Halbzeitbilanz eines ungerechten Sommers

Die Meinungen über das Wetter im Sommer 2017 fallen zur Halbzeit sicher ganz unterschiedlich aus. Es gibt ein großes Nord-Süd-Gefälle. Kai Zorn bilanziert.
Veröffentlicht: Mo 17.07.17 | 10:23 Uhr - Kai Zorn
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Halbzeitbilanz eines ungerechten Sommers

Sonnenschein, Hitze oder Unwetter? Das hält der Sommer 2017 noch für uns bereit! © Shutterstock

Bremen und Niedersachsen steuern schon langsam auf das Ende der großen Ferien bzw. Sommerferien zu, da fangen MeckPom, Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg und Bayern gerade erst einmal an. Mit dem Monatswechsel von Juli auf August haben für 3 Tage alle Bundesländer Ferien. Die einen blicken zurück, die anderen voraus.

Gerade die Nordlichter werden sich fragen: "Welche Sommerferien?" Und die Südlichter hatten ihre Sommerferien zweifelsohne schon während der Pfingstferien. Diese lagen zwar nicht im meteorologischen Sommer, doch selbiger hatte bereits ab dem 10. Mai losgelegt...

Sommerwetter schon im Mai

Gut 3 Wochen vor dem meteorologischen Sommerbeginn am 1. Juni nistete sich im Süden Deutschlands der Sommer mit einer Serie von sonnenscheinreichen Hochdruckphasen samt (weit) überdurchschnittlichen Temperaturen ein. Noch vor dem meteorologischen Sommerstart rollte eine Hitzewelle mit neuen Temperatur-Rekorden über Deutschland. Ja, sie schaffte sogar den Sprung bis an die Küsten. Kein gutes Omen für den eigentlichen Sommer...

Der Sommer 2017 startete am 1. Juni also nur meteorologisch. In natura hatte er sich längst schon etabliert und zauberte bis zu den Johanni-Feiern - teils ohne die gleichnamigen Feuer durch akute Trockenheit - im Süden eine mediterrane Glanzleistung aufs mitteleuropäische Parkett wie lange nicht. Der Süden labte sich am vollen Sommer-Buffet, der Norden bekam wenigstens Häppchen. Hitzefreunde schauten neidisch in den Süden, der Alpenraum hingegen sehnte sich phasenweise nach einer Abkühlung. 

Hitze im Süden, Jahrhundert-Regen in Berlin

Der noch junge Sommer 2017 preschte mit Hitze und Sonne im Süden so weit voraus, dass der Juni hier den stolzen 2. Platz in der jüngsten Klimageschichte hinter dem Rekordjuni von 2003 einnahm. Die Gletscherschmelze in der Schweiz war teilweise höher als in den Hitzesommern 2015 und 2003. In Wien wurde das Thema Hitze und Trockenheit zum Hauptthema. Und im Norden Deutschlands fragten manche neidisch: "Welche Hitze?"

In der letzten Juni-Dekade - und damit zu Beginn der sogenannten Siebenschläferzeit - begann der Sommer erstmals auch im Süden zu "zicken". Schwere Unwetter und im Anschluss eine riesige Wasserkrake, die über den Osten und den Norden zog, verfälschte im Nachgang die Juni-Statistik und setzte ganz nebenbei Berlin und Brandenburg mit einem Jahrhundert-Regen unter Wasser!

So fiel in einem breiten Streifen von der Nordsee über den Norden Sachsen-Anhalts bis Berlin/Brandenburg weit überdurchschnittlich viel Regen. Hier kam teilweise mehr als das Zweieinhalbfache dessen herunter, was für einen Durchschnitts-Juni üblich ist. Mehr als 100 Prozent des Regens im Juni schafften in den übrigen Gebieten sonst nur zwei recht trockene Ecken, nämlich Saarbrücken und der Großraum Nürnberg. Die übrigen Gebiete blieben (zu) trocken.

Im Norden schaffte die Sonne gerade mal mit Ach und Krach ihr Soll. An der Nordsee und in Schleswig sowie vom Münsterland bis Lippe und in den Süden Niedersachsens blieben wir ein paar Prozentpunkte unterhalb des Solls mit weniger als 200 Sonnenstunden. Gleichzeitig frönte die Südhälfte mit einem satten Überschuss an Sonne. Der Großraum Stuttgart und Nürnberg schafften sogar mehr als 300 Sonnenstunden. Der Großraum Nürnberg war damit eine der wetterintensivsten Gegenden überhaupt mit sattem Regen und viel Sonne gleichermaßen.

Das große Nord-Süd-Gefälle bei den Temperaturen

Das Nord-Süd-Gefälle zeigte sich aber nicht nur bei Regen und Sonne, sondern erst recht bei den Temperaturen. Das Plus von etwas über ein Grad im Norden war eigentlich nur ein "Zuckerl". Der Süden Deutschlands brachte ein sattes Plus von teilweise über 4 Grad zustande. Übrigens: Im Juni 2003 lag das Plus im Norden bei 2 bis 3, im Süden bei 4 bis fast 7 Grad - also noch mal eine ganz andere Hausnummer!

Der erste meteorologische Sommermonat nahm dann mit einer ersten richtig kühlen Phase seinen Hut und der zweite meteorologische Sommermonat, der Juli, startete erst einmal mit einem Minus - mit einem satten Minus sogar! Kurz darauf folgte eine neuerliche Hitzewelle, der allerdings rasch die Puste ausging. Und seitdem bekommt der Sommer 2017 gefühlt nichts mehr auf die Kette.

Die Halbzeitbilanz des Julis

Die Halbzeitbilanz des Julis sieht im Norden wieder sehr mau aus: Ein Drittel bis maximal die Hälfte des Monatssolls sind in Sachen Sonnenschein erreicht und die Temperaturen liegen ums Mittel herum und je weiter wir an die Küsten kommen, desto kühler wird es. Vom Emsland über Hamburg bis MeckPom und Berlin gibt es sogar ein Minus von bis zu ein Grad - bezogen auf das Mittel der Jahre 1961-90. Und dieses Mittel wiederum stammt aus einer Klimaepoche mit besonders schlechten und kühlen Sommern. Bezogen auf das aktuelle Klimamittel wäre das sogar ein Minus von über 2 Grad!

Im Süden hingegen ist der Juli im Plus von ein bis 2 Grad, bezogen auf das heutige Klimamittel also im Schnitt. Beim Sonnenschein schaut es allerdings hier nicht besser aus als im Norden.

Fazit bis hier: Markante Zweiteilung beim Wetter

Wir können bis hier also anhand der nackten Tatsachen festhalten: Der Sommer 2017 wies bisher eine markante Zweiteilung auf. Der Norden hatte bisher keinen bzw. kaum richtiges Sommerwetter und der Süden blickt auf eine große Sommerphase zurück, die schon um den 10. Mai begann und kurz vor Ende Juni zu Ende ging. Seitdem fand eine Art "Angleichung" statt.

Hamburg hatte vom 1. Juni bis zum 15. Juli 6 meteorologische Sommertage (mindestens 25,0 Grad), keinen Hitzetag (mindestens 30,0 Grad). An 29 Tagen fiel statistisch nachweisbarer Regen - also von einzelnen Tropfen bis zur Sintflut und an 10 Tagen gab es mindestens 10 Stunden Sonne, wovon ein Tag gar keine Sonne hatte.

München schlägt hingegen mit 27 Sommertagen und 9 Hitzetagen zu Buche, d. h. München hatte mehr Hitzetage als Hamburg Sommertage! Hier gab es immerhin 16 Tage mit mindestens 10 Stunden Sonne, einen Tag ohne Sonne und an 24 Tagen viel Regen. Das sind schon bemerkenswerte Unterschiede!

Weiterhin große Trockenheit

Wir reiten gerade viel auf dem Norden und Süden rum. Auch der Westen und Osten sahen übrigens im Juni viel Sommer und speziell im Westen sehnt man sich nach Regen, Regen und nochmals Regen. Auch wenn hier vor ein paar Tagen ein sattes Regengebiet endlich mal für Abhilfe sorgte, zumindest in NRW, so wünscht sich die Natur Regen, Regen und nochmals Regen. Seit nunmehr 12 Monaten war es hier zu trocken!

Die klimatische Wasserbilanz des meteorologischen Sommers vom 1. Juni bis 15. Juli zeigt dies deutlich. In der Pfalz fehlen bisher zum Teil mehr als 125 Liter Regen. Gleichzeitig ist es von Hamburg bis Berlin zu nass - dank der Sintflut von Ende Juni. Auch der unmittelbare Alpenrand hat einen Überschuss, aber der Rest...?

Wie geht der Sommer 2017 weiter?

Wie geht es denn weiter? Salopp gesagt: Im Norden kann es nur besser werden und im Süden nur schlechter. Bei den Aussichten für die kommenden 2 Wochen bringt der Sommer in dieser Woche noch mal was zustande und mit dem Beginn der Hundstage am 24. Juli macht er landauf, landab wohl die Grätsche. Zwischen dem 21. und dem 29. Juli deutet sich sogar eine äußerst nasse Witterungsphase an. Der Juli wird am Ende wohl nur im Süden ein Plus auf die Kette bringen. Der Norden schafft wohl nicht einmal das Soll der bescheidenen 1961/90er Zeit. 

Der August muss es also retten, aber ob er das tut? Er wird, da bin ich mir ziemlich sicher, noch mal ein paar versöhnliche Phasen bringen - auch dem Norden. Doch ein großes Aufbäumen mit einer wochenlangen Hitzewelle wird es wohl nicht geben. So wird es im Rückblick heißen: Der Sommerkuchen fiel größtenteils auf den Mai und Juni und ein paar Krümel bekam der Norden dann besonders Mitte Juli und im August ab. 

Einige Hoffnungsvolle verweisen auf den August und den September des vergangenen Jahres. Im vergangenen Jahr drehte der August dann voll auf und brachte uns einen neuen Rekordseptember. Das wird mit Sicherheit in diesem Jahr nicht so sein. Vom September sollten wir uns nicht allzu viel erwarten.

Richtige Sommer im Norden erst wieder 2018 und 2019?

Der Norden hat übrigens in Sachen Sommer in den vergangenen Jahren wirklich "Pech" gehabt. Der Hitzesommer 2015 fand meist ohne die Nordlichter statt. 2014, 2011, der Juli 2010 sowie der Doppelpack 2009 und 2008 waren hier definitiv brauchbarer als die vergangenen Sommer bzw. der aktuelle. 

Die Sommer 2018 und 2019 bieten da vielleicht aus Sicht von Sonnenflecken-Zyklen und anderer Parameter mehr Grund zur sonnig-heißen Freude... Warten wir's ab.  ;-)

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