Am 20. Mai ist Weltbienentag! An diesem Tag wird jedes Jahr darauf aufmerksam gemacht, wie wichtig Bienen für unser Ökosystem sind. Deshalb muss das Bienensterben unbedingt aufgehalten werden.
Veröffentlicht: - Quelle: dpa/wetter.com2018 wurde der Weltbienentag von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen, um für mehr Schutz für die Insekten zu werben. Jedes Jahr am 20. Mai wird deshalb darauf aufmerksam gemacht, wie wichtig Bienen für unser Ökosystem sind.
Zwar findet nach und nach ein Umdenken statt, wie unter anderem das bayerische Volksbegehren "Rettet die Bienen" zeigt, welches Anfang 2019 von 1,75 Millionen Menschen unterzeichnet wurde. Trotzdem gibt es in dieser Hinsicht noch immer viel zu tun.
Vor allem Wildbienen sind bedroht. Bundesweit leben etwa 560 Arten, fast die Hälfte gilt als bedroht. Anders als Honigbienen, die als "Haustiere" mit Zuckerwasser über den Winter gebracht und medikamentös gegen Krankheiten geschützt werden, leben Wildbienen allein. Sie sind auf ganz bestimmte Pflanzen angewiesen und leisten gerade hier wichtige Arbeit beim Bestäuben.
In den USA und auch in China ist das Bienensterben schon deutlich weiter fortgeschritten als bei uns in Deutschland. Auf Kaliforniens Mandelplantagen bekommen Imker zum Beispiel Prämien, damit sie ihre Bienenvölker zu den Landwirten bringen, in China müssen Obstbäume sogar von Menschen per Hand bestäubt werden.
Auch eine deutsche Studie der Technischen Universität München, die im Herbst 2019 veröffentlicht wurde, lieferte erschreckende Ergebnisse in Bezug auf Insektensterben, welches sich schließlich nicht nur auf Bienen beschränkt:
Studie bestätigt: Insektensterben in Deutschland ist real – und massiv!
Rinder und Schweine sind bekannte Nutztiere des Menschen und wichtig für viele Produkte des alltäglichen Lebens. Doch das drittwichtigste Nutztier wird oft deutlich unterschätzt: Die Biene! Zusammen mit ihren Insektenkollegen bestäubt sie nämlich weltweit über 85 Prozent der Wild- und Landwirtschaftspflanzen. Das ergibt einen wirtschaftlichen Nutzen von einem Wert über 500 Milliarden Euro jährlich!
75 Prozent unserer wichtigsten Kulturpflanzen sind von der Bestäubungsleistung von Insekten abhängig. Jedoch verzeichnen Insektenpopulationen weltweit dramatische Rückgänge. Das stellte unter anderem der Insektenatlas 2020 fest.
Insekten halten das ökologische System dieses Planeten am Laufen. So droht beim Wegfall tierischer Bestäubung einzelnen Obst- und Gemüsesorten wie Äpfeln, Kirschen, Pflaumen oder Gurken ein Ernterückgang von bis zu 90 Prozent. Insekten verbessern zudem durch das Zersetzen von Dung und abgestorbenen Pflanzenteilen die Bodenqualität und reduzieren Pflanzenschädlinge.
Was Bienen wirklich für unser Ökosystem leisten, wird anschaulicher, wenn man einen Blick in den Supermarkt wirft und sich überlegt, welche Produkte es ohne Bienen gar nicht geben würde. Denn wie viele Produkte tatsächlich von der Arbeit fleißiger Insekten abhängen, ist den wenigsten bewusst.
Stell dir vor, du gehst in den Supermarkt und die Regale sind plötzlich leer. Von dem, was auf der Einkaufsliste steht, bekommst du nur einen kleinen Teil. Schließlich würde nicht nur der Honig fehlen. Und alles nur, weil Bienen verschwunden sind? Ja! Etwa ein Drittel unserer Nahrung ist nämlich von der Bestäubung durch Bienen und anderer Insekten abhängig. Folgende Produkte führen unter anderem die Webseiten utopia.de und bees4life auf.
Dies ist übrigens keine vollständige Liste. Sie ließe sich noch lange fortführen, denn in den meisten Produkten ist irgendein pflanzlicher Bestandteil enthalten. Sie soll jedoch verdeutlichen, wie viele der Produkte, die wir für selbstverständlich erachten plötzlich nicht mehr da wären, wenn es keine Bienen geben würde. Sie brauchen also unbedingt unseren Schutz.
Vor wenigen Jahren zeigte auch eine Penny-Filiale, wie ein Supermarkt ohne von Bienen abhängige Produkte aussah. Von den 2.500 Artikeln im Sortiment waren plötzlich rund 60 Prozent nicht mehr vorhanden.
Leere Regale im Supermarkt (Foto: Penny/Rewe Group)
Das Gute ist: Wir alle können etwas tun, um den Bienen zu helfen. Beispielsweise hilft es, die ökologische Landwirtschaft zu unterstützen und Bio-Produkte zu kaufen, da der Einsatz von Pestiziden Insekten stark schadet.
Zum anderen kannst du auch deinen Garten oder Balkon umgestalten. "Je schlampiger das aussieht, desto besser ist es für die Insekten", sagt Andreas Segerer von der Zoologischen Staatssammlung München. "Man kann auf den ersten Blick den Artenreichtum einer Wiese und eines Parks daran schätzen, wie viele unterschiedliche Farben, Formen und Strukturen man sieht."
Löwenzahn, Distel, Klee, ungemähte Wiese - ein gepflegter Garten sieht anders aus. Wo mancher Nachbar die Nase rümpft, kann für Insekten jedoch das Paradies liegen. Bienen, Hummeln und Schmetterlinge finden Nahrung. Wo hingegen der Rasenroboter das Gras millimetergenau auf Höhe hält und dicke Blüten gefüllter Dahlien, Rosen, aber auch Tulpen und Narzissen leuchten, bleiben sie hungrig. Zugunsten der Optik haben nämlich viele gezüchtete Blumen zurückgebildete oder keine Staubblätter - und damit keine Pollen und keinen Nektar.
Was du dabei noch beachten solltest, erfährst du im Video:
"Rettet die Bienen" - Hunderttausende in Bayern haben den Aufruf 2019 unterstützt. Neue Gesetze sollen nun im Freistaat die Artenvielfalt retten. Biotope sollen besser vernetzt, Gewässerrandstreifen an Äckern und Straßen mehr geschützt, der Einsatz von Pestiziden eingeschränkt und der ökologische Anbau ausgebaut werden.
Das Volksbegehren habe viele sensibilisiert, sagt Petra Friedrich vom Deutschen Imkerbund. Dennoch sehe man vielerorts weiter "Schottergärten" und kurz gemähte Rasenflächen. "Wenn man in so eine Neubausiedlung hineinschaut, dann ist das nicht nur für Insekten eine Wüste." Ihre Botschaft: "Ihr müsst nicht Imker werden, um Bienen zu helfen."
Segerer sieht Bayern mit seinen neuen Regelungen für Deutschland in einer "Vorbildfunktion". Die "Wirkmächtigkeit" dessen, was auf den Weg gebracht wurde, reiche aber nicht. "Der Flächenfraß als wesentlicher Faktor beim Insektensterben ist davon überhaupt nicht tangiert." So seien etwa die Genehmigung von Pestiziden und Düngeregeln nicht Sache des Freistaates.
Teils änderten sich mit der Düngung die Inhaltsstoffe der Pflanzen, was einigen Raupen nicht bekomme, sagt Segerer. Auch Duftstoffe einer Pflanzen können sich durch Überdüngung wandeln, Schmetterlinge oder andere Insekten erkennen sie dann nicht mehr. Honigbienen verloren durch Pestizide die Orientierung und fanden nicht mehr zu ihrem Volk. Zudem wurden sie anfälliger gegen Krankheiten, etwa die Varroa-Milbe.
Düngung, Pestizide - Hauptproblem bleibt Wissenschaftlern zufolge die intensive Landwirtschaft. Bundesweit wurden 2018 nach Daten des Umweltbundesamtes 50,8 Prozent der Gesamtfläche landwirtschaftlich genutzt. Siedlung und Verkehr nahmen 13,9 Prozent ein. Teils sind die Städte artenfreundlicher als das Umland. Laut Friedrich vom Deutschen Imkerbund ist das einer der Gründe für den Trend zum Imkern in der Stadt. "Die Bedingungen sind besser als auf dem Land. Durch Parks, Friedhöfe und Kleingärten gibt es ein vielfältigeres Nahrungsangebot."
Die Bauern weisen die alleinige Schuld am Artensterben von sich. Sie hätten "nach wie vor großes Unverständnis", dass sie als einzige Gesellschaftsgruppe zusätzliche Auflagen beachten sollten.
Stefan Spiegl, Präsident des Landesverbands Bayerischer Imker, sieht durch das Volksbegehren mehr Aufmerksamkeit für Bienen, aber noch kaum Veränderungen. "Ich denke, dass es ein paar Jahre braucht, bis die Maßnahmen Wirkung zeigen." Auch der Klimawandel betrifft nach seiner Beobachtung die Bienenvölker. Durch die größere Trockenheit hätten Pflanzen weniger Nektar. Der direkte Wechsel von Winter auf Sommer ohne Frühjahr führe zudem dazu, dass die Bienenvölker zur Blütezeit nicht ihre volle Stärke hätten, da der Nachwuchs erst schlüpfe.
Segerer sieht im Schwund der Arten eine noch größere Bedrohung für die Welt als im Klimawandel. "Bei Artensterben und Überdüngung der Erde sind wir im ultraroten Bereich." Nach Segerers Einschätzung ist ein Massenartensterben im Gange wie zuletzt nach dem Asteroideneinschlag vor 66 Millionen Jahren. Damals seien rund 76 aller Arten verschwunden. Die Coronakrise zeige: "Kipppunkte können überraschend schnell das ganze System nach unten reißen." Wenn mit dem Artenschwund Ökosysteme zusammenbrechen, drohten gesellschaftliche Konflikte um immer knappere Ressourcen. Die Gefahr steige. Denn: "Die Zerstörung der Lebensräume geht weiter."
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