Klimawandel im Ticker: EU erwägt neues Klimaziel

- Quelle: dpa/wetter.com
Der Klimawandel verändert unsere Natur.
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Mittlerweile gibt es fast täglich neue Erkenntnisse rund um den Klimawandel und dessen Folgen. In unserem Newsticker halten wir dich über neue Entwicklungen, Studien und Meinungen auf dem Laufenden.

Der Klimawandel beschäftigt die Gesellschaft weiterhin in großem Ausmaß. Über alle aktuellen Entwicklungen, Befunde und Erkenntnisse zu diesem Thema halten wir euch deshalb hier auf dem Laufenden.


08.03.2020: Kohleausstieg spätestens bis 2038 

Der Bundestag hatte am Freitag erstmals das Kohleausstiegsgesetz beraten. Nach ihm soll Deutschland spätestens bis 2038 aus der klimaschädlichen Kohleverstromung aussteigen. Das Gesetz ist die Voraussetzung für die geplanten 40 Milliarden Euro vom Bund, die den Kohleregionen beim Umbau ihrer Wirtschaft helfen sollen. Diese Hilfen sind im sogenannten Strukturstärkungsgesetz festgeschrieben, das ebenfalls noch in der parlamentarischen Beratung ist. 

FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg hat bessere Konzepte für den Strukturwandel in den vom Kohleausstieg betroffenen Regionen angemahnt. "Die letzten 30 Jahre haben gezeigt, dass es nicht darum geht, nur öffentliche Gelder zu verteilen und Subventionen zu beschließen", sagte sie. "Es geht vielmehr darum, gute Ideen zu haben, wie man - auch mit Hilfen für einen Strukturwandel - ein selbst tragendes Wachstum erzielt und Arbeitsplätze schafft, die von Dauer sind. Dafür braucht es nicht einfach nur Geld, sondern die richtigen Prioritäten und gute Ideen, womit in Zukunft Geld verdient werden kann."

"Die öffentlichen Gelder müssen klug investiert werden für Dinge, die langfristig gut sind. Und dazu gehört etwa eine gute Bahnanbindung der betroffenen Städte", sagte Teuteberg. So sei zum Beispiel für Cottbus eine gute Anbindung nach Dresden oder Berlin wichtig, wenn sich Menschen überlegten, ob sie in der Stadt wohnen bleiben oder dort hinziehen sollen. 

"Aber es geht auch um gute Rahmenbedingungen. Deshalb haben wir ja den Vorschlag von Sonderwirtschaftszonen gemacht", sagte die Generalsekretärin der Freien Demokraten. "Wir müssen in diesen Regionen mehr ermöglichen, schnellere Planungsverfahren haben und weniger Bürokratie." Auch das immer wieder geforderte Ansiedeln von Bundesbehörden sei allein keine Lösung. Nötig sei auch eine bessere Unterstützung für Menschen, die sich im Zuge des Kohleausstiegs beruflich nochmals umorientieren oder neue Qualifikationen erwerben müssten. Dazu schlage die FDP ein "Midlife-Bafög" vor.


06.03.2020: Deutschland muss beim Klimaschutz mehr tun - EU erwägt neues Ziel

Für das deutsche Klimaziel 2030 muss im Verkehr und beim Heizen von Gebäuden noch stärker umgesteuert werden.

Das in der schwarz-roten Koalition mühsam ausgehandelte Klimapaket reiche nicht, heißt es in zwei am Donnerstag veröffentlichten Gutachten im Auftrag der Bundesregierung. Dabei wird auf EU-Ebene bereits eine Verschärfung der Ziele vorbereitet. Umweltministerin Svenja Schulze unterstützte dies ausdrücklich, obwohl damit neue Anstrengungen auf Deutschland zukommen.

Beides hängt direkt zusammen, auch wenn die Zahlen etwas verwirrend sind: Die EU hat sich bisher vorgenommen, ihre Klimagase bis 2030 um 40 Prozent unter den Wert von 1990 zu drücken. In einer internen Lastenteilung hat Deutschland dabei zugesagt, seine Treibhausgase bis 2030 um 55 Prozent zu senken. Die EU-Kommission erwägt nun, das EU-Ziel auf 50 bis 55 Prozent hochzusetzen. Dann müsste Deutschland noch mehr tun - wie viel genau, steht noch nicht fest.

Doch wird noch nicht einmal das bisherige Ziel sicher erreicht, wie aus den beiden Gutachten im Auftrag des Umwelt- und des Wirtschaftsministeriums hervorgeht. Statt 55 Prozent minus würden mit dem in der Koalition vereinbarten Klimaschutzprogramm 2030 je nach Gutachten nur 51 oder 52 Prozent erreicht.

Der Energie- und der Industriesektor liegen weitgehend auf Zielkurs, auch wenn Unsicherheiten bleiben etwa beim Ökostrom. Die schwarz-rote Koalition ringt weiter um bundesweit einheitliche Regelungen für den Mindestabstand von Windrädern zu Wohnhäusern, die für den Ausbau entscheidend sein könnten. 

Nachbessern müssen aber wohl auf jeden Fall Verkehrsminister Andreas Scheuer und Bauminister Horst Seehofer. Denn Lücken gibt es vor allem im Verkehr und bei Gebäuden. Erwartbar ist deshalb eine weitere Debatte ums Tempolimit und um einen schnelleren Ausbau der Elektromobilität. Im Bau könnte es darum gehen, mehr Wohnungen energetisch zu sanieren. Bereits im April könnte das Klimakabinett der Bundesregierung weitere Maßnahmen beraten.

Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) lobte am Rande eines EU-Treffens in Brüssel die «riesigen» Fortschritte durch das deutsche Klimapaket, sagte aber auch: "Es gibt ein paar Problemfälle." Sie nannte den Verkehr, da müsse mehr getan werden. Verkehrsminister Scheuer kritisierte zwar die "Gutachteritis", machte aber konkrete Vorschläge - etwa die Senkung der Mehrwertsteuer auf Fernbustickets. 

Während in Berlin also um die konkreten Schritte gerungen wird, ist die Debatte auf EU-Ebene schon einen Schritt weiter. Die Umweltminister einigten sich am Donnerstag darauf, das Ziel der "Klimaneutralität" bis 2050 nun auch offiziell als Langfriststrategie an die Vereinten Nationen zu melden. Demnach müssen dann alle Treibhausgase vermieden oder gespeichert werden. Das soll helfen, die globale Erwärmung auf ein erträgliches Maß zu begrenzen. In dem Rahmen wird das neue Etappenziel für 2030 von minus 50 oder 55 Prozent debattiert.

Die Bundesregierung galt in der EU bisher als Bremser - Wirtschaftsverbände warnen vor neuen ehrgeizigen Zielen und Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hält sich zurück. Doch positionierte sich Schulze jetzt klar: "So wie wir das bisher geplant haben, also minus 40 Prozent Emissionen, das wird nicht mehr reichen." Die Marke 50 bis 55 Prozent finde sie gut. Für Deutschland heiße dies: "Wir müssen was drauf legen, wir müssen mehr machen." Ähnlich äußerten sich auch ihre Kollegen aus Frankreich, Österreich und Dänemark.


05.03.2020: Noch Lücken im Verkehr und Gebäuden bei Klimazielen

Zum Erreichen des deutschen Klimaziels 2030 müssen einem Gutachten zufolge vor allem der Verkehrs- sowie der Gebäudebereich noch nachliefern. Wie eine Studie des Öko-Instituts für das Umweltministerium ergibt, kann Deutschland mit dem Klimaschutzprogramm den Treibhausgasausstoß in den kommenden zehn Jahren um 51 Prozent im Vergleich zu 1990 verringern - die Zielmarke aber ist mindestens 55 Prozent. Vor allem im Verkehr sowie bei Gebäuden bestehe noch Handlungsbedarf, wie das Ministerium mitteilte.

Laut Gutachten würde Deutschland ohne das Klimaschutzprogramm, auf das Union und SPD sich nach monatelangen Verhandlungen im Herbst geeinigt hatten, bis 2030 seine Treibhausgas-Emissionen nur um 41 Prozent senken im Vergleich zu 1990. Im vergangenen Jahr waren nach ersten Berechnungen rund 35 Prozent geschafft - amtliche Zahlen dazu kommen bald. Die Zielmarke für 2020 waren eigentlich 40 Prozent.


05.03.2020: Starker Ozonabbau über dem Nordpol

Die Ozonschicht über dem Nordpol ist in diesem Winter überdurchschnittlich stark geschwunden. Grund dafür seien besonders niedrige Temperaturen in einer hohen Luftschicht, der Stratosphäre, und ein stabiler Polarwirbel, teilte das Forschungszentrum Jülich am Donnerstag mit. Demnach sei der Ozongehalt über die vergangenen drei Monate stetig gesunken und liege Anfang März nun gut 18 Prozent niedriger als in Wintern ohne besondere Wettereinflüsse. Gegenwärtig bestehe wegen des noch niedrigen Sonnenstands jedoch keine Gefahr durch hohe UV-Strahlung.

Die Ozonschicht über der Arktis ist im Jahreszyklus immer um diese Jahreszeit besonders dünn. Sie wird sich nach Angaben der Jülicher Stratosphärenforscher Jens-Uwe Grooß und Rolf Müller aber schon bald wieder erholen. "Wenn es zu warm wird für diese ozonzerstörenden Prozesse, ist der Spuk schnell wieder vorbei", sagte Müller. Sobald die Temperaturen in den nächsten Tagen oder Wochen steigen, werde der Ozonabbau gestoppt und die Messwerte normalisierten sich.

Einen noch stärkeren Ozonabbau als derzeit hatte es den Angaben zufolge im letzten Jahrzehnt nur im Winter 2015/16 gegeben. Auch damals war eine Kälteperiode die Ursache.

Die Produktion der ozonzerstörenden FCKW (Fluorchlorkohlenwasserstoffe) ist seit Langem verboten. Dennoch sei bislang in der Arktis noch kein deutlicher Trend zur Erholung zu erkennen, sagte Müller. Die Lebensdauer der FCKW betrage 50 bis 100 Jahre. Langfristig sei mit einer Erholung zu rechnen - in ganz grob 50 Jahren, falls die Produktion ozonzerstörender Stoffe nicht wieder zunehme, sagte Müller.


04.03.2020: Staudämme gegen die Flut: Wird die Nordsee eingeschlossen? 

Der Meeresspiegel steigt nach Auskunft der Weltwetterorganisation WMO durch Eisschmelze und Wassererwärmung immer schneller. Derzeit sind es im Schnitt über drei Millimeter pro Jahr. Es wird davon ausgegangen, dass der Meeresspiegel etwa 1000 Jahre weiter ansteigen wird, selbst wenn wir die Erderwärmung schon heute stoppen. 

Insgesamt ist der Meeresspiegel seit 1900 im globalen Durchschnitt schon um über 20 Zentimeter gestiegen laut Mojib Latif vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Bis Ende des Jahrhunderts könnten es ein Meter oder mehr werden. Großstädte wie New York, Shanghai oder auch Hamburg werden langfristig unterhalb des Meeresspiegels liegen, wenn nichts unternommen wird. 

Welche Folgen des Klimawandels ebenfalls bereits zu spüren sind, kannst du in diesem Artikel nachlesen: Diese Folgen des Klimawandels sind längst Realität

Folglich müssen auch die Menschen,  die an der Nordseeküste leben in Zukunft mit schweren Überflutungen rechnen. Aus diesem Grund haben Sjoerd Groeskamp vom Königlich-Niederländischen Institut für Meeresforschung und Joakim Kjellsson vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel in einer Machbarkeitsstudie untersucht, ob eine Abriegelung der Nordsee vom Atlantik möglich wäre.

Die beiden Wissenschaftler haben in der Studie die Errichtung von zwei riesigen Dämmen geplant, um die Küstengebiete zu schützen. Der eine wäre 161 Kilometer lang und würde den Ärmelkanal zwischen Bretagne und Cornwall abriegeln. Der tiefste Punkt läge bei etwa 100 Metern. Der zweite Damm wäre 476 Kilometer lang, würde sich von der nordöstlichen Spitze Schottlands bis nach Bergen in Norwegen ziehen und müsste den 320 Meter tiefen Norwegischen Meeresgraben durchqueren. Dieser wäre also eine deutlich größere Herausforderung für Ingenieure.

Quelle: NIOZ, Sjoerd Groeskamp

Der Studie zufolge wäre die Umsetzung sowohl aus technischer als auch finanzieller Sicht machbar. Den Berechnungen der Forscher zufolge müsste man mit Kosten von 250 bis 500 Milliarden Euro und einer rund 20-jährigen Bauphase rechnen.

Jedoch hätte ein solches Projekt für Ökologie und Fischerei gravierende Folgen. Beispielsweise gebe es in großen Teilen der Nordsee keine Gezeiten mehr, wodurch auch der Transport von Schlamm und wichtigen Nährstoffen entfallen würde. Zudem würde kaum noch Salzwasser vom Atlantik her einströmen, wodurch sich das Meer auf lange Sicht in eine Süßwasserlagune verwandeln würde. 

Die Forscher ziehen in ihrer Studie den Schluss, dass ein solches Projekt an sich nicht umgesetzt werden sollte, sollte es nicht unbedingt notwendig sein. Viel eher sollte man sich für effektiven Klimaschutz einsetzen, damit es nicht soweit kommen müsse.

Alle Details zur Studie kannst du hier nachlesen.

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