Treibhausgas-Ausstoß steigt auch 2019 - aber langsamer

- Quelle: dpa
Unser Klima wird von Treibhausgasen beeinflusst.
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Der Klimawandel ist längst keine abstrakte Bedrohung mehr, sondern weltweit spürbar - auch in Deutschland. Was auf dem Spiel steht, wird auch beim Auftakt der 25. UN-Klimakonferenz in Madrid deutlich.

Die Zeit drängt, Millionen demonstrieren - aber die Staaten handeln langsam: Mit eindringlichen Rufen nach mehr Klimaschutz hat die 25. UN-Klimakonferenz (COP 25) begonnen.

Greta Thunberg rechtzeitig zurück in Europa

Die 16 Jahre alte Schwedin Greta Thunberg erreichte am Dienstag Lissabon. Sie war auf einem Katamaran aus den USA zurück nach Europa gesegelt, nachdem die Klimakonferenz kurzfristig von Chile nach Madrid verlegt worden war.

Wenn sie sich bereit fühle, werde sie zu einem großen Klimaprotest am Freitag in Madrid weiterreisen, sagte die Gründerin der Bewegung Fridays for Future. Ihr Protestschild mit der Aufschrift "Schulstreik fürs Klima" hatte sie unter dem Arm, als sie nach rund drei Wochen wieder an Land ging. "Auf der COP25 werden wir den Kampf fortsetzen", sagte sie - gemeint ist die 25. UN-Klimakonferenz.

Treibhausgas-Ausstoß steigt auch im Jahr 2019

Noch bis zum 13. Dezember verhandeln knapp 196 Staaten und die EU in der spanischen Hauptstadt. 2015 hatten sie sich im Pariser Klimaabkommen vorgenommen, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen. Dazu muss der Treibhausgas-Ausstoß weltweit schnell und deutlich sinken.

Stattdessen steigt er weiter - um Jahr 2019 einer Projektion des Forschungsverbunds Global Carbon Project zufolge um 0,6 Prozent. Das wäre zumindest deutlich weniger als im Vorjahr: 2018 gab es ein Plus von 2,1 Prozent.

Hier wurde besonders viel CO2 ausgestoßen

In der Rechnung gibt es noch Unsicherheiten, aber die Trends sind den Wissenschaftlern zufolge klar: In der EU und den USA wurde weniger Kohle verbrannt, aber der Verbrauch von Erdöl und Erdgas stieg weltweit an. Dazu komme, dass die Wirtschaft weltweit langsamer gewachsen sei.

Auch Emissionen aus der Landnutzung trieben den CO2-Ausstoß nach oben, etwa vermehrte Brandrodungen im Amazonas. Die Konzentration von Kohlendioxid in der Erdatmosphäre steige damit ebenfalls und erreiche im Jahresmittel 2019 voraussichtlich einen Wert von 410 ppm (parts per million: Anteile pro Million). Sie liege damit dann 47 Prozent über dem vorindustriellen Wert.

WMO: Jahrzehnt 2010-2019 wärmstes seit Beginn der Aufzeichnungen

Heißer war wohl kein Jahrzehnt seit 1850: Die Durchschnittstemperatur der Jahre 2010 bis 2019 lag der Weltwetterorganisation (WMO) zufolge mit größter Wahrscheinlichkeit höher als je zuvor in einem Jahrzehnt seit Beginn der Messungen. 2019 dürfte das zweit- oder drittwärmste Jahr werden, berichtete die Organisation am Dienstag bei der UN-Weltklimakonferenz in Madrid in ihrem vorläufigen Klima-Statusreport.

Die Durchschnittstemperatur lag 2019 demnach etwa 1,1 Grad über dem Niveau der vorindustriellen Zeit (1850-1900). Die Einschränkung "mit größter Wahrscheinlichkeit" ist nötig, weil das Jahr noch nicht zu Ende ist. Seit den 1980er Jahren sei jedes Jahrzehnt wärmer gewesen als das jeweilige davor, hieß es von der WMO.

Wie die Organisation bereits am 25. November berichtete, nahm die Konzentration klimaschädlicher Treibhausgase in der Atmosphäre weiter bedrohlich zu. Die CO2-Konzentration stieg binnen eines Jahres von 405,5 ppm (Teilchen pro Million Teilchen) auf einen Rekordwert von 407,8 ppm.

Die Durchschnittstemperatur der Ozeane sei ebenfalls auf Rekordwert, und die Ozeane seien 26 Prozent saurer als zu Beginn der Industrialisierung. 

"Krieg gegen die Natur" muss beendet werden

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Antonio Guterres, sprach am Montag in Madrid von einem "Krieg gegen die Natur", der beendet werden müsse. "Wenn wir nicht schnell unseren Lebensstil ändern, gefährden wir das Leben an sich."  

196 Staaten und die EU verhandeln in den kommenden zwei Wochen darüber, wie das Pariser Klimaabkommen verwirklicht und die Erderhitzung eingedämmt werden kann. Die Aktivisten von Fridays for Future und anderen Klimaschutzbewegungen dürften ihnen genau auf die Finger schauen.

Die Schwedin Greta Thunberg, das Gesicht der weltweiten Jugend-Proteste, dürfte nach ihrer Atlantik-Überquerung diese Woche in Portugal ankommen, am Freitag will sie in Madrid mit Schülern demonstrieren. 

2050 soll europäische Wirtschaft klimaneutral werden

Die Bundesregierung war am Montag noch nicht in Madrid vertreten, Umweltministerin Svenja Schulze ist erst in der zweiten Verhandlungswoche dabei. "Die Welt nimmt Anlauf für mehr Klimaschutz", teilte sie mit. "Je länger wir warten, desto schwieriger und teurer wird es." Europa solle vorangehen. Die neue EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen versicherte in Madrid:

"Wir sind bereit, unseren Beitrag zu leisten." Von der Leyen will die Ziele der EU zum Einsparen von Treibhausgasen für 2030 verschärfen - 2050 soll die europäische Wirtschaft unterm Strich sogar klimaneutral sein.

Bis 2020 sollen alle Staaten ehrgeizigere Pläne zur Reduzierung ihres Treibhausgas-Ausstoßes vorlegen, dafür sollen in Madrid die notwendige Unterstützung und auch Druck aufgebaut werden. Zudem geht es um Regeln, nach denen Staaten und Unternehmen Klimaschutz in anderen Ländern finanzieren können - dabei kommt es aus Sicht der Bundesregierung darauf an, dass nichts doppelt angerechnet wird. Ein weiteres Thema soll die Finanzierung von Schäden durch Extremwetter in ärmeren Ländern sein, die mit dem Klimawandel zunehmen.

Menschheit zerstört wissentlich wichtige Ökosysteme

Zurzeit zerstöre die Menschheit wissentlich die Ökosysteme, die sie am Leben erhalten, beklagte Guterres. Vor allem die Länder mit dem größten Treibhausgas-Ausstoß müssten mehr tun. Trotz gegenteiliger Versprechen sei während der vergangenen zehn Jahre der Ausstoß von Treibhausgasen jährlich im Schnitt um 1,5 Prozent gestiegen. 

Welche Folgen der Klimawandel in Deutschland bereits hat, siehst du im Video:

Klimawandel in Deutschland: Diese Folgen gibt es bereits
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Die bisherigen Klimaschutzpläne der Staaten reichen bei Weitem nicht, um die Erderhitzung wie 2015 in Paris vereinbart auf deutlich unter 2 Grad zu begrenzen. Geht es weiter wie bisher, könnten es bis Ende des Jahrhunderts stattdessen im Mittel knapp 4 Grad mehr sein.

Auch die USA sind beim Klimagipfel dabei

Auch die USA sind in Madrid dabei, obwohl US-Präsident Donald Trump ihren Ausstieg aus dem Pariser Abkommen eingeleitet hat. Die Frontfrau der US-Demokraten, Nancy Pelosi, sicherte als Leiterin einer Delegation von Demokraten des US-Kongresses zu: "Wir sind noch dabei. Die Vereinigten Staaten sind noch dabei."

Der Vorsitzende des Weltklimarats IPCC, der koreanische Klimaökonom Hoesung Lee, sagte, die fatalen Folgen der Erderwärmung kämen schneller und massiver als angenommen, etwa beim Anstieg der Meeresspiegel und der Erwärmung der Ozeane. Es seien Veränderungen der Lebens- und Wirtschaftsweise ungekannten Ausmaßes nötig. "Wir sind nicht einmal ansatzweise dabei, den Klimawandel zu bekämpfen."

"Wir haben den Planten in die Knie gezwungen"

Den Vorsitz des diesjährigen Klimagipfel hat die chilenische Umweltministerin Carolina Schmidt, denn eigentlich hätten die Verhandlungen in Chile stattfinden sollen. Wegen der regierungskritischen Proteste dort sprang Spanien als Gastgeber ein.

"Nur wenn wir Seite an Seite stehen, wenn wir zusammenarbeiten, können wir wirklich die größte Herausforderung angehen, die weltweit auf uns zukommt: den Klimawandel", sagte Schmidt.

Der neue EU-Ratsvorsitzende, der Belgier Charles Michel, sagte, die Menschheit erleide zurzeit den Klimanotstand. Die Ressourcen des Planeten seien über Gebühr ausgebeutet worden. "Wir haben den Planten in die Knie gezwungen", sagte er.

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