Grundwasserspiegel auf Rekord-Tief: Diese Probleme drohen

Di 07.02.17 | 11:25 Uhr - Paul Heger
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Grundwasserspiegel auf Rekord-Tief: Diese Probleme drohen
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Ein sinkender Grundwasserspiegel hat nicht nur für die Pflanzenwelt gravierende Folgen.

Seit Monaten herrscht in Deutschland ein Mangel an Regen. Diese Trockenheit führt nun dazu, dass der Grundwasserspiegel immer weiter sinkt - mit problematischen Auswirkungen.

Viel Regen ist in den letzten Wochen und auch Monaten nicht vom Himmel gefallen. Und wo Niederschlag ausbleibt, herrscht früher oder später Trockenheit. Diese kritische Situation lässt sich am Grundwasser messen. Der Grundwasserspiegel ist derzeit so niedrig wie seit 30 Jahren nicht mehr - und das in einer Zeit, wo eigentlich die Reserven für den Sommer angelegt werden. Dieser Wassermangel kann große Probleme mit sich bringen.

Trockenheit als Resultat der letzten Monate

Denkt man zurück an die letzten Monate, so sind nur wenige Tage in Erinnerung, an denen es intensiv oder länger geregnet hat. Schon in den letzten zwei Jahren sind die meisten Monate deutschlandweit zu trocken ausgefallen. Der vergangene Dezember 2016 war sogar der trockenste seit 1963 - also seit 53 Jahren.

Abgesehen von niedrigen Pegelständen an Elbe, Rhein und Co. und den daraus resultierenden Problemen in der Schifffahrt, sinkt auch der Grundwasserspiegel in solchen Trockenphasen ab. Die Relevanz dieses Wasservorkommens sollte nicht unterschätzt werden.

Grundwasser ist lebensnotwendig

Das Grundwasser ist nicht nur für die Fauna, also die Pflanzenwelt sehr wichtig. Wir Menschen könnten ohne unser Grundwasser nur schwer existieren. In Deutschland werden beispielsweise mehr als 70 Prozent des Trinkwasserbedarfs durch Grundwasser gedeckt. Pro Kopf verbrauchen wir weit über 100 Liter am Tag. 

Gleichzeitig ist Grundwasser eine der wichtigsten Ressourcen für die Industrie. Denn das Grundwasser wird zur Kühlung genutzt und ist nicht zuletzt die Grundlage für unsere Nahrungsmittel.

Sinkender Grundwasserspiegel als Gefahr

Besonders die Natur leidet unter dem fallenden Grundwasserspiegel. Moore und Feuchtgebiete trocknen aus, Wälder sterben ab und die Ackerwirtschaft wird erheblich erschwert.

Aber auch uns Verbraucher trifft ein schrumpfendes Grundwasservolumen, da das Trinkwasser teurer werden kann und Brunnen versiegen können. Gerade Hausbesitzer, die mit ihren Brunnen die Gärten versorgen oder einen Teil in die Nutzwassersysteme einleiten, könnten in absehbarer Zeit auf dem Trockenen sitzen.

Ein weiteres Problem: Ist weniger Grundwasser vorhanden, steigt die Konzentration von Schadstoffen stark an. Es ist eine einfache Rechnung: Gleiche Schadstoffmenge, aber weniger Wasser. Somit hätten wir nicht nur weniger, sondern gleichzeitig auch ungesünderes Wasser zur Verfügung.

Aktuelle Trockenheit besonders kritisch

In den Wintermonaten wird in unseren Breiten der Wasserspeicher aufgefüllt. Große Extremniederschläge im Sommer fließen hauptsächlich oberirdisch ab und aufgrund der höheren Temperaturen verdunstet auch sehr viel Wasser. Im Winter ist die Verdunstung deutlich geringer und die Niederschläge sind gleichmäßiger. Der klassische "Landregen" sorgt dafür, dass der Boden langsam durchfeuchtet wird und das Wasser Stück für Stück versickern kann und nicht oberirdisch abließen muss.

Diese Regenfälle füllen im Winter normalerweise den "Wasser-Akku" auf und stehen als Rückhalt für die trockenen und warmen Monate von Mai bis August zur Verfügung. Fehlt dieser Speicher, so wie das in einigen Regionen (besonders in Baden-Württemberg) aktuell der Fall ist, kann ab den Frühlingsmonaten eine Dürre aufkommen. Ernteeinbußen oder sogar Ernteausfälle und Schäden an Kulturpflanzen sowie der restlichen Pflanzenwelt wären die Folge.

Das lange Gedächtnis des Grundwassers

Wenn der Grundwasserspiegel über viele Monate, teilweise über Jahre hinweg gesunken ist, können einmalige Regenereignisse diesen Speicher nicht wieder auffüllen. Eine Trockenperiode zieht sich meist monatelang durch die Messreihen. Gerade deswegen sind trockene Winter für das Frühjahr und den Sommer so gefährlich.

Brenzlig wird die Situation, wenn gleich mehrere Monate in Folge trocken verlaufen. Im Fall von Baden-Württemberg wird von den zuständigen Behörden (LUBW) davon ausgegangen, dass auch im Februar 2017 die Situation angespannt bleibt. Eine andauernde Niedrigwasser-Phase in den kommenden Monaten ist möglich.

Hat der Klimawandel einen Einfluss auf das Grundwasser?

Berechnungen der zukünftigen Niederschlagsmengen in Deutschland zeigen, dass zumindest im Westen Deutschlands keine größere Gefahr besteht, dass die Grundwasserspiegel nachhaltig sinken oder auf einem derart niedrigen Niveau verharren. Gleichzeitig muss jedoch auch untersucht werden, ob das berechnete Ansteigen der Niederschlagsmengen im Zusammenhang mit den bereits erwähnten Starkregenereignissen steht, bei denen fast das gesamte Wasser oberirdisch abfließt, oder ob es sich um gleichmäßigere Regenfälle handelt, die zur Grundwasserneugewinnung dienen.

Deutlich kritischer ist die Lage hingegen im Osten Deutschlands. Hier wird laut GeoForschungsZentrum Potsdam seit über 30, stellenweise 40 Jahren ein sinkender Grundwasserspiegel beobachtet - und das ließe sich auch in der Natur wiedererkennen. So hätten sich aufgrund sinkender Pegel Strandstreifen an Seen verbreitert und Steganlagen würden das Wasser immer höher überragen, so das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Äcker müssen zunehmend bewässert werden, Erträge sinken, Waldbrände werden häufiger.

Wie schwerwiegend die Grundwasserproblematik in den kommenden Monaten und Jahren ausfallen wird, wird sich zeigen. Klar ist jedoch: Das Thema Grundwasser wird immer wichtiger.

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