Chaos in Europa: Schnee legt Pariser Busverkehr lahm - 1650 Kilometer Stau in Frankreich
Zugausfälle, stundenlange Verspätungen und Flughäfen im Ausnahmezustand: Schnee und Eis haben viele Länder Europas zu großen Einschränkungen geführt.
Starker Schneefall und eisige Temperaturen haben in etlichen europäischen Ländern für chaotische Verhältnisse gesorgt. So auch in Paris am Mittwoch. Der Busverkehr in der gesamten Stadt ist eingestellt worden. Erst am Nachmittag könnten erste Busse wieder fahren, teilte die Verkehrsgesellschaft RATP mit. Auch bei Straßenbahnen, der Metro und den RER-Zügen gab es wegen des Wetters Störungen. An den Flughäfen der Stadt wurden die Flüge am Morgen reduziert.
Dass Schnee auch über Nacht liegen bleibt, kam in Paris in den letzten Jahren nur selten vor.
Verkehrsminister Philippe Tabarot rief die Menschen in der Region um Paris dazu auf, ihre Fahrten am Morgen zu verschieben. In der Region mit ihren eher milden Wintern haben Autos meist keine Winterreifen. Für Autofahrerinnen und Autofahrer in der Region gab es wegen der widrigen Wetterbedingungen ein strengeres Tempolimit: Sie durften nach einer Anordnung der Pariser Polizeipräfektur höchstens 80 Kilometer pro Stunde fahren.
Winterwetter in Frankreich sorgt für riesige Staulänge
Doch Einschränkungen brachte die schneeige Winterfront auch in anderen Landesteilen - vom Norden bis zum mittleren Westen. Schulbusse und Lastwagen dürfen in Gebieten mit Schneewarnung der zweithöchsten Stufe Orange nicht fahren.
Im nordfranzösischen Lille wurde der Busverkehr ebenfalls eingestellt. Landesweit belief sich der Stau zusammengerechnet auf 1650 Kilometer, wie die Zeitung "Le Parisien" und der Sender BFMTV berichteten.
Skifahren mitten in Paris
Die Schneedecke in der französischen Hauptstadt Paris sorgte aber nicht nur für Ärger, sondern auch für Vergnügen: An der berühmten Basilika Sacré-Coeur, die sich auf dem Montmartre-Hügel befindet, bestaunten Passanten zu Wochenbeginn einen Skifahrer, der den Hügel für eine Abfahrt inklusive Sprung nutzte.
Zugverkehr in Niederlanden größtenteils lahmgelegt
In den Niederlanden ist am Dienstag der Zugverkehr durch Winterwetter und eine technische Störung fast völlig lahmgelegt worden. Bis 10 Uhr fuhren im ganzen Land kein Zug der niederländischen Bahn.
Wintereinbruch legt Verkehr in Niederlanden und Frankreich lahm
Zu zahlreichen Problemen an Weichen durch das heftige Winterwetter kam nach Angaben der Bahn am frühen Dienstagmorgen noch eine Computer-Störung. Internationale Züge seien von der Störung vorläufig nicht betroffen. Auch können andere Verkehrsunternehmen lokal ihre Züge fahren lassen.
Große Probleme am Amsterdamer Flughafen Schiphol
Das Winterwetter sorgte zudem auf den niederländischen Straßen und am Amsterdamer Großflughafen Schiphol weiter für Probleme. Rund 350 Flüge seien bereits annulliert worden, hieß es am Dienstag. Dort wurden bereits am Montagmorgen rund 450 Flüge gestrichen.
Auch der Zugverkehr rund um die niederländische Hauptstadt und Utrecht brach zu Wochenbeginn zwischenzeitlich zusammen. Auf den Autobahnen kam es zu Hunderten Kilometern Stau.
Minus 30,6 Grad! Staus und Verspätungen auch in Tschechien und Polen
Am Montag, als viele Menschen aus den Weihnachtsferien in den Alltag starteten, kam es auch in den deutschen Nachbarländern Polen und Tschechien zu zahlreichen Verkehrsstörungen. Die polnische Eisenbahn PKP meldete teils stundenlange Verspätungen und Ausfälle aufgrund von starken Schneefällen. Der Fernverkehrszug Odra (Oder) zwischen Krakau und Berlin erreichte die deutsche Grenze mehr als zweieinhalb Stunden später als geplant.
In der tschechischen Gemeinde Kvilda im Nationalpark Böhmerwald nahe der Grenze zu Bayern wurde ein Tiefstwert von minus 30,6 Grad Celsius gemessen. Nach Angaben des staatlichen Wetterdienstes sollen die Temperaturen in den nächsten Tagen landesweit nicht über den Gefrierpunkt steigen. Auf den rutschigen Straßen kam es vor allem in den Mittelgebirgen zu einer Reihe von Unfällen.
Geschlossene Schulen und Tiefstwerte
In Schottland konnten immerhin viele Kinder das Schneetreiben genießen, am Montagmorgen wurden Hunderte Schulen geschlossen. In vielen
Teilen Großbritanniens gilt seit mehreren Tagen eine Wetterwarnung wegen des starken Schneefalls. Am Wochenende war in dem englischen Ort Shap mit minus 10,9 Grad Celsius die kälteste Nachttemperatur des Winters in England und Wales gemessen worden.
In der Slowakei meldeten die Meteorologen am Montag mit lokal bis zu minus 20 Grad Celsius den bisher kältesten Morgen. In Sarajevo fielen bis zu 40 Zentimeter Schnee. Am Flughafen der Hauptstadt von Bosnien und Herzegowina war am Sonntag die Hälfte der Flüge ausgefallen.
In Rumänien waren insbesondere die Karpatenregionen in Siebenbürgen betroffen: Mehrere Dörfer waren wegen zugeschneiter Zufahrten isoliert. Mindestens 42.000 Haushalte waren ohne Strom, weil Transformatoren durch heftigen Schneefall beschädigt worden waren.
Kältewarnungen für Schweden und Westen Österreichs
Die schwedische Polizei rief die Menschen dazu auf, das Auto stehen zu lassen. "Sushi zu holen, ist keine Notwendigkeit!", hieß es dazu. Auch am Stockholmer Flughafen Arlanda fielen zahlreiche Flüge aus oder waren verspätet. Der Zugverkehr in mehreren Regionen wurde zeitweise gestoppt, und Busse und Lastwagen rutschten von den eisglatten Straßen.
In Österreich riefen die staatlichen Meteorologen eine Kältewarnung für den Westen des Landes aus. Am Dienstag könnten die Temperaturen auf bis zu minus 17 Grad fallen. Größere Schneefälle werden im deutschen Nachbarland aber nicht erwartet.
Schneelage in Spanien - auch Mallorca betroffen
In Spanien, das im Sommer regelmäßig mit Hitzerekorden Schlagzeilen macht, bibbern die Menschen nun in vielen Regionen bei Minusgraden in ihren oft nicht so gut wärmeisolierten Wohnungen. In Madrid und auch in höheren Lagen der Ferieninsel Mallorca gab es am Dienstagmorgen Frost und es lag Schnee.
Manche Straßen in den Pyrenäen und in anderen Gebirgsregionen des Landes waren nur mit Schneeketten zu befahren. Dort könnte es auch in der Nacht auf Mittwoch bis zu minus 10 Grad kalt werden. Die Wetterbehörde AEMET gab wegen Schnee, Kälte und teilweise stürmischen Winden Warnungen für weite Bereiche des Landes heraus.
Wer es etwas wärmer möchte, muss auf die Kanaren reisen. Dort wird es tagsüber angenehme 17 Grad warm.
Nach 19 Grad Schnee und Kälteeinbruch in Bulgarien
Auch in Bulgarien ist es weiterhin frühlingshaft mild, im Südosten werden Temperaturen bis zu 19 Grad erwartet. Das ist sehr ungewöhnlich für diese Jahreszeit. In manchen Regionen machen starke Winde den Menschen zu schaffen.
Meteorologen erwarten einen Schneeeinbruch mit eisiger Kälte am Donnerstag.
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