Wettersatellit
Pünktlich hebt die Rakete ab, Applaus ertönt und aus irgendeiner Ecke ist das Klingen von Sektgläsern zu hören: Wenige Sekunden nachdem der Wettersatellit Metop-B an Bord einer Sojus-Trägerrakete vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan gestartet ist, macht sich in Darmstadt Erleichterung breit. "Bis jetzt ist alles glattgegangen", sagt Alain Ratier, der Generaldirektor der Europäische Organisation für die Nutzung meteorologischer Satelliten (Eumetsat) in Darmstadt. Die Meteorologen erhoffen sich von den Metop-Satelliten unter anderem, dass das Intervall zuverlässiger Wettervorhersagen von drei auf fünf Tage verlängert werden kann.

Eigentlich war der Start schon für 2012 geplant, verzögerte sich aber, weil eine Sojus-Rakete im August 2011 abgestürzt war. Dementsprechend haben sich die Wissenschaftler vor dem Start nicht nur bei Eumetsat in Darmstadt, sondern auch im wenige Kilometer entfernten Raumflugkontrollzentrum der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) mit allzu optimistischen Einschätzungen zurückgehalten. Mehrere Esa-Teams werden den neuen Satelliten in den kommenden drei Tage überwachen. Danach, wenn sicher ist, dass alle Systeme funktionieren, übernehmen die Eumetsat-Kollegen die Kontrolle. "Natürlich gibt ist bei einem solchen Unternehmen immer Risiken", sagt etwa Manfred Warhaut, seit 2006 Leiter der ESA-Abteilung für den Missionsbetrieb ist. "Wichtig ist, dass die Sonnensegel ausgefahren und entsprechend auf die Sonne ausgerichtet werden, um den elektrischen Strom für den Betrieb des Satelliten und seiner Instrumente zu erzeugen", sagt Warhaut. Aber erst einmal geht es um den Start.

Warhauts Kollege, der ESA-Direktor für bemannte Raumfahrt, Thomas Reiter, immerhin spricht wenige Minuten vor dem Start von einem "guten Bauchgefühl", das er habe. Auf den Bauch des früheren Astronauten ist Verlass. Denn nachdem sich - etwa 66 Minuten nach dem gelungenen Start - zeigt, dass der Satellit wie vorgesehen von der russischen Trägerrakete abgekoppelt wurde und die ersten Funksignale sendet, gewinnt das Projekt Metop an Fahrt.

Denn seit Montag ist damit nun das zweite von drei Messgeräten der etwa 2,5 Milliarden Euro teuren Metop-Reihe ins All gestartet. Bereits seit 2006 gleitet Metop-A im Orbit. Sein Nachfolger Metop-B soll in seiner Umlaufbahn von 817 Kilometern Höhe - direkt auf der gegenüberliegenden Seite von Metop-A mindestens fünf Jahre lang Daten zur Klimaforschung und für Wetterprognosen zur Erde funken. Der Start des dritten Satelliten, Metop-C, ist für Ende 2017 vorgesehen.

Die Wissenschaftler versprechen sich allerhand von dem Projekt. An Bord sind 13 Instrumente zur Wetterbeobachtung untergebracht. Wie der 53 Jahre alte José Pieto - Meteorologe bei Eumetsat - berichtet, hat die erdnahe polare Umlaufbahn der MetOp-Satelliten den Vorteil, dass sie aufgrund der relativ geringen Höhe eine sehr hohe Auflösung bieten. "Eine bessere Auflösung als sie etwa von geostationären Satelliten aus einer Höhe von etwa 35.000 Kilometern geliefert werden können", sagt er. Zwar bieten seinen Angaben zufolge die Metop-Satelliten aufgrund der geringen Flughöhe ein geringeres Blickfeld für die Instrumente, da nur ein kleinerer Ausschnitt aufgenommen werden kann. Auf der anderen Seite könnten die Satelliten mit polarer Umlaufbahn innerhalb eines Tages nahezu die gesamte Erdoberfläche abtasten, während die geostationären Satelliten nur ein bestimmtes Gebiet abdecken könnten.

Dadurch würden beispielsweise nicht nur eine Vielzahl von Daten für die numerische Wettervorhersage geliefert, so dass die zuverlässige Wettervorhersage in einigen Jahren schon fünf Tage im Voraus mit hoher Zuverlässigkeit prognostiziert werden könne; auch die Daten zur Klima- und Umweltüberwachung seien geeignet, um die Bedingungen für extreme Wetterereignisse - wie etwa schwere Stürme - schnell zu erfassen und im Idealfall davor zu warnen. "Da Schwankungen besser sichtbar werden, können auch die Modelle exakter werden", ist sich der Meteorologe sicher. Mittlerweile plane man schon eine neue Generation der Metop-Satelliten, aber noch stehe kein Budget fest

Quelle: dapd
 
(db)