Extrem-Wetter im Winter immer wahrscheinlicher: Arktisches Meereis beeinflusst unser Wetter

- Frederic Schwarz
Der Polarwibrel ist ein Starkwindband.
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Das arktische Meereis wird immer weniger. Es liegt weit unter dem Durchschnitt vergangener Jahre. Welche Auswirkungen hat das auf den Winter 2022/2023? Und was hat der Polarwirbel damit zu tun?

Nach den kalten Wintermonaten werden die arktischen Meereis-Flächen im Sommerhalbjahr Stück für Stück kleiner und erreichen ihr Minimum meist im September, bevor sie ab dem Oktober wieder rasant wachsen – so normal, so gut.

Doch in den vergangenen Jahren wird das arktische Meereis immer weniger und auch das Minimum wird immer früher erreicht. Und das hat Auswirkungen auf Wetterextreme und die Temperaturen im Winter.

Meereis-Ausdehnung deutlich unter dem Durchschnitt

Die aktuelle Ausdehnung des Meereises (Stand 03.10.2022) liegt bei 5,66 Millionen Quadratkilometer, gibt das vom Alfred-Wegener-Institut in Kooperation mit der Uni Bremen betriebene "Meereisportal" an. Damit nimmt sie im Vergleich zu den Vortagen zwar allmählich wieder zu, liegt aber deutlich unter dem Durchschnittswert für Oktober (dieser liegt bei ca. 7 Millionen Quadratkilometer).

Im Juli 2022 lag die Ausdehnung arktischen Meereises ganze sieben Prozent unter dem Durchschnittswert für diesen Monat - und damit auf dem niedrigsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen vor 44 Jahren, berichtet der EU-Klimawandeldienst Copernicus.

Bereits im April ist das arktische Meereis auf einen Tiefstand gefallen.

Ausdehnung beeinflusst den Polarwirbel und dieser wiederum unseren Winter

Bei einer geringeren Ausbreitung des Meereises kann die Vitalität und Aktivität des Polarwirbels gestört werden. Denn fehlendes Eis bedeutet mehr Absorption von Wärme.

"Je kälter die Arktis im Vergleich zur Umgebung ist, um so stärker ist der Polarwirbel im Schnitt ausgeprägt", erklärt wetter.com-Meteorologe Georg Haas. "Durch den Klimawandel gehen in der Arktis Schnee- und Eisflächen verloren, an deren Stelle dunklere Oberflächen zum Vorschein kommen, die mehr Sonnenenergie absorbieren und in Wärme umsetzen. Daher schlägt die Klimaerwärmung in der Arktis stärker ein als im globalen Durchschnitt, was den Polarwirbel im Schnitt schwächt."

Wie der Winter bei uns wird, hängt auch vom Polarwirbel ab

"Grundsätzlich bedeutet ein intakter, stabiler Polarwirbel im Winter für uns hier in Deutschland eher mildes, teils stürmisches und zwischendurch regnerisches Wetter", fügt wetter.com-Meteorologe Bernd Madlener hinzu.

"Wenn der Polarwirbel schwach ausgeprägt ist oder sogar zusammenbricht bzw. sich teilt (das ist der Polarwirbelsplit), dann erhöhen sich die Chancen auf frostiges Wetter im späteren Winterverlauf", so der Experte.

Das muss aber nicht passieren, denn die Kaltluft kann auch über England oder Frankreich nach Süden strömen. Auch, dass sie östlich von uns über Russland und den Balkan nach Deutschland kommt, ist denkbar.

Wie der Polarwirbel genau funktioniert, erklären wir dir im Video oben.

Wusstest du, dass der Polarwirbel sogar ein Ozonloch verhindern kann?

Wie war der Winter nach dem Meereis-Negativrekord?

Zu einem Negativrekord in der Ausdehnung des arktischen Meereises kam es 2012. Der darauffolgende Winter wurde vor allem zum Frühlingsbeginn Anfang März 2013 noch einmal richtig kalt. Denn da kam es zu einem Split des Polarwirbels.

In der Folge weichten die Temperaturen im Durchschnitt um drei Grad nach unten ab. Im Osten Deutschlands war es im März 2013 sogar um fünf Grad kälter als im langjährigen Durchschnitt. Bildet sich zu wenig Meereis steigt also die Wahrscheinlichkeit für einen kälteren Winter bei uns, da ein Polarsplit wahrscheinlicher wird.

Ein solcher Split vollzieht sich relativ oft – im Schnitt alle zwei Jahre. In der ersten Dekade des neuen Jahrtausends (2000-2009) kam es allerdings gleich neun mal zu einen solchen Polarwirbelsplit.

Auch sehr milde Wetterphasen denkbar

Kommt es zum Polarwirbelsplit werden Wetterextreme im Winter wahrscheinlicher. Diese müssen aber nicht immer kalt und stürmisch ausfallen, sondern können auch ins andere Extrem umschlagen. Denn wird der Wind so abgelenkt, dass er von Süd nach Nord zieht, kann es im Winter bei uns auch sehr mild, wenn nicht fast schon warm, werden.

Um diese Wetterextreme zu vermeiden, müsste die Ausdehnung des Meereises also wieder ein intaktes Level erreichen.

Wusstest du, dass eine bestimmte Eisbären-Art gar kein Meereis benötigt?

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