Wintersport in Sölden
Diejenigen, die der kalten Witterung nichts abgewinnen können, warten sicherlich jeden Tag darauf, wann es im Thema des Tages endlich mal um eine Wetterumstellung geht. Die Winterfreunde haben diesem Tag indes mit Graus entgegen gesehen. Und nun ist es soweit, heute soll es genau darum gehen.
Am Wochenende wird der Kampf eröffnet. Die beiden Gegenspieler sind die kalte Festlandsluft, die sich bis zum Samstag noch weiter abkühlen kann und auf der anderen Seite die milden Luftmassen, die über dem Atlantik lauern.
 
Durch die vielfach bedeckten Nächte hatte es die Kaltluft bisher recht schwer, größere Geschütze aufzufahren. Da in den Folgenächten die Wolkendecke aber zunehmend Lücken bekommt, wird sich das Kaltluftreservoir aber noch intensivieren. Insbesondere in der Nacht auf Samstag wird es in vielen Regionen eine klare Nacht geben, sodass dann verbreitet -15 bis -8 Grad erwartet werden. In ungünstigen Lagen sind sicherlich auch die -20 Grad in Reichweite.
 
Dieses Kaltluftbollwerk liegt nun erst einmal über Mitteleuropa und Deutschland. Dagegen muss der Atlantik mit seinen milden Luftmassen nun ankämpfen. Das Problem: Kalte Luft ist schwerer als warme. Es ist also außerordentlich schwierig für den milden Atlantik diese einfach zu verdrängen. Die Übermacht der Kaltluft scheint mächtig. Sie ist zäh und hartnäckig wie angebrannte Milch auf dem Herd. Um diese weg zu bekommen reicht auch nicht einfach warmes Wasser. Da muss man schon schwerere Geschütze auffahren.
Der Atlantik beginnt nun aber seine Truppen zusammen zu sammeln. So führen große Temperaturunterschiede zwischen Nord und Süd zur Entwicklung von kräftigen Sturmtiefs auf dem Nordatlantik. Diese haben nun den Auftrag gegen das Kaltluftbollwerk anzukämpfen.
 
Ein erstes Tief, dass einen Kerndruck von unter 975 hPa haben soll, macht den Anfang. Seine Ausläufer werden im Laufe des Samstages den Westen Deutschlands erreichen. Sie prallen aber quasi an der Kaltluft ab. Aus jetziger Sicht bringen sie dem Westen dichtere Wolken und vielleicht ein paar Schneeflocken. Die kalte Luftmasse können sie jedoch nicht verdrängen. Aber immerhin eine kleine Schwächung des Gegners wird damit erreicht. Es ist die Taktik der kleinen Nadelstiche, die der Atlantik gegen den übermäßigen kalten Gegner fährt, um ihn zu besiegen.
Das erste Tief soll dabei nur eine Ablenkung sein. In seinem Schatten befindet sich ein noch viel kräftigeres Exemplar. Dieses bildet sich bereits am Freitag südlich von Neufundland. Nach aktuellen Berechnungen soll der Kerndruck des Tiefs bis auf 930 hPa (!) sinken.
Es handelt sich also wirklich um ein ausgesprochen kräftiges Tiefdruckgebiet, das einen ganz anderen Gegner für die Kaltluft darstellt.
 
Die Ausläufer dieses nach Island ziehenden Orkantiefs werden für Sonntag erwartet. Dann sollen dichte Wolken mit Niederschlag bis zur Mitte voran kommen und sich in der Nacht auf Montag auch bis in den Osten ausbreiten. Anfangs ist auch noch Schnee dabei. Bald geht der Niederschlag aber in die flüssige Phase über. Aufgrund der gefrorenen Böden ist dann wieder verbreitet mit erheblicher Straßenglätte zu rechnen.
Tief 2 wird den kalten Gegner deutlich schwächen und kann in großen Teilen Deutschlands einen Teilerfolg verbuchen. Am längsten hält sich die Kaltluft noch im Südosten, aber auch dort wird sie mit immer neuen atlantischen Vorstößen nach und nach verdrängt.
 
Auch wenn es noch Unsicherheiten über die Nachhaltigkeit des Warmluftdurchbruches gibt, so wird sich der Winter wohl in großen Teilen Deutschlands vorübergehend verabschieden. Weit weg wird die Kaltluft aber noch nicht verdrängt. Es ist zu bezweifeln, dass sie die Schmähungen des Atlantiks auf sich sitzen lässt. Sie wird sich sicher im Geheimen sammeln und bestimmt noch mal versuchen zurück zu schlagen.
 
dwd/öt