Darum fällt uns klimabewusstes Verhalten so schwer!

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Darum fällt uns klimabewusstes Verhalten so schwer!
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Obwohl viele Menschen umweltbewusster leben möchten, fällt es ihnen schwer, das auch umzusetzen.

Um unser Umwelt besser zu schützen, möchten immer mehr Menschen ihr Verhalten ändern. Doch dafür gibt es einige psychologische Hürden.

Am Familientisch wird hitzig über Fleischkonsum diskutiert. In der Teeküche streiten sich Kollegen, ob Inlandsflüge noch okay sind. SUV-Fahrer stehen am Pranger. Hunderttausende demonstrieren auf den Straßen. Das Thema Klimaschutz treibt die Menschen in Deutschland so um wie nie. Immer mehr wollen was tun.

Große Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Doch Anspruch und Wirklichkeit klaffen oft weit auseinander. Unter Psychologen ist diese Diskrepanz als "Attitude-Behaviour-Gap" (Einstellungs-Verhaltens-Lücke) bekannt. Gleich mehrere psychologische Hürden stehen klimaschonendem Verhalten im Weg.

Stellenwert des klimabewussten Verhaltens hat zugenommen

In einer Ende Mai veröffentlichten Umfrage des Umweltbundesamtes (Uba) stuften zwei von drei Menschen in Deutschland Umwelt- und Klimaschutz als sehr wichtige Herausforderung ein - der Klimaschutz toppte damit Sicherheit, Migration und Arbeitslosigkeit. "Der Stellenwert von Umwelt- und Klimaschutz hat zugenommen", heißt es vom Uba. Die Bevölkerung sei durchaus bereit, eigene Beiträge zu leisten.

So lässt sich in vielen Lebensbereichen durch ein klimabewusstes Verhalten CO2 sparen. Wie dir das im Alltag am besten gelingt, erfährst du im folgenden Video:

CO2 sparen im Alltag ist oft gar nicht so schwierig.
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Bereitschaft zum Umweltschutz allein reicht nicht

Doch der Bereitschaft folgen nicht immer Taten. Die Umfrage des Uba zeigt, dass das grundsätzliche Umweltbewusstsein und das tatsächliche Verhalten recht weit auseinanderliegen. Eine ähnliche Diskrepanz zeigte eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur und der Meinungsforscher von Yougov von Anfang dieses Jahrs. Demnach kann sich fast jeder Zweite vorstellen, der Umwelt zuliebe auf eine Flugreise zu verzichten - doch nur jeder Fünfte hat es schon getan.

Subjektive Normen können Menschen bremsen

Schon vor knapp 30 Jahren entwickelte der US-amerikanische Sozialpsychologe Icek Ajzen die sogenannte Theorie des geplanten Verhaltens. Die Theorie nennt Gründe, warum aus einer Einstellung nicht unbedingt das entsprechende Verhalten folgt.

Demnach können sogenannte subjektive Normen einen Menschen bremsen. Dabei geht es um erwartete Reaktionen der Umwelt. Halten mich Freunde und Familie für einen Ökofreak, wenn ich verpackungsfrei einkaufe oder ein Lastenrad leihe, um das Auto stehen zu lassen? Solche Gedanken prägen das Verhalten mit.

Verhalten der Mitmenschen ist entscheidend für unser Handeln

Ähnlich wichtig ist, wie sich Mitmenschen verhalten. Beispiele dafür liefern Studien des Marketing-Psychologen Robert Cialdini. So warfen Menschen in einem Parkhaus eher Müll auf den Boden, wenn der Boden ohnehin schon zugemüllt war. Ein weiteres Beispiel: Menschen passten ihren Energieverbrauch an, wenn sie den Verbrauch ihrer Nachbarn erfuhren.

Eigene Maßnahmen zum Klimaschutz werden als unbedeutend wahrgenommen

Beim Klimaschutz kommt hinzu, dass das Problem so groß erscheint, dass die eigenen Maßnahmen als wirkungslos wahrgenommen werden. Zudem gibt es den Gedanken: "Wenn nur ich mich einschränke und die anderen nicht, bin ich der Dumme." Allerdings muss auch klar sein: Die Klimaerwärmung kann nur abgemildert werden, wenn jeder einzelne etwas tut - und die Politik entsprechende Vorgaben macht.

Sind klimafreundliche Taten überhaupt machbar?

Für Psychologen ist auch entscheidend, ob ein Verhalten überhaupt machbar erscheint. In der Theorie des geplanten Verhaltens wird das als wahrgenommene Verhaltenskontrolle bezeichnet. Gibt es in einer Region keinen öffentlichen Nahverkehr und ist man nicht gesund genug zum Radfahren, bleibt manchmal nur das Auto.

Dabei gibt es nicht nur objektive Hürden: Wer hat schon die Kraft und das Geld, um immer ein perfekter Umweltschützer zu sein? Nicht zuletzt die Zeit spielt eine große Rolle. Gegenüber dem Umweltbundesamt begründeten die meisten regelmäßigen Autofahrer ihre Fahrten mit Zeitersparnis.

Reines Verzichtprogramm ist nicht hilfreich

Aber was kann man tun, um den inneren Schweinehund beim Thema Klimaschutz zu überwinden? Marcel Hunecke, Umweltpsychologe an der Fachhochschule Dortmund, empfahl vor einigen Monaten, zunächst kleine Schritte zu machen. "Man muss positive Erfahrungen sammeln. Als reines Verzichtsprogramm wird das nicht funktionieren", sagte Hunecke.

Außerdem könnten Motiv-Allianzen helfen. Es mache Sinn, Klimaschutz mit anderen positiven Effekten wie Gesundheit oder Lebensqualität zu verbinden. Warum nicht mal ein Erholungsurlaub in Brandenburg statt einer Safari in Südafrika?

Plan für klimabewusstes Handeln hilft

Der Sozialpsychologe Sebastian Bamberg von der FH Bielefeld sagt: "hilfreich ist, sich einen Plan zu machen, was man tut, wenn plötzlich eine Hürde auftaucht und man wieder ins alte Verhalten fallen will." Ähnlich wie bei einer Suchttherapie. Allerdings sei das enorm aufwendig.

Lieblingsbeschäftigungen stehen über dem Klimaschutz

Manchmal sind andere Dinge für Menschen schlicht wichtiger als Klimaschutz. Scheint der Schulweg des Kindes mit dem Rad zu gefährlich, tendieren Eltern eventuell trotz Abgasen zum Auto. Lebt die große Liebe in Übersee, dürfte selbst ein engagierter Klimaschützer in den Flieger steigen.

Auch wenn eine Flugreise nach New York laut CO2-Rechner des Uba mit knapp vier Tonnen CO2-Äquivalente zu Buche schlägt. Zum Vergleich: Im Schnitt verursacht ein Mensch in Deutschland 11,6 Tonnen im Jahr.

Kurzfristige Bedürfnisse überwiegen

Oft überwiegen kurzfristige Bedürfnisse. "Mit vorausschauendem Denken hatte die Menschheit immer schon Probleme", sagte der Göttinger Psychologe Borwin Bandelow kürzlich der "Neuen Presse". "Das menschliche Hirn konzentriert sich seit Jahrtausenden auf Alles, was uns hier und jetzt bedrohlich erscheint, nicht irgendwann."

Handlungsdruck wird teilweise geschmälert

Außerdem erschwert ein Paradox namens "unrealistischer Optimismus" den Umweltschutz. Es besagt, dass Menschen für ihr eigenes Leben optimistischer sind als für andere Menschen. Das schmälert den Handlungsdruck. So hielt in der Uba-Befragung fast jeder Befragte die Umweltqualität weltweit für schlecht. Auch für Deutschland schätzen zwei von fünf Menschen die Qualität als schlecht ein. Doch nur gut halb so viele sahen die Probleme für die eigene Gemeinde.

Sehr viele weitere Hürden für klimafreundliches Verhalten

Hürden für umweltfreundliches Verhalten gibt es noch weit mehr. Der Umweltpsychologe Robert Gifford hat sogar 29 davon ausgemacht. Nicht zuletzt spielt Gewohnheit eine große Rolle, meint er. "Gewohnheiten mögen nicht die glamouröse Hürde sein, aber vielleicht die wichtigste für die Linderung der Klimawandelfolgen."

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