Flammenhölle Australien: Schlechte Luftqualität führt zu neuen Problemen

- Quelle: dpa/wetter.com
Buschfeuer in Australien bilden Mega-Brand
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Die Feuer in Australien sind verheerend. Auch die Luft wird zunehmends schlechter. Darunter leiden die Tennisspieler vor den Australian Open. Ein Überblick über die dramatische Lage in Australien.

Die Buschbrände in Australien wüten noch immer weiter. Die Lage bleibt weiterhin dramatisch. Die Zahl der verstorbenen Tiere ist unvollstellbar hoch. Auch die Menschen vor Ort leiden: Häuser wurden zerstört und mehrere Menschen sind in den Flammen bereits ums Leben gekommen.

Was die australischen Feuerwehrleute derzeit leisten, ist schier unglaublich. Das komplette Ausmaß der Katastrophe wird wahrscheinlich erst nach und nach deutlich.

Eine Zusammenfassung der bisherigen Auswirkungen:

  • Bisher gibt es mindestens 28 Tote zu beklagen. Am Samstag ist ein weiterer Feuerwehrmann ums Leben gekommen. Er starb bei einem Einsatz nahe der Kleinstadt Omeo im südöstlich gelegenen Bundesstaat Victoria.
  • An der Grenze von New South Wales und Victoria vereinten sich am vergangenen Wochenende mehrere Buschfeuer zu einem "Mega-Brand".
  • Einer aktuellen Schätzung von Ökologen der Universität in Sydney zufolge, könnten bereits rund eine Milliarde Tiere in den Flammen verbrannt sein.
  • Seit Beginn der großen Feuer im Oktober brannten etwa 110.000 Quadratkilometer bzw. 10,6 Millionen Hektar Land nieder. Das entspricht ungefähr der Größe von Bayern und Baden-Württemberg zusammen. Zum Vergleich: Im Amazonas-Gebiet verschwanden innerhalb eines Jahres knapp 10.000 Quadratkilometer.
  • Mehr als 2000 Häuser wurden zerstört, darunter allein 1600 in New South Wales.

Wie großflächig die Brände sind, zeigt auch dieses Satellitenbild der ESA:

Aktuelles Satellitenbild der ESA

Immer mehr Atembeschwerden in Melbourne, Zerzögerungen bei Tennisturnier Australian Open

In den australischen Brandgebieten geht der Kampf gegen die Flammen weiter. In der Küstenstadt Melbourne war am Mittwoch die Luft durch den Rauch so schlecht, dass sich Spiele der Qualifikationsrunde beim Tennisturnier Australian Open erneut verzögerten.

Beim Tennisturnier in Melbourne versicherten die Organisatoren, die Luftbedingungen würden laufend kontrolliert. Weitere Entscheidungen würden nach Rücksprache mit Medizinern, Wetterexperten und Umweltschutzbehörden getroffen. Das erste Grand-Slam-Turnier des Jahres soll am 20. Januar beginnen.

In Melbourne erreichte die Luftqualität rekordverdächtig miese Werte: Nach Angaben der zuständigen Gesundheitsbehörde wurden am Dienstag nirgendwo sonst in der Welt schlechtere Luftwerte gemessen. Mittwochmittag (Ortszeit) war die Luftqualität dann immerhin "mäßig".

In der zweitgrößten Stadt des Landes meldeten sich am Morgen mehr als 100 Menschen wegen Atembeschwerden bei der Notfallambulanz. 

Wetter könnte Besserung, aber auch neue Probleme bringen

Später sollte es etwas kühler werden und regnen. Laut dem Wetteramt würden Gewitter gegen den Rauch in Melbourne helfen, aber sie könnten in den abgebrannten Gebieten auch Erdrutsche auslösen.

Seit Monaten wüten vor allem im Südosten Australiens heftige Buschbrände, nach Angaben der Regierung starben 28 Menschen. Allein im Bundesstaat Victoria, dessen Hauptstadt Melbourne ist, sind noch 1500 Feuerwehrleute im Einsatz.

In Australien lodern seit Oktober schwere Buschfeuer.
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Buschfeuer in Australien bilden "Mega-Brand"

In der Nacht zum Samstag sind die schlimmsten Befürchtungen wahr geworden: An den Grenzen der beiden Bundesstaaten New South Wales und Victoria vereinten sich drei Buschfeuer zu einem "Mega-Brand" mit einer Fläche von 600.000 Hektar. Das entspricht etwa einem Drittel der Größe von Rheinland-Pfalz. 

Eine gute Nachricht kam aus der Region um Gospers Mountain nordwestlich von Sydney: Dort wurde ein ähnlich großer Riesenbrand eingedämmt - nach zehn Wochen.

Auch wenn die Feuer vielerorts weiter loderten - immerhin erlaubte das Wetter den erschöpften Feuerwehrleute eine gewisse Atempause: In Victoria und dem ebenfalls stark von den Feuern betroffenen benachbarten Staat New South Wales war es seit Samstag kühler, es regnete und der Wind ließ nach.

Symbolischen Dank an die Einsatzkräfte gab es in Sydney: Auf die großen Segel des Opernhauses der Stadt wurden am Samstagabend als Zeichen der Solidarität Bilder von Feuerwehrleuten projiziert.

Australien brennt: Deshalb sind die Feuer außergewöhnlich

Buschbrände sind in Australien zu dieser Zeit eigentlich normal, doch diesmal kommen mehrere Aspekte zusammen, die die Feuer so außergewöhnlich machen.

Die ausgeprägte Trockenheit begünstigt die Brände. So war der Frühling 2019 laut der australischen Meteorologiebehörde der trockenste seit Beginn der Aufzeichnungen. 

Solche schockierenden Vorher-Nachher-Bilder gehen derzeit um die Welt:

Tweet von AlwaysSrinu

Wo es in den vergangenen 7 Tagen gebrannt hat, zeigt die Karten von NASA-FIRMS (Fire Information for Resource Management System).

  • Indischer-Ozean-Dipol beeinflusst das australische Klima

Australiens Klima wird unter anderem von einer natürlich vorkommenden Schwankung im Indischen Ozean beeinflusst, dem Indischen-Ozean-Dipol. 

Ist dieser - wie in diesem Jahr - positiv, wird warmes Wasser von Australien weg in den westlichen Teil des Indischen Ozeans getrieben.

So kann zwischen Indonesien und der Nordwestküste Australiens kaltes Wasser aus der Tiefe des Meeres emporsteigen. Das sorgt dafür, dass sich weniger Wolken bilden. Besonders im Zentrum und Südosten Australiens fehlen daraufhin im Winter und Frühling Niederschläge. Das führt dazu, dass Brände im Sommer, der jetzt dort ist, schlimmer ausfallen können

  • Seit Monaten Extremwetter in Australien

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) erklärt in einem Bericht, dass Australien schon seit Monaten mit Extremwetter und dessen verheerenden Folgen zu kämpfen hat. So war das vergangene Jahr 2019 bis einschließlich November das zweitwärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Am 19. Dezember wurden im südaustralischen Nulllarbor 49,9 Grad gemessen – weltweit war es im Monat Dezember noch nie heißer.

Hitze an sich verursacht natürlich keine Brände. Jedoch trocknen Landschaften bei höheren Temperaturen schneller aus und so werden Brände begünstigt.

Der Frühling in Australien von September bis November geht als der trockenste seit Messbeginn in die Geschichte des Landes ein. Die geringe Luftfeuchtigkeit und teilweise stark böiger Wind feuerten die Brände weiter an. 

Wie extrem das Wetter 2019 zwischen September und November in Australien war, zeigt eine Grafik, die der DWD auf seiner Webseite veröffentlicht hat.

  • Aktuelle Brände unterscheiden sich von früheren

Wie der DWD weiter berichtet, handelt es sich bei den aktuellen Buschbränden nicht um die tödlichsten (2009) und auch nicht um die größten (1974/75). Jedoch sind dieses Mal stärker bewaldete und bevölkerte Bundesstaaten wie New South Wales und Queensland betroffen.

Hinzu kam der Umstand, dass die Buschbrände ungewöhnlich früh ausgebrochen sind, weit vor dem gewohnten Höhepunkt der Buschbrand-Saison.

Schon eine Milliarde Tiere gestorben

Allein die Schäden für die Tierwelt sind immens. Ökologen der Universität in Sydney gehen von rund einer Milliarde verbrannten Tieren aus. 

  • 25.000 Koalas auf Urlaubsinsel gestorben

Nach Angaben von Naturschützern könnten auf der Känguru-Insel, einer Urlaubsinsel im Süden des Landes, 25.000 Koalas, die Hälfte der dortigen Population, umgekommen sein.

Australiens Premierminister Scott Morrison, der aufgrund seiner Art der Krisenbewältigung derzeit viel Kritik einstecken muss, nannte den Zustand bei einem Besuch der Känguru-Insel dort und landesweit "schockierend und beängstigend".

  • Drastische Maßnahmen: Zwangstötung von tausenden Kamelen

Aufgrund der anhaltenden Trockenheit greift Australien laut mehreren Medienberichten nun zu einer drastischen Maßnahme. So wurde mit der Zwangstötung von bis zu 10.000 Kamelen begonnen, wie unter anderem der 'Spiegel' berichtet. Dies sei notwendig, da die Herden auf der Suche nach Nahrung und Wasser in Gemeinden vorgedrungen seien, wo sie das Trinkwasser verschmutzten und sowieso schon knappe Lebensmittelvorräte plünderten. Kamele gelten in Australien als Plage.

Brände sorgen für Tote und zerstören Häuser

Seit Beginn der großen Feuer im Oktober sind landesweit 28 Menschen ums Leben gekommen. Tausende Häuser wurden zerstört und viele Menschen befinden sich auf der Flucht vor den Flammen. Zehntausende Touristen und Bewohner in New South Wales wurden dazu aufgefordert, einen 300 Kilometer langen Küstenstreifen zu verlassen. Auch die Wirtschaft leidet, von den Farmern, die ihr Vieh verloren haben, bis zum Tourismus.

Wie heftig die Feuer wüten, zeigt zum Beispiel dieses YouTube-Video:

Buschbrände in Australien

Welche Rolle spielt der Klimawandel bei den Bränden? 

Der Kieler Klimaforscher Mojib Latif verweist darauf, dass das Land schon seit Jahren immer neue Temperaturrekorde erlebe. Rekordverdächtig sei auch die schon lange anhaltende extreme Trockenheit: "Das sind klare Indizien dafür, dass der Klimawandel die Brände begünstigt."

Die Brände seien in gewisser Weise anhand der Modellrechnungen in der Region zu erwarten gewesen. Teile Australiens liegen demnach genau in dem Breitengradgürtel, in dem Rekordhitze gepaart mit Rekordtrockenheit von den Modellen vorhergesagt werden. 

Auch andere Klimaforscher gehen davon aus, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und der gestiegenen Gefahr für schwere Naturkatastrophen gibt. Im Fall Australiens bestätigt der jüngste Klimabericht der australischen Wissenschaftsbehörde Csiro, dass sich die Voraussetzungen für extreme Feuer seit den 1950er Jahren gehäuft haben. Dabei werden Faktoren wie Trockenheit, Windgeschwindigkeit und Temperatur berücksichtigt.

Langfristige Folgen der Feuerkatastrophe in Australien

Über langfristige Folgen für Australien und das Weltklima lässt sich derzeit nur spekulieren. Ob sich das Ökosystem Australiens je erholen wird, bleibt fraglich. So oder so wird die Regeneration viele Jahre dauern.

  • Extreme Waldbrände könnten zur traurigen Normalität werden

Extreme Waldbrände wie in diesem Sommer könnten für Australien zur traurigen Normalität werden. "Australien ist schon lange der Feuerkontinent schlechthin und die Wälder brennen in der betroffenen Gegend regelmäßig", erklärte Kirsten Thonicke vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Mit der Zunahme extremer Dürren im Zuge des Klimawandels steige aber das Risiko für so gewaltige Brände wie derzeit mit 50, 60 Meter hohen, rasend schnell um sich greifenden Feuerwalzen.

  • Immer mehr extreme Dürren in Australien

Einer Analyse australischer Forscher zufolge habe es in der Region in vorindustrieller Zeit etwa einmal in 500 Jahren eine extreme Dürre gegeben. Inzwischen, mit einem Grad mittlerer Erdtemperatur mehr, passiere das etwa alle 50 Jahre. "Mit der weiteren Erwärmung wird die Häufigkeit wahrscheinlich weiter zunehmen", so Thonicke. "Das Pendel schwingt immer weiter aus, es gibt immer neue Rekorde bei Temperatur, Trockenheit, Hitzewellen-Dauer, Niederschlagsdefizit."

  • So wirken sich die Feuer auf das Klima aus

Dr. Anja Linstädter, die an der Universität Bonn am Institut für Nutzpflanzwissenschaften und Ressourcenschutz beschäftigt ist, erklärte in einem Interview mit dem 'General-Anzeiger Bonn', dass durch die Feuer bereits etwa halb so viel CO2 in die Atmosphäre gelangen konnte, wie Australiens Wirtschaft sonst in einem Jahr. 

Dies habe natürlich negative Auswirkungen im Hinblick auf den Klimawandel. Jeder Baum der verbrennt kann schließlich auch kein CO2 mehr speichern. Die Ökosysteme in Australien seien jedoch an Feuer bis zu einem gewissen Grad angepasst, anders als beispielsweise im Amazonas, wo viel mehr Kohlenstoff in der Biomasse gespeichert sei.

  • So wirkt sich die Lage in Australien auf Neuseelands Gletscher aus

Auch für Neuseeland bedeuten Australiens Buschfeuer negative Konsequenzen, wie unter anderem 'Focus Online' berichtet. So hätte es die Asche aus Australien bis nach Neuseeland geschafft, wo sie die sonst schneeweißen Gletscher bräunlich färbte. 

Dies gebe Experten Grund zur Sorge, da die Gletscherschmelze beschleunigt werden könnte. Aufgrund der dunklen Verfärbung könne nämlich weniger Sonnenlicht reflektiert werden. Folglich könnten die Temperaturen an der Gletscheroberfläche anschmelzen und zu einer beschleunigten Schmelze führen.

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