Eiszapfen, Sibirien, Winter
Moskau meldete am gestrigen Samstag beispielsweise Höchsttemperaturen von minus 13 Grad Celsius. Sonst liegen die Temperaturen dort tagsüber weitgehend unter minus 15 Grad Celsius. Am kältesten war es in den Gegenden um Omsk und Novosibirsk im Süden Russlands, wo die Höchsttemperaturen kaum über minus 35 Grad Celsius anstiegen. In den Nächten sanken die Werte sogar teils unter minus 40 Grad Celsius ab.
 
Mit solchen Temperaturen, die meist über mehrere Monate hinweg deutlich im Minusbereich liegen, bietet Sibirien jeden Winter aufs Neue beste Voraussetzungen für die Entstehung eines kräftigen Kältehochs, des sogenannten Sibirienhochs. Dieses Hoch gibt der sibirischen Kaltluft ihren Namen.
 
Grundsätzlich wird zwischen dynamisch und thermisch bedingten Hochdruckgebieten unterschieden. Dynamische oder auch warme Hochdruckgebiete entstehen durch großräumiges Absinken von  Luftmassen, wodurch der Luftdruck am Boden ansteigt. Beim Absinken erwärmt sich die Luft und trocknet aus, so dass sich Wolken auflösen. Liegen diese Hochdruckgebiete über warmem Wasser, dann wird die Luft dadurch noch zusätzlich erwärmt. Dies gilt zum Beispiel für das Azorenhoch oder das pazifische Subtropenhoch. Thermisch bedingte oder kalte Hochdruckgebiete entstehen hingegen, wenn sich im Winter in den bodennahen Luftschichten durch die starke Abkühlung des Festlandes sehr viel Kaltluft ansammelt. Die kalte Luft hat eine größere Dichte als warme Luft und übt somit einen höheren Druck auf den Boden aus.
 
Das Sibirienhoch erstreckt sich zurzeit über weite Teile Osteuropas und den Nordwesten Asiens, wobei sich der Schwerpunkt etwa zwischen Barentssee und dem Kaspischen Meer befindet. In diesem Bereich lag der Kerndruck am Samstag bei 1062,5 hPa. Aktuell hat sich der Kerndruck leicht abgeschwächt und beträgt 1056 hPa. Das Sibirienhoch zählt generell zu den stärksten Hochdruckgebieten der Erde. Der Rekord liegt allerdings bei einem Kerndruck von 1083,8 hPa, beobachtet am 31.12.1968 in Agata in Nordwest-Sibirien.
 
Von diesen Temperaturen sind wir allerdings in Mitteleuropa weit entfernt. Im Gegenteil, nach der zuletzt kalten und schneereichen Witterung wird in den kommenden Tagen milde Luft zu uns geführt. Es bleibt dadurch tagsüber zunächst frostfrei und statt mit Schnee haben wir es immer wieder mit Regen zu tun. Natürlich steht die Frage im Raum, ob nicht eventuell doch zu den Weihnachtsfeiertagen hin noch mal die Kaltluft die Oberhand gewinnt. Oft ist es in der Tat so, dass sich starke sibirische Hochdruckgebiete sehr rasch und oft schwer vorhersagbar nach Westen ausweiten. Allerdings gibt es dafür derzeit keine Anzeichen.

(DWD)