Mehrwegbecher für Kaffee to go – Fluch oder Segen?

- Redaktion
Mehrwegbecher für Kaffee to go – Fluch oder Segen?
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Kaffee in einem Einwegbecher: Eine Sünde für Umwelt und Klima.

Der Mehrwegbecher für Heißgetränke to go soll langsam aber sicher den Einwegbecher aus Umweltgründen ersetzen. Ein Schritt in die richtige Richtung, jedoch auch nicht das Wahre…

Kaufen, austrinken, wegwerfen: Der schnelle Kaffee auf die Hand ist aus dem Stadtleben gar nicht mehr wegzudenken. Er ist aber auch ein Problem, wenn er aus den üblichen Pappbechern mit Plastik-Beschichtung getrunken wird, im schlimmsten Fall auch noch mit Plastikdeckel.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze will daher die Hersteller von Einwegbechern zur Kasse bitten und den Handel dazu bringen, Mehrweg-Alternativen zum Standard zu machen. 

Zu viele Einwegbecher in Deutschland

Laut einer Studie des Umweltbundesamts (UBA) kamen im Jahr 2016 2,8 Milliarden Einwegbecher für Heißgetränke in den Umlauf, somit 34 pro Kopf und Jahr, dazu 1,3 Milliarden Plastikdeckel. 60 Prozent der Becher waren aus beschichteter Pappe, 40 Prozent aus Plastik, etwa aus Getränkeautomaten. So entstanden 28.000 Tonnen Abfall.

Und der nimmt viel Platz ein: Die Becher füllten rechnerisch acht Millionen Mal einen typischen öffentlichen Mülleimer, der 50 Liter fasst. Das UBA empfiehlt als Ziel, binnen zwei bis drei Jahren die Zahl der Becher um die Hälfte zu drücken.

Einweg ist umweltschädlich und verursacht Müll

Das Problem: Die meisten Becher landen "über kurz oder lang" in einer "Verwertung", schreibt das UBA. Aber viele müssen erst von der Straße und aus Parks eingesammelt werden, was sehr kostspielig ist. Zudem sind sie kaum recycelbar, wie Abfall-Experte Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) erklärt, denn sie müssen verbrannt werden.

Zusätzlich werden Ressourcen wie Holz und Erdöl eingesetzt, aber nur sehr kurz verwendet; 10 bis 15 Minuten, das war's. Die Herstellung braucht zusätzlich Energie und Wasser, Chemikalien kommen auch zum Einsatz.

Mehrwegbecher als umweltfreundliche Alternative?

Viele Cafés befüllen mitgebrachte Becher, manchmal ist der Kaffee dann sogar etwas billiger. Für Kunden komfortabler sind Mehrwegbecher, die sie vor Ort gegen Pfand bekommen und entweder im gleichen Café oder - noch einfacher - in einem anderen Geschäft zurückgeben, wenn eine Kooperation besteht. 

Ist Mehrweg aber wirklich immer ökologischer? Ein paar Bedingungen müssen da laut UBA schon erfüllt sein. So soll man den Becher mindestens 10 Mal, am besten öfter, verwenden, damit er wirklich ökologisch ist. Für den Klimaschutz sollten es sogar mehr als 50 Mal sein. Doch benutzt Du einen Mehrwegbecher wirklich 50 Mal?

Zudem dürfen sie keinen Einweg-Deckel haben, denn das würde die Bilanz zerstören. Nicht zu vernachlässigen ist auch die Reinigung des Bechers, falls man ihn nicht per Hand säubert.

Im Umkehrschluss bedeutet das: Wenn man einen Mehrwegbecher nur wenige Male benutzt und zudem immer in die Spülmaschine packt, agiert man alles andere als umweltfreundlich! Besser als das ständige Benutzen von Einwegbechern ist es jedoch allemal.

Mehrwegbecher sollen zum Standard werden

Um den Wechsel von Einweg- zu Mehrwegbechern zu schaffen, will Umweltministerin Schulze bei den Herstellern ansetzen. Sie sollen sich nämlich an den anfallenden Müllkosten beteiligen, was die Becher teurer machen soll.

Zudem strebt sie eine Vereinbarung mit der Gastrobranche an, Mehrweg zum Standard zu machen und Einweg zur Ausnahme. Wenn das nicht klappe, müsse man über andere Maßnahmen nachdenken. Verboten werden sollen nur Becher aus aufgeschäumtem Plastik. Das schreibt eine EU-Richtlinie von 2021 an vor.

Nicht nur solche Becher werden nach dieser Richtlinie ab 2021 verboten. Welche Produkte noch betroffen sind und wie Du sie ersetzen kannst, zeigt Dir dieses Video:

Das EU-Parlament hat ein Verbot von Einweg-Plastikprodukten beschlossen.
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Das Umweltbundesamt hat auf Basis seiner Studie weitere Empfehlungen erarbeitet. Dazu gehören etwa der Fonds zur Abfall-Beseitigung, aber auch, dass es Deckel nur auf Nachfrage geben sollte, Einweg-Becher deutlich teurer sein sollten und das Mehrweg-Pfand nicht zu niedrig, damit die Leute ihre Becher auch zurückbringen.

Lieber Kaffee in der Tasse 

Ob man diese Richtlinien wirklich durchsetzen kann, bleibt fraglich. Zunächst können aber vor allem die Kaffeetrinker selbst dazu beitragen, dass weniger Becher im Müll landen. Eine gute Möglichkeit ist es daher, den Kaffee aus einer ganz normalen Tasse zu trinken und sich dabei in ein Café zu setzen, anstatt ihn "to go" zu konsumieren. Denn so gönnt man sich auf der einen Seite eine kurze Pause im stressigen Alltag und auf der anderen Seite schmeckt der Kaffee umso besser, wenn man ihn nicht im "vorbeigehen" genießt. Und die Umwelt freut sich auch darüber!

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