Wenn die Erde brodelt und Feuer spuckt

- Redaktion
Wenn die Erde brodelt und Feuer spuckt
©
Am gestrigen Samstag ist der japanische Vulkan Ontake westlich von Tokio überraschend ausgebrochen und stieß eine riesige Aschewolke aus. Durch die hohe Aschekonzentration in der Luft konnten zeitweise keine Helikopter starten und Flüge wurden umgeleitet. 
 
Auch in Island brodelt es derzeit: Vor knapp vier Wochen ist der isländische Vulkan Bardarbunga ausgebrochen. Es handelte sich umeinen sogenannten effusiven Ausbruch ohne Auswürfe von Vulkanasche. Dass Vulkanasche insbesondere für den Flugverkehr verheerende Folgen hat, wird vielen spätestens seit April 2010 in Erinnerung sein, als der Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull einen Monat
lang den Flugverkehr in Europa lahmlegte.
 
Auswirkungen auf das globale Klima
Aber Vulkanausbrüche haben nicht nur Auswirkungen auf die Reisepläne etlicher Passagiere, sondern auch auf unser Wetter und (je nach Stärke des Ausbruchs) sogar auf das globale Klima. Bleibt die Vulkanasche nach einem Auswurf innerhalb der Troposphäre(ca. 10 km), sinkt sie recht schnell wieder ab oder wird mit dem nächsten Regen aus der Atmosphäre ausgewaschen.
 
Apropos Regen: Die kleinen Ascheteilchen können auch als Kondensationskerne dienen und somit die Wolkenbildung begünstigen. Reicht die Vulkanaschewolke bis in die Stratosphäre (ca. 10-40 km) hinein, verweilt sie dort für eine lange Zeit. Denn innerhalb der Stratosphäre gibt es nur geringen vertikalen Austausch und Luftmassen sind dort oft jahrelang nachweisbar. Durch chemische Reaktionenentsteht aus der schwefelhaltigen Vulkanasche sogenanntes Sulfataerosol, das das einstrahlende Sonnenlicht zurück in den Weltraum reflektiert und so zu einer Abkühlung auf der Erde führt.
 
1816 - Jahr ohne Sommer
Der größte Ausbruch, der jemals von Menschen dokumentiert wurde, ereignete sich 1815 auf der indonesischen Insel Sumbawa. Der Vulkan Tambura schleuderte 150 km³ Gesteinsmasse in die Atmosphäre und der Staubschleier verursachte durch die Rückstreuung des Sonnenlichts einen globalen Temperatursturz um 3 Grad im Folgejahr. Das Jahr 1816 verlief dadurch insbesondere in weiten Teilen Nordamerikas und Europas außergewöhnlich kühl und ist als "Jahr ohne Sommer" in die Geschichtsbücher eingegangen.
 
Erhöhte Schwefeldioxid-Werte durch Bardarbunga-Ausbruch
Derartig heftige Auswirkungen sind durch den Bardarbunga-Ausbruch bisher nicht zu befürchten. Allerdings werden vielerorts erhöhte Schwefeldioxid-Werte gemessen, für die Isländer besteht dadurch sogar Gesundheitsgefahr. Erstmals seit Eruptionsbeginn wurde letzte Woche  auch in Mitteleuropa Schwefeldioxid des Vulkans gemessen, das durch kräftigen Nordwestwind zu uns transportiert wurde. In Österreich wurden zum Teil sogar die höchsten Werte seit Beginn der Luftgütemessungen registriert. Dennoch stellen die Mengen bei uns keine Gefährdung für die Gesundheit dar. Ob in den nächsten Tagen eine größere, explosive Eruption des isländischen Vulkans droht, ist nach wie vor noch unsicher. Die Höhenströmung stellt sich bei uns jedenfalls auf West um, sodass unser Wetter weniger vom Vulkan, sondern vielmehr von atlantischen Tiefausläufern beeinflusst ist.
 
dwd/mb
Zur News-Übersicht Wetterwissen

Nach oben scrollen