Bestäubungsarbeit: So viel ökonomischen Nutzen haben Bienen & Co.

- Sabrina Fuchs
Insekten sind für unser Ökosystem enorm wichtig.
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Bienen und andere bestäubende Insekten sind unglaublich wertvoll für die Natur, aber auch die Volkswirtschaft. Wie wertvoll genau, haben Forscher der Universität Hohenheim in Stuttgart nun berechnet. 

Ohne Insekten sähe unsere Welt ganz anders aus. Denn durch das Transportieren von Pollen von einer Blüte zur nächsten, werden diese befruchtet. Viele Pflanzen können nur so Früchte und Samen bilden. Diese dienen wiederum nicht nur unserer Ernährung, sondern auch der natürlichen Fortpflanzung der Pflanzen, sodass die Natur weiter blüht und grünt. 

Ökonomischer Nutzen durch Bestäubung: Eine Billion Dollar 

Eine Billion Dollar – eine gigantische Summe. Dieser enorme Wert ist das Ergebnis einer neuen Simulationsstudie zur Bestäubungsarbeit von Insekten von Wissenschaftlern der Universität Hohenheim. Demnach ist die Bestäubung von Blüten durch Insekten weltweit eine Billion Dollar oder circa ein Prozent des weltweiten Bruttosozialprodukts wert.  

Allein in Deutschland würde die Wirtschaft bei einem Wegfall aller bestäubenden Insekten im Schnitt rund 3,8 Milliarden Euro verlieren. Die Details der Studie wurden nun im Fachjournal 'Ecological Economics' veröffentlicht. Für die neue Schätzung simulierten die Wissenschaftler der Universität Hohenheim in verschiedenen Modellrechnungen, welche Auswirkungen der schlagartige Wegfall aller bestäubenden Tiere auf den Verbrauchernutzen in Deutschland und auch weltweit haben würde.  

In Deutschland und Europa sind vor allem Bienen, Käfer, Schmetterlinge und andere Insekten für die Bestäubung zuständig. In tropischen Regionen tragen auch Fledermäuse und Kolibris ihren Anteil dazu bei. Wie eine Welt ohne Insekten aussehen würde, erfährst du im Video oben.

Neuer Bewertungsansatz ist realistischer 

Apl. Prof. Dr. Christian Lippert und Dr. Manuel Narjes vom Fachgebiet Produktionstheorie und Ressourcenökonomik im Agrarbereich und Dr. Arndt Feuerbacher vom Fachgebiet Agrar- und Ernährungspolitik schlagen dabei einen neuen Bewertungsansatz vor: "Bisher wurden solche Schätzungen auf der Basis von Annahmen zur langfristigen Anpassung der Agrarsysteme errechnet. Das ist aus unserer Sicht jedoch nicht korrekt, weil die langfristigen Anpassungsreaktionen sowohl der Agrarökosysteme als auch von Angebot und Nachfrage nicht absehbar sind", erklärt apl. Prof. Dr. Lippert. 

"Deshalb haben wir den wirtschaftlichen Verlust nur kurzfristig für das Jahr unmittelbar nach dem hypothetischen Ausfall aller Bestäuber simuliert, denn danach würden andere Mechanismen greifen und einen Teil wieder auffangen. So könnten in der Landwirtschaft beispielsweise verstärkt selbst- und/oder windbestäubte Sorten angebaut werden", fährt er fort. 

"Die Landwirte können geringere Erträge bis zu einem gewissen Grad durch höhere Preise kompensieren. Aber der Verbraucher verliert auf jeden Fall, da er die gestiegenen Preise bezahlen muss. Deswegen wäre in jedem Fall der größte Teil des volkswirtschaftlichen Verlusts von den Verbrauchern zu tragen." 

Folgen von Insektensterben: Veränderte Preise und Verbraucherverhalten 

Nicht alle Pflanzen sind zu gleichen Anteilen von der Bestäubung durch Tiere abhängig. So sind bei Äpfeln und Kirschen zum Beispiel im Schnitt circa 65 Prozent des Ertrags der Tierbestäubung zu verdanken; bei Kürbissen sind es sogar 95 Prozent. Getreidearten wir Weizen und Reis sind Wind- und Selbstbestäuber und sind nicht von Insekten abhängig. 

Wären schlagartig alle bestäubenden Insekten verschwunden, würde es zu enormen Ernteausfällen kommen, der landwirtschaftliche Ertrag würde sinken und die Preise für betroffene Produkte würden steigen. Verbraucher würden gleich doppelt verlieren, weil sie sowohl weniger Obst und Gemüse zur Verfügung haben würden als auch mehr bezahlen müssten. 

Ökologische Schäden noch wesentlich höher 

"Natürlich können wir so nicht alle ökologischen Auswirkungen eines solch katastrophalen Ereignisses auf die Umwelt und den Menschen erfassen, die weit über die bloßen Schäden durch einen geringeren Ertrag hinausgehen", betont Dr. Narjes. "Aber solche Schätzungen können das Bewusstsein für die Bedeutung intakter Ökosysteme schärfen und so einen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leisten." 

Neue Studie bestätigt: Insektensterben in Deutschland ist real – und massiv!

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