Das blaue (Kälte)Band des Frühlings

- Kai Zorn
Das blaue (Kälte)Band des Frühlings
© dpa
Müssen wir im Frühling 2018 mit Rückschlägen bis weit in den April rechnen?

Nach dem eisigen Februar sind auch im Frühling 2018 immer wieder Rückschläge möglich. Für den Sommer wagt Kai Zorn ebenfalls eine erste Einschätzung!

Finden Sie es nicht auch irre, wie schnell die Zeit vergeht? Im Handumdrehen sind schon wieder zwei Monate rum und der meteorologische Winter sagt mit eisiger Stimme leise Servus! Der meteorologische Frühling geht mit dem 1. März los und der kalendarische bzw. astronomische Frühling folgt am 20. März um 17:15 Uhr. Ab dem 21. März werden die Tage länger sein als die Nächte und am Sonntag drauf werden die Uhren auf Sommerzeit umstellt. Wenn es nach mir ginge, dann sollen die Uhren für immer auf Sommerzeit gestellt bleiben...

Wie wird der Frühling 2018?

Aber wer fragt mich schon ;)!? Klären wir eine andere, wichtige Frage: Wie wird der Frühling? Bei einer langfristigen Witterungseinschätzung ist es wie mit der normalen Wettervorhersage. Da gibt es immer zwei Seiten, die ein und derselben Medaille gehören. Die eine Seite sagt strikt, dass das nicht geht und beschimpft alle, die anders darüber denken als unseriös, weil sie es entweder nicht können (wollen) oder nicht wissen. Auf der anderen Seite gibt es die Marktschreier, die aus vereinzeltem Nieselregen Hochwassergefahr machen und aus einer Rückkehr (aus der Rekordkaltluft) ins schnöde Mittel den ultimativen Super-Frühling ausrufen. Diese Fraktion geifert nach Anerkennung und ist Wasser für die Mühlen der anderen Fraktion. Und so ist das ein Hin und Her und es geht um alles, nur nicht ums Wetter...

Und, wie bei allem in und auf der Welt, geht es um den gesunden Mittelweg, die Ausgeglichenheit. Fakt ist, dass man Wetter nicht für x-beliebig viele Tage vorhersagen kann wie an einem 31. April (ja, das ist ironisch gemeint, es gibt keinen 31. April ;)...) aus der Sicht vom meinetwegen 10. März aussieht. Das wird es auch nie geben.

Es ist aber sehr wohl möglich, dass man aufgrund von Strukturen gewisse Einschätzungen machen kann, wie sich Großwetterlagen verhalten. Darauf beruhen auch viele Bauernregeln. Dass diese angeblich nicht mehr anwendbar seien, weil das Wetter/Klima heute anders sei, ist Käse. Die Bandbreite des Witterungscharakters während der Entstehung der Bauernregeln war viel höher als wir uns das vorstellen können. Zu dieser Zeit war es einerseits viel kälter als jetzt und gleichzeitig auch viel wärmer. Wir nehmen uns in unserer heutigen Zeit zu wichtig.

Kaltphase zieht sich durch März

Zurück zu den Strukturen. Getreu dem Motto nach der Feuerzangenbowle stellen wa uns ma janz dumm: In welcher Klimaepoche befinden wir uns: Modernes Wärmeoptimum = warm. Befinden wir uns in einer Warm- oder Kaltzeit während dieser Epoche? Ha! Da haben wir es!? Ja, wo befinden wir uns? Ich gehe mal zu mehr als 80 Prozent davon aus, dass wir uns im Beginn eines neuen Zyklus befinden, der mit einer kalten Phase losgeht. Diese kalte Phase begann im Februar und zieht sich noch weiter in und durch den März - ungeachtet dessen, dass es jetzt milder werden wird. 

März-Prognose: Statt Frühlingssegen auf winterlichen Wegen
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Vom Sonnenzyklus aus bekommen wir von der Einschätzung grünes Licht!

Das sind doch schon mal wichtige Informationen, die schon so viel verraten, dass eine grobe Richtung möglich ist. Das hat nichts mit frei Erfundenem zu tun, sondern das sind Fakten:

Beginn einer Kaltphase, kurz vor dem Sonnenfleckenminimum = ein Frühjahr, das überdurchschnittlich warm und sonnig und trocken ausfallen wird, erscheint unwahrscheinlich. 

Arctiv Outbreak brachte eisige Dekaden-Rekorden

Gehen wir einen Schritt weiter und schauen uns die Großwetterlagen und deren Entwicklung an: Der Februar hatte auf Hochdruck, Kälte und eine trockene Witterung nach einem nassen, milden und unsonnigen ersten und zweiten Winterdrittel umgestellt. (Wir sprechen am Schluss noch mal kurz über den Sommer, da der Februar da gerne mal Anzeichen gibt.) Schirmherr - oder Schirmhoch ;) - der Großwetterlage ist ein kräftiges Hochdruckgebiet über Skandinavien. Dieses gigantische "Hochdruckmonster" hat den Arctic Outbreak auf die Beine gestellt und die Eiseskälte mit vielen neuen Dekaden-Rekorden ermöglicht. 

Dieser Arctic Outbreak der vergangenen Tage ist damit in der Gesellschaft ähnlicher Großwetterlagen um diese Jahreszeit wie 2005, 1986, 1971 und 1956 - um die jüngsten Jahre zu nennen ;). 1956, 1971 und 1986 fanden während oder am Ende einer Kaltphase statt, 2005 war so auch eher schon drin. Hier passt einfach nur dieselbe Großwetterlage bei den eben genannten Jahren, weniger die große Vorgeschichte. 

Was haben alle Jahre gemein? Kein berauschend warmes Frühjahr und auch nicht gerade einen Super-Sommer, aber einen guten Juli! 

Struktur- Änderung in der Nordhemisphäre hat drastische Folgen

Schaut man sich die Umstellung auf solch ein kräftiges Hoch an und eine dermaßen markante Änderung der Strukturen in der Nordhemisphäre, so hat das weit reichende Folgen. (Ich denke jetzt mal laut: Die USA erleben in den vergangenen Wintern oft massive Kälte und viel Schnee. Unsere Winter waren, bis auf ein paar Ausnahmen in manchen Phasen, (viel) zu mild - ja, es waren sogar zwei Supermildwinter dabei (2013/14 und 2015/16). Der vergangene Winter in den USA war ebenfalls wieder schneereich und rekordkalt und flupp: Schon war fast Sommer mit Wärmerekorden. Erinnern wir uns an kalte Phasen aus den vergangenen Jahrzehnten. Wurden die nicht häufig abrupt auf warm umgestellt? Ein schönes Beispiel sind für mich 2013 oder davor 2006 oder Januar auf Februar 1997. Das hatte jeweils weitreichende Folgen, die die anschließende Witterung über einen langen Zeitraum von der Grundstruktur her prägte.)

Was bedeuten denn diese Folgen?

Auch wenn die aktuelle Kälte den Eishut nimmt und durch das Schwenken den Ostwind anfacht, so ist das, wie ich meine, nur ein temporärer Abschied. Die Kälte wird nicht großflächig vertrieben und verschwindet von der Bildfläche durch einen erneuten Ruck in der Nordhemisphäre. Das große Rad bleibt stehen, aber die kleineren, untergeordneten Räder drehen sich in der nächsten Zeit anders und bringen uns einen Hauch von Frühling, zumindest in der Mitte und im Süden. 

Bei diesem Rad handelt es sich um ein Tief, das westlich von uns liegt und mildere Luft gen Norden drückt. Dank des hohen Sonnenstandes und der kräftigen März-Sonne wird es eben deutlich milder; geschützt, gefühlt in der Sonne auch warm. Die Kälte aber lungert rum. Und sie wird noch einmal in spätwinterlicher Form zurückkehren. Ob das, wie bei manchen Berechnungen ab dem Ende der ersten März-Dekade der Fall ist oder erst später, lassen wir mal offen. Mich würde es nicht wundern, wenn wir immer wieder Rückschläge im März bekommen und dieser am Schluss irgendwo ein Minus von rund ein Grad aufweist - bezogen auf das Mittel der Jahre 1961-90.

Diesjähriger Frühling auf Normalniveau?

In diesem Jahr wird sich ziemlich viel auf "Normalniveau " bewegen und nicht in abgedrehten Wärmephantasien wie in den letzten Jahren und Jahrzehnten. Hier ist sowieso eine unsinnige Erwartungshaltung an die Frühjahrsmonate März, April und Mai gestiegen, bei der man nur noch den Kopf schütteln kann. Der März muss Frühling und 25 Grad bringen, der April 30 Grad und grüne Wälder und wenn es nicht spätestens bis 10. Mai durchgehend sonnig-heißes Hochsommerwetter hat, gehen in den sozialen Netzwerken wieder die Sprüche rum: "Was habt ihr diesen Sommer gemacht? An dem Tag haben wir gegrillt."

Wir hatten solche Jahre, das kommt in den jeweiligen Höhepunkten der Warmzeiten auch vor, ist aber nicht die Regel und in diesem Jahr schon gar nicht.

Auf Kälte-Rückschläge folgt rascher Frühlingsdurchbruch

Also: Wir werden viel normales Wetter in diesem Frühjahr haben mit Rückschlägen bis weit in den April hinein. Meiner Einschätzung nach kommt dann in der 2. April-Dekade mehr oder weniger "über Nacht" eine Phase, in der eine Kombination von Hochdruck und Wärme für den ultimativen Frühlingsdurchbruch sorgen wird und die Natur förmlich explodiert. Danach steht allerdings wieder ein recht wechselhafter Mai an, in dem ebenfalls Rückschläge wahrscheinlicher sein werden als in den vergangenen Jahren - Stichwort Eisheilige. 

Wie das Wetter damit zu Ostern sein wird, kann natürlich kein Mensch sagen. Tendenziell lägen wir aber noch in der durchschnittlichen bis unterdurchschnittlichen Phase und dass es Ende März/Anfang April schneien kann, wissen wir alle.

Frühjahr 2018 bringt unbeständiges Hin und Her 

Wir werden also ein ziemlich durchwachsenes Frühjahr bekommen, das im fortgeschrittenen Alter an den Küsten tendenziell freundlicher sein wird als im Binnenland, speziell im Süden. Das Hoch im Norden wird immer und immer wieder zurück kommen und mal nach Westen schunkeln und eine Nordlage auslösen, dann wieder nach Osten taumeln und wärmere Luft zulassen. 

Aus dem Frühjahr 2018 werden auch sicherlich wieder Hammer-Schlagzeilen gesucht - von brennenden Wäldern bis hin zu Überschwemmungen und/oder Schneechaos. Und natürlich wird der Klimawandel an allem schuld sein, bla, bla, bla. Nein, es wird einfach Wetter sein - ein Wetter, wie es für unsere Breiten normal war und ist. Und wissen Sie, wo das Spektrum der Extreme liegt? Zwischen vereisten Seen bis Ende Mai und der (ersten) Kornernte im April!

NOAA-Langfristmodell sieht durchschnittlichen Frühling

Schauen wir zu guter Vorletzt noch auf das aktuelle NOAA mit dem Mittel aus März, April, Mai und Juni. Sie wissen, ich sage gerne etwas anderes als die Modelle bzw. schätze es selbst ein. 

Aber das NOAA spiegelt so in etwa das wieder, an das ich denke: Ein durchschnittliches Frühjahr mit einem Hang ins Negative. Und auch die Niederschlagssimulation kann ich unterschreiben. 

Bekommen wir einen Hitzesommer 2018?

Zum Schluss noch ein kurzer Blick auf den Sommer. Rein aus statistischer Sicht müssten wir einen Hitzesommer bekommen. Nach einem milden und nassen Winter mit einem kalten, sonnigen und trockenen Februar folgt gerne ein Hitzesommer. Das war so 2015, 2003, 1994, 1983, ... und 1538.

Hier liegt der Casus Knacksus allerdings bei den Großwetterlagen. Solche Kombis aus Sonne, Kälte und Trockenheit können von zwei verschiedenen Großwetterlagen ausgehen: Variante 1: Das Hoch liegt eher über Mitteleuropa und ein einmaliger Kaltluftvorstoß und/oder eine vorhandene Schneedecke sorgt für eine entsprechende Auskühlung oder aber ein Hoch über dem Norden Europas sorgt für einen Kaltlufttransport. Die erste Variante bringt die eben genannten Sommer, die zweite Variante gerne auch mal das Gegenteil. Mit reiner Statistik fahren wir hier gegen die Wand.

Wetterlage aus Variante 2 können allerdings auch einen großen Hitzesommer hervorbringen wie 1947. Da jedoch hielt diese Großwetterlage eine halbe Ewigkeit stand und es gab schon einen eisig-trockenen Winter (Hungerwinter) davor inmitten einer Warmphase.

Sie sehen also: Ziemlich verzwickt das Ganze ;). 

Halten wir fest: Der Sommer 2018 hat, als grobe Tendenz, auch einen eher durchschnittlichen Charakter, wobei er gar nicht mal so schlecht wird. Die Chance auf den schönsten und wärmsten Monat obliegt dem Juli, die Gesäß-Karte tendenziell dem August ab Monatsmitte (nach Mitte der Hundstage). Der Sommer 2018 wird die Gilde rund um die Wüstenluft-Freunde sicherlich nicht zufrieden stellen, gleichzeitig aber die Hitzehasser im Zaum halten und die breite Masse, die es einfach gerne "normal" hat mit 20 bis 30 Grad und mal Regen, mal Badewetter durchaus zufrieden stellen. 

Recht machen kann man es eh niemandem - schönen Start in den meteorologischen Frühling :).

P.S.: Vor Ostern will ich NICHTS hören in Sachen Sommerreifen!

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