Dennoch gab es auch im Herbst 2012 einige markante Wetterereignisse. So war der
September in seinem ersten Drittel teilweise noch richtig sommerlich.
Bemerkenswert waren dann die ungewöhnlich hohen Temperaturen Ende der zweiten
Oktoberdekade. Nur wenige Tage später folgte ein jäher Wintereinbruch mit Kälte
und Rekordschneehöhen für den Oktober. Das meldet der Deutsche Wetterdienst
(DWD) nach ersten Auswertungen der Ergebnisse seiner rund 2 000 Messstationen.
Bis in den Oktober teils noch sehr warm, anschließend
vorübergehend kalt
Der Herbst 2012 brachte Deutschland mit durchschnittlich
9,2 Grad Celsius (°C) nur eine geringe Temperaturabweichung vom langjährigen Mittel: Nach der international gültigen Referenzperiode
1961-1990 betrug sie +0,4 Grad, nach der Vergleichsperiode 1981-2010 +0,2 Grad. Den höchsten Wert beobachtete der DWD am 9. September in
Bad Kreuznach südwestlich von Mainz mit 32,2°C. Für herbstliche Verhältnisse
außergewöhnlich hoch kletterte das Quecksilber am 19. Oktober: Quedlinburg am nordöstlichen Rand des Harzes und Bad
Kohlgrub-Rosshof nördlich von Oberammergau meldeten mit 28,1°C neue
Spitzenwerte für diesen Monat. Der Hohenpeißenberg (977 m) erreichte mit 26,9°C
sogar einen in seiner mehr als 200-jährigen Messreihe neuen Stationsrekord. Die niedrigsten Temperaturen dieses Herbstes folgten nur
zehn Tage später: Am 29. Oktober zeigte das Thermometer in
Deutschneudorf-Brüderwiese im Erzgebirge -11,2°C. Der kälteste Herbst seit
Beginn der flächendeckenden Wetteraufzeichnungen in Deutschland im Jahr 1881 liegt nun genau 100
Jahre zurück: 1912 wurde ein Mittel von
6,1°C errechnet. Das Wärme-Extrem trat laut DWD 2006 mit 12,0°C auf.
Ein etwas zu trockener Herbst – Ende Oktober
Rekordschneehöhen
Mit 172 Litern pro Quadratmeter (l/m²) blieb der Herbst
2012 in Deutschland um sechs Prozent unter seinem Soll von 183 l/m². Er verlief
aber deutlich niederschlagsreicher als 2011 mit nur 114 l/m². Als trockenster Herbst gilt der von 1953 mit 84 l/m²,
während das Jahr 1998 mit 352 l/m² die Tabelle anführt. Den meisten Regen
und Schnee erhielt 2012 der mittlere Schwarzwald, wo Elzach-Fisnacht rund 457
l/m² meldete. Der wenigste Niederschlag fiel nördlich und östlich vom Harz: In Quedlinburg registrierte der DWD nur etwa 69
l/m². Die größte Tagesmenge entstand am 9.10. in Oberstdorf mit 52,8 l/m². Der
frühe Wintereinbruch sorgte Ende Oktober an manchen Stationen für Rekordschneehöhen: Am 27. konnte man zum Beispiel in
Chemnitz 15 und in Gera 17 cm messen.
Sonnenscheinbilanz leicht positiv
In Deutschland lag die mittlere Sonnenscheindauer im
Herbst bei 330 Stunden und somit um sechs Prozent über dem Klimawert von 311
Stunden. Sonnenscheinreiche Regionen befanden sich im Süden und
besonders im Osten: Lindenberg, südöstlich von Berlin, meldete zirka
407 Stunden. Der Norden und einige Flussniederungen, die sich häufig
im Nebel befanden, gehörten dagegen zu den trüben Gebieten. Die Station Leck,
westlich von Flensburg, erreichte nur etwa 205 Stunden.
Das Wetter in den Bundesländern im Herbst 2012
(In Klammern stehen jeweils die vieljährigen Mittelwerte)
Schleswig-Holstein und Hamburg: Schleswig-Holstein war
bei 9,5°C (9,2°C) mit 200 l/m² (232 l/m²) im Herbst 2012 das
zweitnasseste Bundesland. In Hamburg, das sich bei der Temperatur mit 10,0°C
(9,6°C) auf dem zweiten Rang platzierte, betrug die Niederschlagsmenge 165 l/m²
(195 l/m²). Schleswig-Holstein und Hamburg gehörten im Herbst 2012 zu den Bundesländern, die ihr Sonnenscheinsoll nicht
erreichten. Dementsprechend belegten Schleswig-Holstein mit 253
Stunden (292 Stunden) und Hamburg mit 275 Stunden (285 Stunden) die
letzten beiden Plätze. In Leck, westlich von Flensburg, schien die Sonne mit
nur 205 Stunden deutschlandweit am wenigsten.
Niedersachsen und Bremen: Für Niedersachsen notierten die
Meteorologen des DWD eine Temperatur von 9,6°C (9,3°C), eine Niederschlagsmenge
von 149 l/m² (182 l/m²) und eine Sonnenscheindauer von 290
Stunden (282 Stunden). Bremen war mit 9,9°C (9,6°C) ein warmes und mit 277
Stunden ein Bundesland, das sein Sonnenscheinsoll (284 Stunden) nicht erfüllte.
Bei der Niederschlagsmenge blieb es mit 138 l/m² um 25 Prozent unter seinem
Klimawert (186 l/m).
Mecklenburg-Vorpommern: Hier lag die
Durchschnittstemperatur im Herbst 2012 bei 9,5°C (9,0°C), die Niederschlagsmenge bei 136
l/m² (145 l/m²) und die Sonnenscheindauer bei 323 Stunden (312 Stunden). Brandenburg und Berlin: Brandenburg kam im Herbst 2012
auf 9,7°C (9,2°C), war mit 116 l/m² (127 l/m²) Regen eine trockene und mit 373
Sonnenstunden (316 Stunden) die sonnenscheinreichste Region Deutschlands.
Berlin präsentierte sich mit 10,1°C (9,5°C) als das wärmste, mit 101 l/m² (128
l/m²) als das zweittrockenste und mit 368 Stunden (315 Stunden) als das
zweitsonnigste Bundesland. Lindenberg, südöstlich von Berlin, war mit ungefähr
407 Stunden die sonnenscheinreichste Station Deutschlands.
Sachsen-Anhalt: Die DWD-Meteorologen ermittelten im Herbst
2012 durchschnittlich 9,7°C (9,2°C). Quedlinburg am nordöstlichen Harzrand
meldete am 19.10. mit 28,1°C eine ungewöhnlich hohe Temperatur für den Oktober.
Sachsen-Anhalt gehörte mit 352 Stunden (299 Stunden) zu den sonnigeren Gebieten
und war mit 90 l/m² (120 l/m²) das niederschlagsärmste Bundesland. Am
trockensten blieb der Herbst 2012 deutschlandweit nördlich und östlich vom
Harz: In Quedlinburg kamen nur etwa 69 l/m² zustande.
Sachsen: Der Herbst 2012 brachte in Sachsen bei 143 l/m²
(155 l/m²) eine mittlere Temperatur von 9,2°C (8,8°C).
Deutschneudorf-Brüderwiese, im mittleren Erzgebirge,
meldete mit -11,2°C am 29. Oktober die bundesweit tiefste Temperatur dieses
Herbstes. Sachsen ordnete sich mit 366 Stunden (319 Stunden) bei den
sonnenscheinreichen Bundesländern ein. In Chemnitz erreichte die Schneedecke am
27.10. mittags mit 15 cm eine neue Rekordmarke für den Oktober.
Thüringen: Das mit 8,6°C (8,2°C) zweitkälteste Bundesland
erreichte im Herbst 2012 143 l/m² (155 l/m²) und 340 Sonnenstunden (299
Stunden). In Gera-Leumnitz konnte man am 27.10. mittags mit 17 cm
einen neuen Schneerekord für den Oktober messen.
Nordrhein-Westfalen: Im Herbst 2012 wich die Temperatur
in Nordrhein-Westfalen mit 9,6°C nur unwesentlich vom vieljährigen Mittel (9,5°C) ab. Die Niederschlagsmenge blieb mit 163 l/m²
deutlich unter dem Soll (208 l/m²), während die Sonnenscheindauer mit 313
Stunden (294 Stunden) leicht darüber lag.
Hessen: Hessen gehörte mit 8,8°C (8,6°C) im Herbst 2012
zu den kälteren Bundesländern. Der Niederschlag verfehlte mit 148 l/m² seinen
Klimawert (188 l/m²) um 21 Prozent; der Sonnenschein überstieg ihn dagegen mit
322 Stunden (285 Stunden) um 13 Prozent.
Rheinland-Pfalz: In Bad Kreuznach, südwestlich von Mainz,
kletterte die Temperatur in diesem Herbst am höchsten: Am 9. September zeigte
das Thermometer dort 32,2°C. Trotzdem gehörte Rheinland-Pfalz mit 9,2°C (8,9°C) im
Herbst 2012 nicht zu den warmen Regionen. Außerdem registrierten die
Meteorologen in Rheinland-Pfalz 177 l/m² (199 l/m²) Niederschlag und 338
Stunden Sonnenschein (308 Stunden).
Saarland: Für das Saarland errechneten die Klima-Experten
des DWD im Herbst 2012 eine Mitteltemperatur von 9,6°C (9,2°C), eine
Niederschlagsmenge von 192 l/m² (241 l/m²) und eine Sonnenscheindauer von 343
Stunden (317 Stunden).
Baden-Württemberg: Baden-Württemberg zeigte sich im
Herbst mit 9,1°C (8,5°C) als ein vergleichsweise kühles und mit 272 l/m²
als das mit Abstand niederschlagsreichste Bundesland. Außerdem übertraf es als
einziges Land sein Soll (220 l/m²). Der meiste Regen und Schnee fiel im Herbst
2012 im mittleren Schwarzwald: Elzach-Fisnacht verbuchte mit rund 457 l/m² die
größte Menge. Die Sonne schien in Baden-Württemberg 350 Stunden (344 Stunden). Die Station Renningen-Ihinger
Hof, westlich von Stuttgart, gehörte im Herbst 2012 mit etwa 402 Stunden zu den sonnigsten Stationen Deutschlands.
Bayern: Bayern war im Herbst 2012 laut DWD mit 8,5°C
(7,9°C) das kälteste Bundesland. Trotzdem notierten die Meteorologen hier
zunächst recht hohe Temperaturen: Am 10. September 31,9°C in Würzburg. Bad
Kohlgrub-Rosshof bei Oberammergau verzeichnete am 19.10. mit 28,1°C einen neuen
Stationsrekord für den Oktober. Auf dem Hohenpeißenberg (977 m) trat mit 26,9°C sogar in der seit 1781
bestehenden Messreihe ein neuer Spitzenwert für diesen Monat auf. Oberstdorf
meldete innerhalb nur weniger Tage einen markanten Temperatursturz: Am 19. Oktober war das Quecksilber noch bis auf 27°C geklettert,
am 28. stieg es nachmittags nur noch bis -2°C und ging in der Nacht zum 29. auf
-8°C zurück. Die Niederschlagsmenge betrug in Bayern 196 l/m² (204 l/m²).
Sigmarszell-Zeisertsweiler, nordöstlich von Lindau, meldete mit ungefähr 441
l/m² eine beachtlich hohe Menge. Die größte Tagessumme erhielt Oberstdorf mit
52,8 l/m² am 9. Oktober. In Bayern zeigte sich die Sonne rund 340 Stunden (335 Stunden).
*Alle in dieser Pressemitteilung genannten
Jahreszeitwerte sind vorläufige Werte. Die für die letzten zwei Tage des
Herbsts verwendeten Daten basieren auf Prognosen. Bis Redaktionsschluss standen
nicht alle Messungen des Stationsnetzes des DWD zur Verfügung.