"Sehr starkes" El-Niño-Ereignis voraus? - NOAA bestätigt: Klimaphänomen ist zurück

- Maria Baur - Junior Digital Editor, Redakteurin - Quelle: wetter.com / NOAA / WMO / dpa
"Sehr starkes" El-Niño-Ereignis voraus? - NOAA bestätigt: Klimaphänomen ist zurück
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El Niño kann große Dürrephasen bringen.

El Niño wird 2026 zurückkehren, wie die US-Wetterbehörde NOAA mitteilte. El Niño verschärft die Auswirkungen des menschengemachten Klimawandels mit dramatischen Folgen.

Das Klimaphänomen El Niño lässt das Wetter etwa alle zwei bis sieben Jahre auf der ganzen Welt verrücktspielen, verheerende Hitze, Starkregen und heftige Wirbelstürme inklusive. Auch in Deutschland hat El Niño bereits seine Spuren hinterlassen, denn in der Vergangenheit gingen starke Ereignisse mit außergewöhnlichen Hitzeperioden einher. Mit der fortschreitenden Klimaerwärmung steigt die Wahrscheinlichkeit solcher Extreme immer weiter.

Stehen wir also vor einer Zukunft, in der der Ausnahmezustand zur neuen Normalität wird? Und was bedeutet das konkret für das Jahr 2026? Wir blicken mit unserem wetter.com-Meteorologen Hartmut Mühlbauer auf die aktuelle Lage. 

Was ist El Niño?

El Niño ist streng genommen gar kein reines Wetter-, sondern zunächst ein Wasserphänomen. Schon vor Jahrhunderten stellten Fischer vor Peru fest, dass sich das Meer in unregelmäßigen Abständen erwärmt und die Fischbestände zurückgehen. Sie nannten dieses Phänomen El Niño, oder auch "der Junge". Der Name ist eine Anspielung auf das Christkind, da das Phänomen häufig um die Weihnachtszeit auftrat. Als Gegenspieler gibt es noch seine kalte Schwester La Niña.

Unser wetter.com-Meteorologe Hartmut Mühlbauer erklärt: "Im Grunde ist El Niño und auch La Niña gar kein Wetterphänomen, sondern ein Wasserphänomen." Dieses beeinflusst jedoch die Atmosphäre so stark, dass es sich letztlich auch im Wettergeschehen bemerkbar macht.

Im Normalzustand zirkuliert im Südpazifik relativ beständig kaltes Wasser aus der Antarktis entlang der Westküste Südamerikas nach Norden und dann am Äquator in Richtung Indonesien und Australien. Bei El Niño kehrt sich dieses System jedoch um. Statt kaltem Wasser strömt dann warmes Wasser vom westlichen Pazifik in Richtung Südamerika, wie in der Grafik zu sehen ist. "Da ändert sich eben alles", so der Experte.

Die Grafik zeigt die Auswirkungen von El Nino.

Die Folge: Vor den Küsten von Peru und Chile wird das Wasser deutlich wärmer, Fischbestände gehen radikal zurück, und auch die Wetterlagen verschieben sich. Mühlbauer verdeutlicht: "Mit dieser Strömung ziehen natürlich auch Tiefdruckgebiete in die andere Richtung, also in Richtung Peru, Chile und Ecuador. Diese sorgen für sehr viel Regen in den sonst sehr trockenen Regionen. Teilweise werden ganze Orte weggeschwemmt."

El Niño führte im Jahr 2017 dazu, dass schlammige Flüsse entlang der peruanischen Küste über die Ufer traten. (Bild: picture alliance / AA | Sebastian Castaneda)

Welche extremen El-Niño-Ereignisse gab es in der Vergangenheit?

Mühlbauer schildert, dass zwischen den Jahren 2015/2016 "der stärkste El Niño der letzten Zeit" war, zu dem tausende Menschen ihr Leben verloren. "Da gab es weltweit wirklich große Schäden: Dürrekatastrophen und heftige Niederschläge, wo es sonst nie regnet." Er erläutert weiter, dass es zum Beispiel in Ostafrika auch Hungersnöte gegeben hat.

Äthiopien erlebte 2015 eine der schlimmsten Dürren seit Jahrzehnten. (Bild: picture alliance / ZUMAPRESS.com | Tesfaye)

Welche Auswirkungen hat El Niño für Deutschland?

Bei uns in Deutschland können die Auswirkungen von El Niño Ereignissen oft erst Monate später ankommen. Hartmut Mühlbauer erinnert sich an den letzten starken El Niño: "Wir hatten bei diesem 2015/2016 El Niño in Deutschland auch eine Hitzewelle, wie wir sie jetzt selten hatten. Natürlich wird es durch die Klimaerwärmung immer wärmer. Deswegen werden die Hitzewellen auch immer häufiger."

Haben wir in Zukunft keine Normalsituation mehr?

Der Zusammenhang zwischen der fortschreitenden Klimaerwärmung und El Niño ist laut dem Experte komplex und das Phänomen soll an sich noch nicht einmal wirklich verstanden sein. Die Forschung ist mit 75 Jahren auch noch verhältnismäßig jung. Laut Mühlbauer gebe es verschiedene Hypothesen, aber keine erkläre das Phänomen vollständig. Eine Sache soll aber klar sein, denn über den Zusammenhang zwischen der steigenden Erdtemperatur und veränderten El-Niño-Ereignissen ist sich der Meteorloge sicher.

In den vergangenen Jahrzehnten zeigte sich Mühlbauer zufolge ein verändertes Muster. Er beschreibt: "Die Änderungen sind in den letzten 20 bis 25 Jahren so gewesen, dass El-Niño-Ereignisse eigentlich eher, ich will nicht sagen seltener, aber auf jeden Fall nicht häufiger geworden sind."

Im Gegensatz sind La-Niña-Phasen deutlich öfter auftreten. Allein zwischen 2020 und 2026 soll es fünf La-Niña-Ereignisse und nur einen El Niño gegeben haben. Eine mögliche Erklärung sieht der Meteorologe in dem Abschmelzen der Antarktis, das das Wasser zunächst abkühlt: "Das führt eben dazu, dass sich La Niña ausbildet, also sich eine verstärkte Normalsituation einstellt."

Wenn El Niño jedoch auftritt, falle er in Zukunft stärker aus, denn: „Wenn die Strömung dann mal kippt, dann kann diese ganze Hitze, die da jetzt herrscht und die viel größer ist als noch vor 20 Jahren, natürlich voll zuschlagen“, so Mühlbauer.

Der Meteorologe sieht besorgt in die Zukunft und sagt: "Wenn dieses Abschmelzen mal nicht mehr so stark ist, weil da einfach nicht mehr so viel Eis da ist, was dann passiert, das ist eine Sache, über die man eigentlich fast gar nicht nachdenken möchte. Dann kann es dazu führen, dass die Temperaturen richtig rasant steigen und dass wir nur noch El-Niño-Ereignisse und gar keine Normalsituation mehr haben."

Das Klima könnte ihm zufolge dann "außer Rand und Band" geraten. Diese Auswirkungen seien beängstigend und auch schwer vorherzusagen, wie er zusammenfasst.

Wie wirkt sich die Klimaerwärmung auf die Vorhersagbarkeit von El Niño aus?

Die Definition von El Niño und La Niña wurde im Februar 2026 deutlich angepasst. Bisher basierte sie vor allem auf Temperaturabweichungen in bestimmten Pazifik-Regionen im Vergleich zu einem "Normalwert", der wegen der globalen Erwärmung immer wieder geändert werden musste, wie Mühlbauer ausführt.

Die Nationale Ozean- und Atmosphärenbehörde der USA (NOAA) hat deshalb eine neue Methode zur Berechnung eingeführt: Statt nur den Südpazifik mit einem historischen Mittel zu vergleichen, wird er nun mit den Temperaturen anderer Weltmeere verglichen. Dadurch soll die Einordnung genauer werden.

Allerdings habe diese Umstellung laut Mühlbauer einen Nachteil: Frühere Erfahrungswerte ließen sich kaum noch übertragen, wodurch Prognosen und Vergleiche aktuell unsicherer geworden seien.

El Niño kommt 2026/2027 zürck

Das Wetterphänomen El Niño ist zurück. "El-Niño-Bedingungen sind vorhanden und es wird erwartet, dass sie sich bis in den Winter 2026/27 auf der Nordhalbkugel hinein noch verstärken", teilte die US-Wetterbehörde NOAA mit. 

In einem Videostatement erklärte UN-Generalsekretär António Guterres, dass die El-Niño-Bedingungen Öl ins Feuer einer sich erwärmenden Welt gießen würden. Die Auswirkungen würden noch härter zuschlagen, sich noch weiter ausbreiten und mit verheerender Geschwindigkeit Grenzen überschreiten. Daher fordert er dringlich entsprechende Klimaschutzmaßnahmen.

Mit ungewöhnlich hohen Meerestemperaturen im tropischen Pazifik hatte sich das regelmäßig wiederkehrende Wetterphänomen schon seit Monaten angekündigt. Damit einher geht die Sorge vor mehr Extremwetter mit Dürren, Überschwemmungen und einer womöglich rekordbrechenden globalen Durchschnittstemperatur in naher Zukunft.

Die Wahrscheinlichkeit, dass es ein "sehr starkes" El-Niño-Ereignis, eines der stärksten seit Beginn der Aufzeichnungen 1950, werden könne, liege derzeit bei 63 Prozent, hieß es von der NOAA weiter. 

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