Herbstwetter auf der Straße
Wenn sich der goldene Oktober verabschiedet, klagen viele Menschen reflexhaft über Antriebslosigkeit und Konzentrationsschwäche.
 
Für Kraftfahrer kann das gefährlich werden, warnt der ACE Auto Club Europa. Mit dem Zurückstellen der Uhren um eine Stunde am letzten Wochenende begann die Winterzeit. Dann nimmt die Zahl der Dunkelheitsfahrten zu und damit auch das Unfallrisiko besonders zu Feierabend in der sogenannten Rush-Hour. Wer sich dann noch einer schwermütigen Stimmung hingibt und mit "Herbstblues" hinterm Steuer sitzt, dürfte doppelt gefährdet sein, vermuten die ACE-Verkehrssicherheitsexperten. Sie verweisen auf die   Zeit zwischen 16 und 18 Uhr, in der bei Straßenverkehrsunfällen erfahrungsgemäß die meisten Verkehrsteilnehmer ums Leben kommen.  Das größte Unfallrisiko bei Dämmerung und Dunkelheit tragen Fußgänger, Pkw-Fahrer sowie Mofa- und Moped-Fahrer.
 


Für die seelische Niedergeschlagenheit machen Mediziner laut ACE unter anderem Defizite bei der Aufnahme von Sonnenlicht verantwortlich. Demnach begünstigt die in den Herbst- und Wintermonaten vorherrschende Dunkelheit die vermehrte Ausschüttung des Hormons Melatonin. Ihm wird eine die Stimmung dämpfende Wirkung zugeschrieben.  Daher sollten Autofahrer sich während der Pausen so häufig wie möglich in der frischen Luft und im Hellen bewegen und statt schwere Kost besser „Licht tanken“, raten die ACE-Fachleute. Denn die Sonne mit ihrer UV-Strahlung regt die Ausschüttung des Glückshormons Serotonin an. Es sorgt für Präsenz von Körper und Geist. Der ACE empfiehlt im Kampf gegen fröstelnde Stimmung auch pikant gewürzte Speisen, die den Stoffwechsel anregen und die Durchblutung fördern.

Bei Dunkelheit Geschwindigkeit drossel

Der ACE rät außerdem, bei Dunkelheit die Geschwindigkeit im Interesse der Unfallverhütung zu drosseln und macht dazu auf die strengen Anforderungen der Rechtsprechung aufmerksam.
Situation: Ein PKW-Fahrer war nachts auf einer Landstraße mit 65 km/h unterwegs und konnte nicht rechtzeitig vor einem Hindernis (Pferd) anhalten.
Dazu führt das Oberlandesgericht Hamm 25.04.2006 – 9 U 7/05 – aus: Eine Geschwindigkeit von 65 km/h und mehr bei Dunkelheit auf einer Landstraße genügt nicht den Anforderungen eines Fahrens auf Sicht, weil die Erkennbarkeitsentfernung in Bezug auf Pferde nicht mehr als 30 Meter beträgt. Ein Sachverständiger hat in dem Prozess zudem festgestellt, dass bei einem “Fahren auf Sicht” die Annäherungsgeschwindigkeit bei Fahren mit Abblendlicht maximal 46 km/h oder bei einer Bremsung des Kl. vor dem Zusammenstoß mit den Pferden 56 km/h hätte betragen dürfen.

Nicht mehr Falschfahrer unterweg

Es gibt laut ACE bislang keine belastbaren Hinweise für die Annahme, dass Geisterfahrer häufiger im Herbst unterwegs sind, etwa in Folge depressiver Stimmung. Es kann aber sein, dass aufgrund eingeschränkter Sicht etwa wegen Nebels, Fahrer auf die falsche Spur geraten. Die Zahl von Nebelunfällen ist aber in den vergangenen Jahren gesunken und Falschfahrerunfälle haben nicht zugenommen; nach Auskunft des Bundesverkehrsministeriums werden konstant etwa 1700 Falschfahrer jährlich registriert. Die meisten Verkehrsgefährdungen dieser Art gehen glücklicherweise glimpflich aus.

Ruhepausen ganz wichtig

Falsch ist es, besonders auf langen Strecken in einem überheizten Auto unterwegs zu sein. Das macht müde, warnen die ACE-Experten. Wer ab und zu über die Seitenfenster lüftet, macht sich wenigstens für eine gewisse Zeit wieder munter. Bei den ersten Anzeichen für schwere Augenlider und bei Gähn-Attacken hilft aber nur sofort anhalten und pausieren. Von koffeinhaltigen Muntermachern wie Kaffee und Cola rät der ACE ab, die Effekte würden sich schnell wieder verflüchtigen.