Orkantief CHRISTIAN - Grausam rekordverdächtig

- Redaktion
Orkantief CHRISTIAN - Grausam rekordverdächtig
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Auf seinem Weg nach Osten sorgten z.B. die Reste des ehemaligen tropischen Sturms LORENZO für eine zusätzliche Energiezufuhr. Dies begünstigte die Entwicklung von einem "normalen" Tief zu einem Orkantief.

Am Sonntag, 27.10.2013 lag CHRISTIAN um 18 UTC mit einem Kerndruck von 990 hPa südwestlich von Irland. Um 22 UTC traf das Orkantief auf die Südwestküste Großbritanniens. Mit einer weiteren Intensivierung (Kerndruck von 986 hPa) wurden an der bretonischen Küste erste Orkanböen mit einer Windgeschwindigkeit bis zu 133 km/h (Station Ouessant-Stief) gemessen. In der Nacht zum Montag verlagerte sich Orkantief CHRISTIAN weiter nordostwärts und überquerte den Süden Großbritanniens.
 
Am Montagmorgen um 07 UTC befand sich der Kern des Orkans über der Region East Midlands, nahe der Stadt Grimsby. Der Kerndruck wies zu diesem Zeitpunkt einen Druck von 977 hPa auf. Zum gleichen Zeitpunkt meldete ein Schiff über dem Ärmelkanal die bis dahin stärkste Windböe mit einer Geschwindigkeit von 168 km/h.
 
Mit der weiteren Zugbahn über die südliche Nordsee in Richtung Dänemark wurden um 11 UTC die ersten Orkanböen an der deutschen Nordseeküste gemessen. Die Station Borkum-Süderstraße registrierte eine Böe mit 137 km/h. Auf dem Brocken wurden bereits vor diesem

Zeitpunkt Orkanböen beobachtet.

Der Höhepunkt des Orkantiefs CHRISTIAN kann nach vorhandenen Messdaten auf Montag, den 28.10.2013 gegen 14 UTC datiert werden. Der
Kern des Orkantiefs befand sich zu diesem Zeitpunkt vor der Nordwestküste Dänemarks. Da genau an diesem Ort keine Messdaten
vorliegen, kann der tatsächliche Kerndruck von der Messung an der Küste mit 968 hPa um wenige hPa abweichen. Zeitgleich meldete die Station Sankt Peter Ording mit einer Böe von 172 km/h den Maximalwert im Messnetz des Deutschen Wetterdienstes.

Während der weiteren Zugbahn in Richtung Südskandinavien konnte eine dänische Wetterstation (Kegnaes Fyr) an der Ostseeküste, nahe der Schleswig-Holsteinischen Grenze, eine Böe mit einer Geschwindigkeit von 193 km/h registrieren.

Schleswig-Holstein wurde besonders stark von CHRISTIAN getroffen, da dort im Zeitraum zwischen 13 und 16 UTC verbreitet Orkanböen mit
einer Geschwindigkeit zwischen 120 und 150 km/h auftraten. Nachfolgend schwächte sich das Starkwindfeld mit weiterer Nordostwärts-Verlagerung des Orkantiefs CHRISTIAN bis zum Abend wieder ab.

Nun stellt sich die Frage nach der Einordnung dieses Orkantiefs in die langjährige Liste weiterer namhafter Stürme? Dazu soll zunächst ein kurzer Überblick über die Top 10 der stärksten Böen seit 1990 gegeben werden. Als Referenz sollen nur Messwerte von Stationen unterhalb 600m dienen, um so einen besseren Vergleich mit der Station Sankt Peter Ording (5m ü. NN) zu erhalten.
Die Werte von 2005 und 1992 wurden im Sommer gemessen und können somit nicht direkt mit einem Herbst- oder Wintersturm in Verbindung
gebracht werden.

1999 List-Sylt 183,6 km/h
2005 Bonn 178,6 km/h (Sommer)
1997 Pelzerhaken 177,8 km/h
1994 Helgoland 176,4 km/h
1992 Saarbrücken 166,7 km/h (Sommer)
1993 Kap Arkona 164,9 km/h
1990 Cuxhaven 160,9 km/h
1995 Kap Arkona 159,1 km/h
2008 Chemnitz 151,9 km/h
2002 Glücksburg 147,6 km/h

Auch wenn CHRISTIAN nicht zu den stärksten Stürmen der letzten Jahre zählt, kann sich jedoch die Station Sankt Peter Ording mit einer Windgeschwindigkeit von 172 km/h in die Top 5 der Spitzenböen unterhalb von 600 m der letzten 23 Jahre einreihen. Zudem wurde an
dieser Station bis dato keine höhere Windgeschwindigkeiten gemessen.

Also doch ein neuer Rekord!

(DWD/sw)

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