Europa kämpft gegen Waldbrände: Die aktuelle Lage nach Ländern

- Michelle Cacija - Volontärin Digital Newsroom  - Quelle: dpa/von der Redaktion bearbeitet
Extreme Waldbrände & Dürre in Südeuropa: Auch bei uns möglich?
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Extreme Hitze und anhaltende Trockenheit verschärfen die Waldbrandlage in Europa. Unser Überblick zeigt die aktuelle Lage in verschiedenen Ländern und welche weiteren gefährdet oder anfällig sind.

Europa erwärmt sich seit den 1980er-Jahren etwa doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt - es ist der Kontinent mit der stärksten Erwärmungsrate weltweit. Das bleibt nicht ohne Folgen. Hitze, Trockenheit und starker Wind treiben die Waldbrände in Europa weiter an. Besonders Frankreich, Italien und Spanien sind aktuell von zahlreichen Bränden betroffen.

Inzwischen hat die angespannte Lage auch Deutschland erreicht: In einigen Regionen sind bereits Feuer ausgebrochen, während ausgetrocknete Böden und Vegetation die Gefahr weiter erhöhen.

Mehrere Teile Frankreichs in Flammen

Frankreich kämpft weiterhin an mehreren Fronten gegen schwere Waldbrände. Nach Angaben des Pariser Innenministeriums wurden landesweit bereits 116.085 Hektar Fläche zerstört. Besonders angespannt bleibt die Lage im Südwesten des Landes.

Seit Ausbruch der Brände mussten an der französischen Atlantikküste mehr als 224.000 Menschen, darunter zahlreiche Tourist:innen, in Sicherheit gebracht werden. Zeitweise näherten sich die Flammen der Großstadt Bordeaux bis auf etwa 15 Kilometer. Immerhin konnten mittlerweile 160.000 der Evakuierten wieder in ihre Häuser zurückkehren. 

Mehr dazu: Waldbrand bedroht Metropole: Zehntausende Menschen in Bordeaux evakuiert

An der Atlantikküste bei Bordeaux, wo die bislang massivsten Brände der Saison in Frankreich auf einer Fläche von 42.000 Hektar gewütet hatten, konnte die Feuerwehr ein erneutes Ausbreiten des Brandes mit einem Großaufgebot verhindern.

Ab Samstag (1. August) soll auch das rund 160 Kilometer lange Eisenbahnnetz südlich von Bordeaux wieder in Betrieb gehen. Die Strecke war zwischenzeitlich gesperrt worden, um sie auf mögliche Schäden zu überprüfen.

Unsere HD Live Webcam Bordeaux zeigt die Lage vor Ort

Brände entfachen sich von neu

In mehreren Regionen Frankreichs entfachen sich immer wieder neue Brände. Auch im südfranzösischen Département Var nahe der Kleinstadt Brignoles flammte ein Feuer wieder auf. Inzwischen ist der Brand unter Kontrolle, dennoch sind rund 1.500 Feuerwehrleute weiterhin im Einsatz, um die zahlreichen Glut- und Brandherde zu bekämpfen.

Ein erneutes Feuer wurde auch aus dem Wald von Fontainebleau südlich von Paris gemeldet. Und auch die Halbinsel Cap Ferret und Flächen südlich des Ortes Lacanau sind noch von aktiven Brandherden betroffen.

Ein größerer Brand brach zudem im Burgund in Couchey in der Nähe der Großstadt Dijon aus. Wegen des gesundheitsgefährdenden Rauchs wurde die Bevölkerung aufgerufen, sich  möglichst nicht draußen aufzuhalten und Türen und Fenster geschlossen zu halten. 

Ein großflächiger Waldbrand breitet sich an den bewaldeten Hängen zwischen Couchey und Marsannay-la-Côte nahe der französischen Stadt Dijon aus (picture alliance / SIPA | KONRAD K.).

Regen erleichtert Feuerwehr im Brandgebiet am Atlantik 

Regenfälle über dem Waldbrandgebiet an der französischen Atlantikküste haben am Donnerstagmorgen (30. Juli) für Erleichterung bei der Feuerwehr gesorgt. "Wir hoffen auf Regenschauer den ganzen Vormittag über", sagte der regionale Feuerwehrkommandant Matthieu Jomain, wie die Zeitung "Sud-Ouest" berichtete. 

"Die Bedingungen mit einer Luftfeuchtigkeit von 80 Prozent heute Vormittag sind ideal, damit wir unsere Nachlöscharbeiten und das Ablöschen verbliebener Glutnester effizient fortsetzen können." Auch die Feuerwehrleute an ihren Einsatzstützpunkten reagierten erfreut auf den Regen.

Die aktuelle Wetterlage für Frankreich:

Waldbrände in Italien weiten sich aus

Auch Italien bleibt von der anhaltenden Hitze und den Waldbränden nicht verschont. Besonders betroffen sind die beiden größten Inseln des Landes: Sizilien und Sardinien.


Eine Drohnenaufnahme zeigt die Schäden eines Waldbrandes bei Castronovo di Sicilia auf Sizilien (picture alliance / REUTERS | DANILO ARNONE).

Auf Sizilien wurde der Waldbrand nach Angaben der Rettungsdienste durch den heißen Wüstenwind Scirocco angefacht. In der Gemeinde Santo Stefano im Hinterland der Inselhauptstadt Palermo mussten am Mittwoch (22. Juli) mehr als 100 Menschen in Sicherheit gebracht werden, nachdem sich die Flammen der Ortschaft gefährlich genähert hatten. In Palermo kam es in derselben Nacht zudem mehrfach zu Stromausfällen.

Die aktuelle Wetterlage für Italien: 

Die Lage in Spanien bessert sich

Nachdem Spanien am Freitag (24. Juli) wegen der verheerenden Waldbrände den Notstand für den Großraum Madrid sowie eine weitere Region ausgerufen hatte, entspannt sich die Lage rund um die Hauptstadt und die Regionen Ávila und Toledo  inzwischen. Die Evakuierungen und Ausgangsbeschränkungen werden nach und nach aufgehoben. 

Auch der große Waldbrand in der Provinz Castellón im Osten des Landes im Gebiet Vall d'Uixó nördlich von Valencia breitet sich nach Behördenangaben nicht weiter aus. Im Zuge der Entspannung bei den verheerenden Waldbränden rund um Madrid hat Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez den nationalen Notstand aufgehoben. 

Trotz der Fortschritte in einigen Regionen hält die außergewöhnlich schwere Waldbrandsaison Spanien weiter in Atem. Nach Daten des europäischen Erdbeobachtungsprogramms Copernicus sind seit Jahresbeginn landesweit bereits rund 125.000 Hektar verbrannt.


Feuerwehrleute bekämpfen den Waldbrand nahe Madrid (picture alliance / ZUMAPRESS.com | Tomas Calle).

Allerdings sind drei neue Waldbrände in Spanien aktiv. Die Feuer seien im Nordwesten des Landes in der Provinz León ausgebrochen, berichtete das staatliche Fernsehen TVE. Rund 300 Bewohner:innen aus der Umgebung der Ortschaft San Cipriano hätten ihre Häuser verlassen müssen. Sie seien vorübergehend in Schulen und Turnhallen untergebracht worden.

Rund 180 Kilometer südwestlich war zuvor bereits ein weiterer Brand in einem Naturpark in der Provinz Zamora nahe der Grenze zu Portugal ausgebrochen. Wegen erheblicher Risiken für die Anwohner:innen wurden bis Donnerstagmorgen (30. Juli) 12 Ortschaften sowie ein Campingplatz geräumt, meldete der Rundfunk. Rund 1.000 Menschen seien betroffen. 

Auch zwölf Ortschaften rund um die Gemeinde Fermoselle innerhalb des Parque Nacional Arribes del Duero sind evakuiert worden, teilte die Regionalregierung der Gemeinschaft Kastilien und León mit. Rund 950 Menschen wurden in Sicherheit gebracht.

Die aktuelle Wetterlage für Spanien: 

34 Feuer wüten in Portugal

Auch in Portugal kämpfen die Einsatzkräfte gegen zahlreiche Waldbrände. Am Dienstagvormittag (28. Juli) waren landesweit 34 Feuer aktiv, die momentan noch deutlich kleiner ausfallen als im benachbarten Spanien. 

Großbrand nordwestlich von Athen

Rund 60 Kilometer nordwestlich von Athen wütet ein großer Waldbrand. Nach Angaben der Behörden breiten sich die Flammen entlang einer mehrere Kilometer langen Front aus. Im Gebiet Agios Vasileios mussten Hunderte Menschen mit Booten in Sicherheit gebracht werden, nachdem sie von den Flammen eingeschlossen worden waren.

Ein weiterer Waldbrand wütet auf der Halbinsel Peloponnes nahe Porto Heli. Auch dort wurden nach Angaben des griechischen Rundfunks ERT mehrere Menschen aus verschiedenen Dörfern evakuiert.

Großer Waldbrand auf Kreta unter Kontrolle

Der große Waldbrand im Süden der griechischen Insel Kreta hat sich in den letzten Stunden etwas entspannt. Orkanartige Winde erschwerten zuletzt die Löscharbeiten erheblich und verhinderten den Einsatz von Löschflugzeugen und Hubschraubern. Mehrere Ortschaften wurden vorsorglich evakuiert. Aus dem Küstenort Agia Galini wurden nach Angaben der Behörden rund 8.000 Menschen in Sicherheit gebracht, welche mittlerweile wieder zurückkehren können.

Am Mittwoch (29. Juli) waren in Griechenland drei Feuerwehrleute ums Leben gekommen. Zwei davon starben auf Kreta. Sie wurden von den Flammen umzingelt, wie die Feuerwehr mitteilte. Ein weiterer Feuerwehrmann starb auf der Halbinsel Peloponnes. Er sei jedoch allen Anzeichen nach unabhängig vom dortigen Feuer gestorben.

In anderen Regionen ist die Situation nach Angaben der Behörden besser. Im Osten Kretas bei Sitia konnte ein großer Brand unter Kontrolle gebracht werden. Auch die Situation auf Andros und Kalymnos hat sich mittlerweile gebessert.

Griechische Insel Paros atmet auf

Der Waldbrand auf der griechischen Urlaubsinsel konnte inzwischen unter Kontrolle gebracht werden. Zuvor hatten Einsatzkräfte die Nacht von Dienstag (27. Juli) auf Mittwoch (28. Juli) gegen die Flammen gekämpft. Mehrere Ortschaften waren aus Sicherheitsgründen vorsorglich evakuiert worden.

Vollständige Entwarnung gibt es jedoch vorerst nicht. Wegen der anhaltend starken Winde besteht weiterhin die Gefahr, dass sich verbliebene Glutnester erneut entzünden. 

Winde erschweren Löscharbeiten bei Waldbränden in Türkei 

Auch die Einsatzkräfte in der Türkei hatten es in den letzten Tagen und Wochen mit vielen Bränden zu tun - teilweise bis zu 300. Mittlerweile seien laut Forstminister Ibrahim Yumakli alle vollständig unter Kontrolle. 

Ein Waldbrand in der südwesttürkischen Provinz Muğla an der Ägäis hatte die Evakuierung eines Krankenhauses und mehrerer Wohngebiete ausgelöst. 202 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Die starke Rauchentwicklung zwang die Behörden außerdem dazu, zeitweise die Straße zwischen Fethiye und Antalya für den zivilen Verkehr zu sperren. 

Einsatzkräfte bekämpfen einen Waldbrand in der türkischen Provinz Muğla (picture alliance / Anadolu | Fatih Hepokur).

Den aktuellsten Stand zu den Bränden in Südeuropa findet ihr in unserem neuen Artikel: 

Waldbrände in Südeuropa: Feuer wütet bei Athen - Entspannung in Spanien und Frankreich

Selbst der Norden bleibt nicht verschohnt

In der englischen Grafschaft Suffolk kämpfen seit Donnerstag (30. Juli) derzeit mehr als 100 Feuerwehrleute gegen einen Waldbrand in der Nähe eines Kernkraftwerks. Die örtliche Feuerwehr stuft den Brand inzwischen als ein Großereignis ein.

Betroffen ist mittlerweile eine Fläche von etwa 100 Hektar. Anwohner:innen und ein Ferienpark mussten aufgrund des Brandes evakuiert werden. Zudem kam es in einigen Haushalten zu Stromausfällen. 

Deutschland ebenfalls von Waldbränden betroffen

Durch das heiße und trockene Wetter kämpft auch Deutschland gegen Waldbrände. So waren Feuerwehr und Polizei stundenlang gegen die Flammen bei Hainburg im Einsatz. Nach Schätzung der Polizei wurden bei dem Brand rund 2,5 Hektar Wald zerstört. In Sondershausen fing zudem am Mittwochabend (29. Juli) ein Stoppelfeld Feuer - 200 Quadratmeter standen zweitweise unter Flammen.

In den Chiemgauer Alpen brennt nahe der Lackenbergwand bei Unterwössen der Bergwald. Derzeit läuft ein Großeinsatz im schwer zugänglichen Gipfelbereich der Hochwand, wie der Kreisfeuerwehrverband Traunstein mitteilte. 

Mehr zu den bestehenden Bränden und zum aktuellen Waldbrandrisiko in Deutschland kannst du im Artikel "So hoch ist das Waldbrandrisiko in Deutschland" nachlesen. 

Übrigens: Wie du dich bei einem Waldbrand richtig verhältst, zeigen wir dir in diesem Video: 

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