Glätte und Schnee in Deutschland: Unfälle, lange Staus und Zugausfälle am Dienstag und Mittwoch
Das Winterwetter in Deutschland hat Autofahrer und Fußgänger einmal mehr auf eine Geduldsprobe gestellt. Auch am Dienstag und Mittwoch gab es viele Unfälle sowie Ausfälle bei der Bahn und im Schulunterricht. Ein Überblick.
Schnee und spiegelglatte Straßen haben am Dienstag und Mittwochmorgen in mehreren Bundesländern zu Unfällen und langen Staus geführt. Mitunter saßen Autofahrer stundenlang fest. Es gab mindestens einen Toten und viele Verletzte. Meist blieb es aber bei Blechschäden. Über Stunden galten zum Beispiel für Regionen rund um Bremen Unwetterwarnungen.
Frontalzusammenstoß! Tödlicher Unfall bei Fulda
In Osthessen starb auf schneeglatter Straße ein Mann. Laut Polizei geriet bei Fulda ein 70 Jahre alter Fahrer eines Sattelzugs nach links in die Gegenfahrspur und stieß mit seinem Fahrzeug frontal gegen einen entgegenkommenden Kastenwagen. Bei der Kollision am Dienstag wurde der 51-jährige Fahrer des Kastenwagens so schwer verletzt, dass er noch an der Unfallstelle starb.
Menschen verbringen Stunden im Stau
Viele Unfälle meldete die Polizei zum Beispiel in Baden-Württemberg in der Region Heilbronn, in Thüringen und in Niedersachsen - dort auf der Autobahn 7. Größere Probleme gab es auch in Hessen. Aber nach dem Verkehrschaos am Dienstagabend entspannte die Lage am Mittwochmorgen allmählich. "Es hat sich deutlich beruhigt", sagte eine Sprecherin der Polizei Mittelhessen.
In der Nacht hatten sich immer wieder Lastwagen im Schnee festgefahren, wie ein Polizeisprecher berichtete. Manche Autofahrer standen Stunden im Stau. Auf der A3 hatte es einen 30 Kilometer langen Stau gegeben. Das "Problemkind" war vor allem die B49, wie ein Sprecher sagte.
Mehrere Lastwagen standen dort quer auf der Fahrbahn. Unter den Wartenden war auch der Bürgermeister der Stadt Weilburg, Johannes Hanisch. Er sei auf dem Weg zu einem Termin gewesen und stehe seit nunmehr sieben Stunden, sagte er in einem Video auf Instagram. Und später postete er: "Nach zehn Stunden ist die Straße endlich wieder frei."
Feuerwehrfahrzeug verunglückt - zehn Verletzte
Bei vielen Unfällen war nicht sofort klar, ob das Wetter Ursache dafür war - zum Beispiel in Halle an der Saale. Dort verunglückte ein Feuerwehrfahrzeug bei einer Einsatzfahrt. Es stieß laut Polizei auf einer Kreuzung mit einem Auto zusammen. Das Winterwetter könne Teil der Erklärung sein, sagte eine Sprecherin der Polizei.
Das Feuerwehrauto war laut Polizei mit Blaulicht zu einem Einsatz unterwegs. Acht Einsatzkräfte wurden leicht verletzt. Auch der 82-jährige Fahrer des Autos erlitt leichte Verletzungen. Sein ein Jahr jüngerer Beifahrer wurde in dem Wagen eingeklemmt und schwer
verletzt in ein Krankenhaus gebracht. Der Sachschaden wird aktuell auf 60.000 Euro geschätzt.
110 Glätteunfälle im Nordwesten Deutschlands
Die Glätte am Mittwochmorgen machte besonders auch Auto- und Lastwagenfahrern zwischen dem Teutoburger Wald und der ostfriesischen Küste zu schaffen. In der Region kam es im Berufsverkehr zu 110 Unfällen, wie die Polizeidirektion Osnabrück mitteilte. Dabei wurden acht Menschen verletzt, ein Autofahrer schwebt nach einem Zusammenstoß auf der Autobahn 31 im Landkreis Leer in Lebensgefahr.
Allein in der Region Osnabrück registrierten die Beamten 45 Unfälle, ebenso oft kam es zu Unfällen in den Landkreisen Emsland und Grafschaft Bentheim. Im Bereich Leer und Emden meldete die Polizei 13 Unfälle, im Bereich Aurich und Wittmund sieben. Die Müllabfuhr in Osnabrück stellte am Mittwoch ihren Betrieb komplett ein.
Im Raum Bielefeld kam es ebenfalls zu mehreren glättebedingten Unfällen, es blieb jedoch bei Blechschäden ohne Verletzte, wie die Polizei mitteilte.
Winterdienst im Dauereinsatz
Der Winterdienst war in vielen Regionen im Dauereinsatz. In Hamburg seien seit 3 Uhr 728 Einsatzkräfte mit mehr als 360 Fahrzeugen unterwegs, teilte die Stadtreinigung mit. Dabei sollen unter anderem wichtige Hauptverkehrsstraßen und Strecken mit Buslinienverkehr, ein ausgewähltes Radwegenetz und Bushaltestellen gestreut und perspektivisch geräumt werden.
Kein Unterricht an Schulen - Zahlreiche Ausfälle bei der Bahn
In mehreren Bundesländern fiel der Präsenzunterricht an Schulen aus - so in Teilen Hessens, Niedersachsens sowie in Bremen.
Bei der Deutschen Bahn gab es am Morgen zahlreiche Ausfälle. Wie die Bahn online mitteilte, fällt unter anderem der ICE-Sprinter zwischen Berlin und Bonn (über Hannover und Köln) aus. Gleiches gilt für die ICE-Linie von Berlin über Braunschweig und Frankfurt nach Karlsruhe. Die ICE-Linien Berlin - Hannover - Münster - Dortmund - Köln - Aachen sowie Berlin - Hannover - Bremen - Oldenburg fallen demnach zwischen Berlin und Hannover aus.
In Niedersachsen mussten sich Autofahrer wegen eines Warnstreiks im öffentlichen Dienst auf Umwege und schlecht geräumte Straßen einstellen. Weil die Gewerkschaft Verdi auch bei Straßenmeistereien zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen hat, sei mit Einschränkungen im Winterdienst zu rechnen. "Wir raten dazu, witterungsangepasst zu fahren und mehr Zeit für die Wege zur Arbeit einzuplanen", sagte ein Sprecher der Gewerkschaft Verdi. Vereinbart wurde aber ein Notdienst, damit die wichtigsten Straßen befahrbar blieben.
Solltest du in Niedersachsen mit Bus oder Regionalbahn unterwegs sein, brauchst du auch wegen des Winterwetters Geduld. Fahrgäste müssen mit Verzögerungen oder Ausfällen im Linienverkehr rechnen, wie mehrere Busunternehmen mitteilten. Auch im Regionalverkehr bereiten Schnee und Glätte auf vereinzelten Strecken Probleme.
Experten: Bei Glätte kleine Schritte machen
Wer zu Fuß unterwegs ist, könne sich ein Beispiel an Pinguinen nehmen und kleine, langsame Schritte machen, wie die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie empfiehlt. Gut sei, den Fuß dabei möglichst flach aufzusetzen statt ihn abzurollen.
Laut Deutschem Wetterdienst soll sich die Lage im Laufe des Tages entspannen. Bis zum Mittag sei aber vor allem von Nordhessen bis ins Emsland und zur Nordsee mit gefrierendem Regen zu rechnen. In der Nacht zum Donnerstag drohe vom Erzgebirge bis in die Niederlausitz erhöhte Glatteisgefahr durch gefrierenden Regen.