Käferplage, Dürre, Sturmschäden: Dramatischer Zustand in Deutschlands Wäldern

- Quelle: dpa
Käferplage, Dürre, Sturmschäden: Dramatischer Zustand in Deutschlands Wäldern
© Shutterstock
Die Borkenkäfer-Plage führt dazu, dass mehr und mehr Bäume in Deutschlands Wäldern absterben.

Deutschlands Wälder befinden sich in einem katastrophalen Zustand. Dafür verantwortlich sind Borkenkäfer, Dürre und Sturmschäden. Auch die Bundeswehr soll jetzt helfen.

Die deutschen Waldbesitzer sprechen wegen der Borkenkäfer-Plage, vielen Sturmschäden und der langanhaltenden Dürre von einer "Jahrhundertkatastrophe" hierzulande und erwarten Milliardenkosten.

Der Dachverband der Waldeigentümer geht davon aus, dass 2018 und 2019 insgesamt 70 Millionen Festmeter sogenannten Schadholzes anfallen - im wesentlichen "Käferholz" und bei Stürmen umgeknickte Bäume. Ein Festmeter entspricht einem Kubikmeter. Allein der Abtransport könnte nach Schätzungen 2,1 Milliarden Euro kosten.

Dramatischer Wald-Zustand: Die Bundeswehr soll helfen

Die Bundeswehr prüft derzeit einen Hilfseinsatz in deutschen Wäldern, um die vielerorts verheerende Borkenkäferplage einzudämmen. Dies teilte das Verteidigungsministerium in Berlin am Dienstag mit. Der Truppe lägen aus verschiedenen Regionen Anfragen vor, Amtshilfe zu leisten. 

Im Kampf gegen die Borkenkäfer kommt es darauf an, befallenes Holz schnell aus dem Wald zu holen - damit kommen aber vor allem viele private Waldbesitzer kaum nach. Laut dem Verband der Waldeigentümer sind alle Baumarten von der Krise im Wald betroffen, Nadel- wie Laubbäume. Borkenkäfer und Nonnenspinner setzen Fichten und Kiefern zu, Buchen und Erlen litten unter einem Pilzbefall, die Eiche unter dem Eichenprozessionsspinner.

Dramatische Lage in Thüringen

Thüringens Wälder brauchen schnelle Hilfe - Millionen Bäume sterben ab.

Thüringens Landesregierung hat ein Nothilfeprogramm zur Rettung der von Trockenheit und Borkenkäferbefall bedrohten Wälder beschlossen. Das teilte die Staatskanzlei am Dienstag in Erfurt mit. Auf den Aktionsplan hatten sich Teile des Kabinetts vor einer Woche bei einem Krisentreffen mit Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) verständigt. Danach müssen für die Bergung kranker und abgestorbener Bäume sowie für die Pflanzung von 200 Millionen Bäumen in den kommenden zehn Jahren rund 500 Millionen Euro eingesetzt werden. 

Die Problematik rund um Deutschlands Wälder, wird auch in diesem Video deutlich:

Wald leidet unter Hitze und Trockenheit
Initialisierung des Players
fehlgeschlagen!
Bitte aktivieren Sie Flash!
Kontakt & Support
 

Schätzungen zufolge werden in Thüringen allein bis Jahresende etwa 600 000 Buchen wegen Trockenheit absterben und fünf bis sechs Millionen Fichten Opfer des Borkenkäfers.

In einem ersten Schritt soll in Thüringen die Landesforstanstalt die notwendigen Mittel bekommen, um die dringendsten Arbeiten erledigen zu können. Aufgeforstet werden soll mit klimabeständigeren Baumarten. Das Ziel sind Mischwälder. Derzeit haben Fichten einen Anteil von 40 Prozent am Baumbestand in Thüringen, Buchen 20 Prozent. 

Der Chef der CDU-Landtagsfraktion Mike Mohring begrüßte es, dass die Bundeswehr im Kampf gegen den Borkenkäfer einen Hilfe-Einsatz in deutschen Wäldern prüfen will. "Die Katastrophe im Wald duldet keinen Aufschub." Die erste Aufgabe bestehe darin, das schadhafte Holz aus dem Wald zu holen. Forst, Waldbesitzer und Kommunen seien finanziell dazu nicht in der Lage - auch, weil die Holzpreise im Keller seien. "Durch diesen Katastrophenfall, finden wir, ist es gerechtfertigt, auch rechtlich geboten, die Bundeswehr um Amtshilfe zu bitten", sagte Mohring.

Für den Wald: Ministerpräsident unterbricht Sommerurlaub

Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von Baden-Württemberg, hat seinen Sommerurlaub unterbrochen, um mit einer Visite bei Betroffenen auf die drängende Problematik hinzuweisen.

"Der Klimawandel trifft die Wälder im Land mit nicht geahnter Wucht", sagt Kretschmann, als er am Dienstag in der Schwarzwaldgemeinde Ühlingen-Birkendorf im Kreis Waldshut mehrere Wälder besucht: "Dürre, Hitze und Schädlinge setzen unseren Waldbäumen mit einer Geschwindigkeit zu, die das Naturgefüge ins Wanken bringt." Kretschmann spricht von einer landesweit dramatischen Situation und von einer Krise, auf die das Land Antworten finden müsse.

"So viele Leute kann es gar nicht geben, dass wir den Schäden noch hinterherkommen." Die entscheidende Frage sei vielmehr, was langfristig getan werden könne, um den Wald zu retten - etwa mit dem Pflanzen neuer Baumarten, die dem Klimawandel besser standhalten als bestehende Baumsorten.

Jahrhundertkatastrophe befürchtet: Waldsterben durch den Klimawandel

"Der Wald in seiner bestehenden Form ist dem Untergang geweiht."

Helge von Gilsa, Chef des Kreisforstamtes Waldshut, sieht die Lage dramatisch. "Der Wald in seiner bestehenden Form ist dem Untergang geweiht." Schäden wie in diesem Jahr habe es noch nie gegeben. Der Klimawandel bringe extreme Wetterbedingungen, diese verschärften die Situation: "Wir sind wirkungslos und machtlos", sagt der Förster.

Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg untersucht, wie Wälder umgebaut werden können, damit sie den Klimawandel überstehen. "Wenn der Mensch sich weiter so verhält, wie er es derzeit tut, wird der Wald keine Zukunft haben", sagt der Chef der Forschungsanstalt, Konstantin von Teuffel. Auch neue Baumarten seien kein Mittel, das Problem auf Dauer zu lösen. Die einzige Möglichkeit sei, stärker auf die Umwelt zu achten und die Erderwärmung einzugrenzen. Der Wald, sagt der Wissenschaftler, brauche endlich "die Unterstützung aller in der Gesellschaft".

P.S. Bist Du auf Facebook? Dann werde jetzt Fan von wetter.com!

Zur News-Übersicht Panorama

Nach oben scrollen