Eröffnung
Wenn man Zeit seines Lebens nach dem Wetter gefragt wird, antwortet man schön brav und macht sich selten bewusst, was für Fragen da kommen. Und aufgrund der recht „kreativen“ Fragen der vergangenen Tage habe ich mir das eben einmal bewusst gemacht. Allein die Buntheit der Fragen zeigt: Wetter ist für jeden anders, Wetter fühlt jeder anders, Wetter sieht jeder anders und recht machen kann man es sowieso niemandem. Ich fasse einfach mal die unterschiedlichsten Fragen – sei es aus dem Freundeskreis oder aus den Radioanfragen – zusammen:
Abweichungen
Die Abweichungen der ersten 9 Januartage, bezogen auf das Gesamtmonatsmittel Januar (1961-90), in Grad Celsius.
 
Wann wird es denn endlich kalt, damit die Pfützen zufrieren und die Kinder schlindern gehen können?
Wann kommt endlich der Schnee?
Mal ehrlich: Jetzt will doch keiner Winter mehr! Kommt jetzt der Frühling?
Kann es jetzt wirklich noch kalt werden?
Ist das eigentlich normal, dass es im Januar regnet?

Ergänzend zum Wetter hörte ich vor wenigen Tagen im Radio eine Umfrage, bei der es ums Wetter ging. Eine Hörerin meinte, wenn jemand Winter und Schnee haben wolle, dann sollten die Leute nach Norden fliegen. Für hier (Bayern) sei Winter eher die Ausnahme.
 
Betrachten wir außerdem die mittel- und langfristigen Aussichten inklusive der sich daraus ergebenden Möglichkeiten, dann gibt es daraus nur eine einzige Schlussfolgerung: Hallo Irrenhaus! ;)
 
Jetzt aber mal im ernst: Ja, es ist normal, dass es im Januar mild sein kann. Ja, es ist normal, dass im Januar die ersten Pollen fliegen können. Ja, es ist normal, dass es im Januar richtig kalt werden kann. Ja, es ist normal, dass es im Januar regnet. Nein, es wäre nicht normal, wenn jetzt der Frühling schon Einzug halten würde und nein, wir leben nicht in einer Gegend, in der Schnee und Kälte unnormal sind.
 
Die Möglichkeiten im Januar sind groß. Den mildesten Januar aller Zeiten hatten wir vor 6 Jahren mit einer Durchschnittstemperatur von 4,8 Grad. Den kältesten Januar aller Zeiten hatten wir im Kriegswinter 1940 mit minus 9,1 Grad. (Mit „aller Zeiten“ meine ich den Aufzeichnungsbeginn. In diesem Falle 1761. Sind ja auch ein paar Jährchen ;)!) Betrachten wir jedoch die Zahlen des Januars bisher (1. bis 9.) und würden jetzt davon ausgehen, dass der Januar zu Ende wäre, hätten wir in der Tat einen neuen Rekord. Bis einschließlich Mittwoch lag das Flächenmittel in Deutschland bei exakt 5,0 Grad. Vor einem Jahr um diese Zeit waren es 5,3 Grad, am Monatsende letztendlich 1,9 Grad.
Was allerdings „dramatisch“ ist, ist der mangelnde Sonnenschein. Bis einschließlich zum 9. Januar haben wir gerade einmal 6 Prozent des Gesamtjanuarsolls erreicht.
 
Es wundert mich, dass kaum die Frage nach der Sonne kam. Ich persönlich finde das mit der Sonne fast wichtiger als die Temperatur. Wir klären diese Frage trotzdem :)!
Sonne
Das Sonnenscheinsoll der ersten 9 Januar-Tage in Prozent, bezogen auf das Gesamtjanuarmittel der Jahre 1961-90.
Aber wie ist das denn mit der Sonne und der Witterung? Gibt es nur bei mildem Wetter diese Tristesse und nur bei kaltem Wetter Sonnenschein? Tendenziell ist das so, muss aber nicht so sein; Beispiel: Haben wir eine eisige Nordostlage mit Hochnebel, dann ist es kalt und trüb oder eine Inversionslage mit viel Sonne und milden Temperaturen in der Höhe (Beispiel Januar 1996), bleibt es unten kalt und trüb. Haben wir umgekehrt mildes Wetter mit einer Südwestlage samt Wind, kann es durchaus sehr sonnig sein. Generell ist es aber so, dass im Winter kalte Temperaturen mehr Sonne bringen als milde Temperaturen – analog-umgekehrt zum Sommer.
 
Und so wird sich in der nächsten Zeit die Sonne deutlich häufiger zeigen als bisher. Das ist erstens nicht schwer und zweitens sicherlich bei vielen Sonnenhungrigen auch allerhöchste Eisenbahn.
 
Die größten Sonnenscheinchancen haben wir am Freitag in der Westhälfte, am Samstag diagonal über Deutschland von Niedersachsen bis in den Osten Bayerns, am Sonntag und Montag eher im Norden, am Dienstag in der Nordwesthälfte und am Mittwoch abseits zäher Nebel- und Hochnebelfelder überall. Und all diese Tage werden mit den Tagen bisher nicht zu vergleichen sein – weder vom Wetter her, noch von den Temperaturen her. Es wird empfindlich kälter.
 
Am Freitag wechseln sich Wolken und Sonne ab. Am freundlichsten wird es tendenziell in der Westhälfte mit einigen Stunden Sonnenschein. Ein paar leichte Schneefälle gibt es im Osten sowie im äußersten Süden. Am Ober- und Hochrhein sowie am Bodensee fällt nasser Schnee oder Schneeregen. Etwas kräftiger schneit es in den Alpentälern. Und in Vorpommern lümmeln sich einzelne Schneeschauer durch den Freitag ins Wochenende. Im gesamten Mittelgebirgsraum haben wir Dauerfrost. Sonst sind es minus 2 bis plus 5 Grad. Im Nordosten, wo wir viele Wolken und die tendenziell kälteren Temperaturen haben, erwartet uns schneidend kalter Nordwestwind, der uns die Werte auf der Haut wie unter minus 5 Grad vorkommen lässt.
 
Der Samstag bringt uns im Nordosten viele Wolken mit einzelnen Schneefällen. Auch im Südwesten ist es bewölkt mit etwas Schnee und Schneeregen. Dazwischen scheint abseits einiger Nebelfelder die Sonne. Die Nachmittagswerte erreichen im Schnitt minus 4 bis plus 4 Grad. Minus 4 Grad sind es in den östlichen Mittelgebirgen, plus 4 Grad am Oberrhein. Der Wind flaut im Nordosten etwas ab. Im Westen frischt der Wind auf und dreht auf östliche Richtungen.
Freitag
Wetterlage am Freitag.
 
Am Sonntag herrscht ruhiges Winterwetter mit Wolken, Sonne und ganz vereinzelten Schneefällen. Am freundlichsten ist es von NRW und Niedersachsen bis Franken sowie in Mecklenburg-Vorpommern. Sonst dominieren die Wolken. Es wird generell einen Tick kälter. Plusgrade gibt es dann nur noch im äußersten Südwesten und an den Küsten. Sonst herrscht Dauerfrost.
 
Dauerfrostig wird auch der Montag. Mehr als minus 6 bis null Grad sind kaum noch drin – nur an den Küsten mit auflandigem Wind. In der norddeutschen Tiefebene scheint öfter die Sonne. In der Mitte und im Süden bringen dichte Wolken vereinzelten Schneefall. Der Wind weht eisigst aus Nord bis Ost und lässt uns die Werte wie unter minus 10 Grad auf der Haut vorkommen. Das wird ein bisschen fies…
 
Der Dienstag bleibt knackig kalt mit leichtem bis mäßigem Dauerfrost. Insgesamt wird es dazu in der gesamten Nordwesthälfte freundlicher. Von zähen Nebelfeldern abgesehen scheint den ganzen Tag über die Sonne für unsere von Dunkelheit geschundenen Seelen ;). Dichteres Gewölk mit ein paar Schneeflocken hält sich im Südosten. Der Wind flaut ab.
 
Hätten wir rein theoretisch jetzt überall eine geschlossene Schneedecke, dann gäbe es Höchstwerte von nur noch minus 12 bis minus 5 und Tiefstwerte von bis zu unter minus 20 Grad. So sind es nachts aber „nur“ minus ein bis minus 7 Grad am Wochenende sowie minus 5 bis minus 15 Grad zu Wochenbeginn sowie bei sternenklarem Himmel. Lediglich dort, wo eine dünne Schneedecke liegt, nachts kein Wind geht und die Sterne von spät bis früh funkeln wird es kälter.
 
Spätestens zur Mitte der nächsten Woche könnten dann, um eine der Eingangsfragen zu beantworten, die großen Pfützen der jüngsten Wasserschlacht in einigen Teilen Deutschlands, als Schlinderbahnen benutzt werden. Und falls Sie sich erinnern!?
Sonntag
Wetterlage am Sonntag.
 
Bis Dienstag steht uns also ein insgesamt kalter und zumindest teilweise freundlicher Witterungsabschnitt bevor.
Die Wintersportgebiete wünschen sich kaum etwas sehnlicher als ausreichend Schnee. Den wird es allerdings bis dato kaum geben. Nennenswerte Schneefälle erwarten uns am ehesten im Südschwarzwald und in den Alpentälern. Aber selbst hier sind für Langlauf und Alpin in den Tälern ausreichende Mengen fragwürdig. Es reicht zumindest für eine geschlossene Schneedecke!
 
Kommen wir zum eingangs erwähnten „Irrenhaus“ der Aussichten, die über die Wochenfrist hinausgehen. Der geneigte Wetterkartenkonsument, der die Modelle für bare Münze nimmt und sich vielleicht zu sehr reinsteigert, dürfte alle 6 Stunden eine andere Laune haben, je nach Wettervorlieben. Da wird einmal eine extrem kalte Nordostströmung berechnet mit Temperaturen in 1500 Meter Höhe von minus 20 Grad (Witterung ähnlich wie in der ersten Februar-Hälfte 2012), dann wird eine satte Westdrift mit Regen, Schnee und Sturm gezeigt und weitere 6 Stunden später kommt eine Hochdrucklage Mitteleuropa samt Inversion mit Dauerfrost in den Niederungen und Sonnenschein mit Frühlingsflair auf den Bergen auf den Tisch. Und im nächsten Lauf pflügt eine satte Südwestdrift alle Winterträume hinfort.
 
Und mit diesen 4 Beschreibungen haben wir in etwa auch die Eckpfeiler der langfristigen Aussichten in den Boden gerammt. Es ist gerade ungeheuer schwierig eine auch nur annähernde Richtung der Großwetterlage nach Mitte der kommenden Woche zu erkennen.
Eisluft
Binnen Wochenfrist stehen sich zwei große Kaltluftansammlungen gegenüber.
 
Dreh- und Angelpunkt der Entwicklung in Richtung 3. Januar-Dekade wird die Stabilität des Hochs im Laufe der kommenden Woche sein. Derzeit stehen sich zwei fast gleichwertige Kaltluftklötze in den Wetterkarten gegenüber. Der eine Klotz befindet sich zwischen Grönland und Labrador. Der andere schockfrostet die Gebiete östlich von Finnland. Es wäre relativ einfach, wenn es jeweils nur einen dieser Kaltluftgebiete gäbe. Die Eisluft westlich von Grönland ist der klassisch Westwind-Motor, der die Atlantik-Drift auf Trab hält. Der andere Eisluftblock für sich kann dann gerne mal solch eine Witterung auslösen wie vor knapp einem Jahr Anfang Februar.
 
Damit lassen sich keine wirklich verlässlichen Aussagen über die Entwicklung treffen. Im Dezember löste das Schneetief, das statt nach Südosten nach Norden zog, die Westwindzirkulation aus. Und was welches Tief oder Hoch zwischen dem Ostatlantik, Skandinavien und Mitteleuropa wann wie was vorhat, ist und bleibt offen. Jede von den Modellen berechnete Variante ist in sich schlüssig und ebenso fragil.
 
Ein weiteres Fragzeichen kommt hinzu: Kurioserweise liegt die in 1500 Meter Höhe kälteste Luftmasse, sieht man jetzt einmal von den beiden eben erwähnten Kaltluftklötzen ab, genau über uns. Eine kleine Eisluftblase von rund minus 15 Grad wabert genau über Norddeutschland. Die minus 10 Grad-Blase liegt zur Wochemitte von Südskandinavien über Nord-. Und Ostsee bis in den Alpenraum und wir genau unten drunter.
WoMi
Richtung Wochenmitte liegt mit die kälteste Luftmasse direkt über uns. (blau: weniger als minus 10 Grad in 1500 Meter Höhe, lila: weniger als minus 15 Grad)

Und eine solch relativ kleine und eigenständige Kaltluftblase bringt zusätzliche Unsicherheiten, da die Modelle erfahrungsgemäß die Eigenständigkeit und das Verhalten von vorhandener Kaltluft unterschätzen. Insofern ist es bei dieser Lage absolut müßig sich über die langfristigen Aussichten zu unterhalten, so gern wir das hier auch tun.
 
Fazit: Es wird kalt und es bleibt erst einmal kalt, wenn auch mit nur wenig Schnee - sieht man mal vom Alpenraum ab. Denken Sie an genügend Frostschutz im Scheibenwischwasser und an den Eiskratzer. Auf der anderen Seite erleben wir endlich mal wieder blauen Himmel samt Sonnenschein, wenn auch noch nicht sofort und noch nicht überall. Und die Unsicherheiten nach Mitte der kommenden Woche sind vor allem eines: spannend!
 
(Alle Bilder/Grafiken: Kai Zorn)