 

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Überprüfe die Abrechnung der Heizkosten

Nach einem Bericht der Freien Presse solltest du verschiedene Aspekte der Heizkostenabrechnung überprüfen. Dabei sollte unter anderem die angegebene Wohnungsgröße korrekt sein. Es zählt nämlich die tatsächliche Wohnfläche, wie aus einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) hervorgeht. Das heißt, die im Mietvertrag angegebene Fläche ist nicht ausschlaggebend, es sei denn sie weicht mehr als zehn Prozent von der tatsächlichen Wohnungsgröße ab.

Außerdem solltest du nachsehen, ob Abrechnungs- und Nutzungszeitraum korrekt angegeben sind. Vor allem bei einem Mieterwechsel ist der Nutzungszeitraum meist kürzer als der Abrechnungszeitraum von meist einem Jahr. Im Rechenverfahren muss zudem auch die Witterung während des Kalenderjahres berücksichtigt werden.

Mache ebenfalls den Check: Sind alle aufgeführten Kosten plausibel und nachvollziehbar? Um das zu überprüfen, hilft es die Bezugspreise zu kennen. Die folgenden Preise vom 1. Juni 2018, die die Freie Presse auflistet, können als Orientierung dienen: Erdgas kostete 5 bis 6 Cent pro Kilowattstunde Energie (kWh), Heizöl 65 bis 75 Cent pro Liter. Für Fernwärme waren es 90 bis 150 Euro pro Megawattstunde (MWh) und für Flüssiggas 40 bis 60 Cent pro Liter.

Überprüfe auch, was genau in deinem Mietvertrag steht. Nur das darf auch abgerechnet werden. Ansonsten kannst du bei deinem Vermieter oder der Hausverwaltung Belege anfordern.

Die Macht der Heizungsableser - Wenige dominieren den Markt

Nach Schätzung von co2online zahlen Mieter in Deutschland jedes Jahr rund 200 Millionen Euro zu viel. Beispielsweise im Jahr 2010 zahlte jeder Mieter im Schnitt 13 Euro zu viel für den Messdienstleister. Das ergab ebenfalls eine Auswertung des gemeinnützigen Klimaschutz-Netzwerkes co2online. Dabei verlangte der teuerste Anbieter sogar 75 Prozent mehr als der günstigste. Leider gibt es bislang keine aktuellere Auswertung, es ist jedoch anzunehmen, dass ein solcher Preisunterschied noch immer besteht.

Obwohl es ein paar hundert Messdienstleister auf dem Markt gibt, dominieren eigentlich nur fünf Anbieter den Markt. Allein die zwei Unternehmen Techem und Ista haben einen Marktanteil zwischen 50 und 60 Prozent. Mit den drei weiteren Brunata München, Minol und Kalorimeta sind es 70 bis 80 Prozent. Dadurch sind diese Anbieter kaum dazu gezwungen die Preise zu senken, um neue Kunden zu gewinnen.

Auch die Hausverwaltungen oder der Vermieter haben keinen Anreiz, viel Energie in einen Vergleich der Anbieter zu investieren. Schließlich tragen die Kosten die Mieter. Als Mieter kannst du daran jedoch etwas ändern, indem du aktiv wirst und einen Anbietervergleich von deiner Hausverwaltung oder dem Vermieter einforderst. Natürlich sollten dabei neben dem Preis auch andere Faktoren wie beispielsweise die Zuverlässigkeit einer Firma berücksichtigt werden.

Heizung ablesen: Termin verpasst - was nun?

Verpasst du den angekündigten Termin, der übrigens mindestens zwei Wochen vorher angekündigt werden muss, können noch keine zusätzlichen Kosten erhoben werden.

Kommt es aufgrund fehlender Rückmeldung seitens des Mieters jedoch auch zu keinem zweiten Termin, können laut Informationen von heizspiegel.de zusätzliche Kosten in der jährlichen Heizkostenabrechnung aufgeführt werden. Auch Berufstätige müssen es möglich machen, dass der Ablesedienst zum kommunizierten Zeitpunkt die Wohnung betreten kann.

Fazit: Das musst du beachten, wenn Deine Heizung abgelesen wird

  • Werde selbst aktiv: Stelle Fragen, vergleiche die Anbieter und konfrontiere deinen Vermieter oder die Hausverwaltung mit eventuell auftretenden Ungereimtheiten.
  • Dokumentiere die Daten zu Heizung und Warmwasser selbst. Schreibe beispielsweise mit, während der Techniker zu Gange ist.
  • Überprüfe die Heizkostenabrechnung ganz genau: Sind alle aufgeführten Kosten nachvollziehbar? Falls nicht, solltest du bei deinem Vermieter oder der Hausverwaltung nachfragen.
  • Gleiche die Betriebskostenabrechnung außerdem mit dem ab, was in deinem Mietvertrag steht.
  • Wenige Ablesefirmen dominieren fast den kompletten Markt. Überprüfe, ob sich ein Anbieterwechsel lohnen würde und konfrontiere gegebenenfalls den Vermieter oder die Hausverwaltung damit.

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