Was ist ein Multizellengewitter?

Was ist ein Multizellengewitter?

Kalte Luft aus dem Abwind bildet am Boden eine Böenfront aus, die warme Luft anhebt und die abgebildete Böenwalze formt.

Ein Multizellengewitter besteht aus mehreren kleineren Gewitterzellen. Einzelzellen- oder Superzellengewitter bestehen im Gegensatz dazu aus nur einer Zelle.

Multizellengewitter können sehr langlebig sein

Die Gewitterzellen liegen bei einem Multizellengewitter relativ nah beieinander und beeinflussen sich gegenseitig. Die Verdunstung von Regentropfen aus einer älteren Gewitterzelle (Stickwort: Verdunstungskühle) kühlt zunächst die Luft im Regenbereich der Gewitterwolke. Die kalte Luft ist schwerer als ihre wärmere Umgebungsluft und stürzt deswegen in Richtung Erdboden.

Der kalte Abwind der älteren Gewitterzelle hebt dabei feuchtwarme Luft vor dem Gewitter an und triggert so die Entstehung neuer Gewitter. Er sorgt aber auch dafür, dass die alte Gewitterzelle zusammenfällt und sich auflöst.

Bei einem Multizellengewitter handelt es sich also um einen stetigen Auf- und Abbau von Gewitterzellen. Die Lebensdauer einer einzelnen Zelle im Multizellen ist dabei meist nicht länger als bei Einzelzellengewittern (30-60min), jedoch kann das gesamte Gewittersystem deutlich länger als eine Stunde bestehen.

Squall Lines, Bow Echos und Multizellen Cluster

Multizellengewitter treten in verschiedenen Formen auf. Man unterscheidet dabei:

  • Squall Lines: Gewitter organisieren sich bei einer Squall Line entlang einer mehrere 100km langen Gewitterlinie, die sich solange fortbewegt bis die vor ihr liegende Luft nicht mehr instabil genug ist um Gewitter zu bilden
  • Derecho: Eine besonders heftige Form einer Squall Line wird Derecho genannt. Per Definition muss hierbei die Gewitterlinie mehr als 450km lang sein und schwere Sturmböen von über 93km/h hervorbringen.
  • Bow echo: Als Bow echo (Bogenecho) bezeichnet man eine gebogene Gewitterlinie. An den Rändern der Gewitterlinie können sich sogar Tornados entwickeln.
  • Multizellen-Cluster: Bei einem Cluster gruppieren sich viele Gewitterzellen zu einem großen Gewitterkomplex, der vom Nachmittag bis in den Vormittag des nächsten Tages existieren kann. Meist entwickelt sich ein Cluster aus einer Squall Line oder mehreren Einzelzellengewittern.
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