Unser Sommer - von lauen Nächten, hungernden Schweinen und zu pünktlichen Pilzen

Veröffentlicht: Do 01.09. | 07:36 Uhr - Renate Molitor
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Unser Sommer - von lauen Nächten, hungernden Schweinen und zu pünktlichen Pilzen

Obwohl bisher nur streckenweise etwas von ihm zu sehen war und auch vielerorts die Durchschnittstemperaturen am Nachmittag unter den langjährigen Mittelwerten liegen, fällt dieser Sommer bis jetzt erstaunlicherweise zu warm aus. Der Grund: Da es häufig bewölkt ist, sind die Nächte in der Schweiz bisher wärmer als gewöhnlich. Beispielsweise lag die durchschnittliche Julinacht 1,5 bis 2 Grad über dem Mittel. Die zunehmende Bewölkung wiederum ist auf einen generellen weltweiten Temperaturanstieg zurückzuführen, der zum Beispiel dem Mittelmeer und den USA momentan einen extrem heißen und trockenen Sommer bringt.

In dieser Hinsicht wirft der Sommer auch die Planung der Schweizer Nahrungsmittelindustrie über den Haufen. Die Trockenheit in den USA verursacht Ernteausfälle, die die Weltmarktpreise für bestimmte Agrarprodukte in die Höhe schießen lassen und so die Nahrungsmittelproduzenten in eine prekäre Lage bringen. Besonders die Schweizer Tierzüchter sind von der Krise betroffen, da verschiedenste Ausgangsstoffe für die Futtermittelherstellung, wie Raps, Soja oder Mais, besonders teuer geworden und damit auch die Futtermittelpreise selbst gestiegen sind. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation kostet zum Beispiel Mais mittlerweile ein Fünftel des ursprünglichen Preises mehr. Die Produktionskosten werden so voraussichtlich um 100 Millionen Franken steigen und dabei ist zu erwarten, dass sich dieser Mehrkostenaufwand auch in höhere Ladenpreise für Fleisch, Eier und andere tierische Produkte niederschlagen wird.
 
In einem Punkt bleibt noch abzuwarten, was uns dieser Sommer bringt – nämlich, wann genau die diesjährige Pilzsaison startet und wie lange sie dieses Jahr wohl andauern wird. Der Trend zeigt, dass diese immer früher beginnt und immer später endet, da sich auch die ersten kalten Tage immer weiter nach hinten verschieben. Diese Entwicklung ist nicht nur in der Schweiz, sondern auch beispielsweise in Großbritannien und Norwegen zu erkennen und wird dem fortschreitenden Klimawandel zugeschrieben.

Klimaschwankungen und Wettervariabilität waren schon immer ein Bestandteil des Systems Atmosphäre und sind in einem gewissen Umfang völlig normal. Doch Ereignisse wie ein drastischer, weltweiter Temperaturanstieg sind erste Indizien dafür, dass der Mensch zu lange auf Kosten des Klimas und der Umwelt gelebt hat. Ob und in wie weit dieser Sommer nur eine Klimavariabilität war oder einen langfristigen Trend anzeigt, kann erst in einiger Zeit festgestellt werden. Doch er könnte sich durchaus in die Liste der Ereignisse einreihen, die uns aufzeigen, wie sich unser Klima und unser Lebensraum langsam aber sicher verändern.
 
(asg)

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