Weltraumfrachter bringt Versorgungsgüter zur ISS

Veröffentlicht: Mi 07.03. | 08:17 Uhr - Ronald Porschke Weltraumfrachter bringt Versorgungsgüter zur ISS

Das zeigt auch die kurzfristige Absage des für Freitag (9. März) geplanten Starts. Diese wird damit erklärt, dass zusätzliche Arbeiten erforderlich sind, um die optimale Startbereitschaft zu erzielen. Ein neuer Termin soll bald bekannt gegeben werden, wie Astrium-Sprecherin Kirsten Leung sagte.

Der Einwegfrachter "Edoardo Amaldi" wird Sauerstoff, Wasser, wissenschaftliche Ausrüstung, Nahrungsmittel und Kleidung für die Astronauten zur ISS bringen. Seit August 2011 wurde der Raumtransporter ATV am europäischen Weltraumbahnhof in Französisch-Guayana im Norden Südamerikas zunächst zusammengesetzt und dann geprüft. Damals hieß es für Koschade für viele Monate Abschied von Bremen zu nehmen. Zusammen mit rund 30 weiteren Astrium-Mitarbeitern aus mehreren europäischen Ländern arbeitet er in Kourou.

Bis ins kleinste Detail wird das ATV (Automatisches Transferfahrzeug) auf seinen Einsatz im Weltall vorbereitet. "Alles muss getestet werden", sagt Koschade. "Es kann ja nichts mehr während des Fluges repariert werden." Allein das Betanken vor dem Start dauert eineinhalb Wochen. Denn nachdem die Ariane-Rakete das ATV in der Umlaufbahn abgesetzt hat, aktiviert der Frachter seine eigenen Triebwerke und Bordsysteme. Der Raumtransporter dockt sich anschließend automatisch an die ISS an.

Das Arbeiten weit entfernt von der Heimat findet Koschade spannend. Die Wochenenden verbringt er gerne mit Wandern im nahe gelegenen Dschungel. Der Kontrast zwischen High-Tech-Job und Freizeitgestaltung könnte nicht größer sein. Im Regenwald leben Schlangen, Skorpione, Giftfrösche und die größte Vogelspinnenart weltweit. Der Ingenieur ist beeindruckt von der Vielfalt der Flora und Fauna. "Man kann den selben Weg fünfmal gehen und entdeckt doch immer wieder was Neues."

Auch zu den nahen Inseln fährt er gerne zusammen mit Kollegen sowie in andere Städte und Dörfer. "Ich habe Glück, dass ich französisch sprechen kann", sagt Koschade. Das tropische Klima macht ihm keine Probleme. Die Luft sei in Kourou spürbar weniger verschmutzt als in Bremen. Das Zusammengehörigkeitsgefühl unter den Kollegen sei zudem größer als in zu Hause, da alle fern ab von der Heimat mehr aufeinander angewiesen seien. Zu seinen Freunden in Deutschland hält Koschade Kontakt per Internettelefon.

Den Start der Ariane wird Koschade mit seinen Kollegen von einer der Aussichtsplattformen aus ein paar Kilometern Entfernung verfolgen. Zwar hat Koschade bereits einen Ariane-Start und als Kind zusammen mit seinem Vater, der ebenfalls Raumfahrtingenieur ist, Starts von Space Shuttles in Florida miterlebt. "Doch wenn man mit einem Projekt verbunden ist, ist das etwas ganz anderes." Dann steige der Adrenalin-Spiegel umso höher, je näher der Starttermin rücke.

Fraglich ist, wie die Sicht zur Raketen sein wird. "Wir haben Regenzeit", sagt Astrium-Sprecherin Leung. Der Rakete selbst mache Regen jedoch nichts aus. Nach dem Start und einem erfolgreichen Andocken des ATV an der ISS werden die Astrium-Mitarbeiter erst einmal feiern. Doch dann wird auch schon die Mission des vierten ATV zunächst von Bremen aus vorbereitet. "Nach dem Start ist vor dem Start" sagt Koschade, der sich schon auf seinen nächsten Aufenthalt im Dschungel freut.

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