ERöffnung
Vor wenigen Tagen hatten wir die Großwetterlage ausführlich besprochen – sowohl in Text- als auch in Videoform. Und an der sich entwickelnden Großwetterlage hat sich auch mit den neuesten Trends wenig geändert: Nach einer winterlichen Woche mit einigen Schneefällen und recht kalten Temperaturen kommt es am 3. Adventswochenende zu einem Patt der großen Druckgiganten. Da stehen sich auf der einen Seite das Atlantik-Tief mit sehr milder Luft und das kräftige Kontinental-Hoch mit sehr kalter Luft gegenüber. Und wir werden, so wie es derzeit aussieht, mitten drin sein.
nä Woe
Kaltluft mit weiterem Frostwetter und sehr milde Luft samt Tauwetter und Regen stehen sich bei uns am 3. Adventswochenende gegenüber!
 
Stellvertretend für die Wetterlage am 3. Adventswochenende schauen wir uns einmal die Karte des ECMWF an. Da haben wir ein kräftiges Tief mit Kern zwischen Irland und Schottland. Der Kerndruck dieses Tiefs hat 960 hPa (Hektopascal). Dem gegenüber steht das kräftige Russland-Hoch mit einem Kerndruck von über 1060 hPa. Falls Sie noch ein altes, manuelles Barometer haben, schauen Sie mal drauf, wo sich die jeweiligen Angaben dieses Drucks befinden. Das mit dem Tief ist so weit links, dass es fast wieder rechts ist und umgekehrt ;).
 
Ein Druckunterschied von über 100 hPa ist schon einem Menge Holz. Und Druckunterschiede werden durch Wind ausgeglichen. Auf der Nordhalbkugel strömt die Luft um ein Hoch im Uhrzeigersinn, um ein Tief gegen den Uhrzeigersinn. Da wir fast in der Mitte dieser beiden Druckgiganten liegen, entsteht bei uns in der Höhe eine Süd(west)strömung, mit der milde Luft (in der Höhe) herangeführt wird.
 
Bei den anderen Modellen schafft es das Tief bzw. ein Ablegertief bis nach Mitteleuropa in der „Tauwetterversion“ oder das Hoch bleibt am Drücker und beschert uns mit einer bodennahen Ost- bis Südostströmung weiter stabiles Hochdruckwetter mit entsprechend frostiger Luft.
Und dazwischen gibt es noch jede Menge möglicher „Sonderlösungen“ von Schneefall, über Eisregen bis hin zu einer Luftmassengrenze, mildem Südwestwind, kaltem Ostwind und allem Pipapo. Eine Aussage ist im Prinzip gar nicht möglich. Es geht nur generell in die Richtung „milder“.
 
Grund dafür ist diese mächtige Tiefdruck-Attacke vom Atlantik, die dem Eis-Hoch im Osten mal eins gegen den Latz knallt. Dann allerdings verliert der Tiefdruck wieder an Schwung und wird in die Mangel von kräftigen Hochdruckgebieten genommen. So zeigt beispielsweise die gemittelte Großwetterlage für Weihnachten tendenziell hohen Luftdruck über Grönland sowie den langen Arm des Russland-Hochs bis Nord- und Mitteleuropa. Der Kern des Atlantik-Tiefs verschwimmt in die Gebiete westlich von Island.
 
Gemittelte Großwetterlage heißt, dass alle Modell-Läufe übereinander gelegt werden. Dahinter verbergen sich selbstverständlich auch mal ganz andere Möglichkeiten. Grob ist das aber die Richtung und mit dieser Analyse fahren wir seit vielen Wochen sehr gut. Eine genaue Aussage zum Weihnachtswetter aus heutiger Sicht – ob es weiß ist oder wird – ist natürlich Humbug. Die Wahrscheinlichkeit aber, dass wir an Weihnachten eine kalte Wetterlage haben mit möglichen Schneefällen ist jedoch erhöht ;).
Weihnahten
Die gemittelte Großwetterlage für Weihnachten.
 
Vielleicht ist die Wetterlage um und kurz nach dem 3. Advent das „vorgezogene Weihnachstauwetter“?! Diese (mögliche) „Milderung“ wie es so schön im Amtmeteorologendeutsch heißt ist für mich kein Ende des Winterwetters oder gar der Auftakt einer langen Mildperiode wie in den klassischen Mildwinterphasen des vergangenen Jahres oder der Winter 2006-08, sondern eher ein „Klassiker“ bei möglichen Kaltwintern mit Bodenkälte, Inversion und Hochnebel, ähnlich wie im Winter 1995/96. Der Winter brachte damals in der Höhe sehr hohe Temperaturen, im Flachland hingegen viel Nebel, Hochnebel samt Nieselregen und Frost, vor allem im Nordosten.
 
Bemerkenswert finde ich in diesem Zusammenhang übrigens, dass wir seit dem Winter 2008/09 eine Serie von Wintern hatten, die immer eine knackige Winterphase hatte. Die Winter 2008/09 bis 2010/11 waren im Mittel alle zu kalt und der Mildwinter 2011/12 hatte in der ersten Februar-Hälfte eine Rekord-Kältewelle mit einem fast zu 3 Grad kalten Wintermonat. Und wenn wir mal annehmen würden, dass der Winter in einer Woche witterungstechnisch „zu Ende“ ginge, dann hätte der aktuell noch blutjunge Winter ebenfalls eine Periode mit ordentlichem Winterwetter gehabt. Eine bemerkenswerte Leistung…
 
Kommen wir damit zum aktuellen Stand. Fast in ganz Deutschland liegt eine geschlossene Schneedecke und die Tiefstwerte mit klarem Himmel über Schnee konnten sich in der Nacht von Freitag auf Samstag auch sehen lassen. Diese lagen verbreitet im zweistelligen Minusbereich. Und die aktuelle Temperatur-Abweichung der ersten 7 Dezembertage, bezogen auf das Gesamtmonatsmittel, liegt deutschlandweit gemittelt bei knapp 2 Grad unterm Schnitt. Trotz einer kurzen Tauwetterphase, die uns ummittelbar bevorsteht, wird das Minus binnen Wochenfrist erst einmal klar gehalten.
Abweichungen
Die Abweichungen bis zum 7. Dezember, bezogen auf das Gesamtmonatsmittel der Jahre 1961-90, für 2012/2011.
 
Vor einem Jahr um diese Zeit betrug die Dezember-Abweichung übrigens 4 Grad plus im Mittel, vor zwei Jahren mehr als 4 Grad minus. Und da soll noch mal einer sagen, Wetter sei langweilig :)…
 
Tief MARIE kommt am 3. Advent mit einem Paukenschlag hereingezogen. Es brettert in die bei uns lungernde Frostwinterluft herein und hat einen Kessel milder und feuchter Luft dabei. Würde dieses Tief bei einer anderen Vorgeschichte zu uns ziehen, gäbe es nur Schnee in den Bergen, sonst Regen. Da wir aber ein ordentliches Reservoir an Kaltluft haben, mischt sich diese mit der feucht-milden Luft und es schneit in der Südosthälfte, obwohl es die Luftmasse nicht unbedingt „hergeben“ würde.
 
Damit bringt uns der zweite Advent in der Nordwesthälfte Regen. Es regnet in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, NRW, weiten Teilen Hessens, in Rheinland-Pfalz, dem Saarland, am Untermain, in der Vorderpfalz, in weiten Teilen Sachsen-Anhalts, im äußersten Westen Thüringens, in der Nordwesthälfte Brandenburgs, in weiten Teilen Berlins, in Mecklenburg und im westlichen Vorpommern. Präziser müsste es eigentlich heißen, dass in diesen Regionen der Schnee in Regen übergeht!
Im östlichen Vorpommern, im südöstlichen Brandenburg, in Sachsen, weiten Teilen Thüringens, Bayerns und Baden-Württembergs sollte es Schnee sein und bleiben. Bis zur Mittagszeit zeigt sich übrigens im Südosten noch die Sonne. Der Schneefall setzt hier, also im Südosten, erst gegen Abend ein!
Sonntag
Wetterlage am 2. Advent.
 
Fies wird der Wind! Dieser frischt stark bis stürmisch auf und kommt aus Südwest bis Süd. In MeckPom bläst um die Mittagszeit sogar volle Lotte Sturm! Damit wird der in den Frostgegenden liegende fluffige Pulverschnee richtig übel verweht mit entsprechenden Verwehungen und Sichtbehinderungen! Sonst haben wir Glätte durch Schneematsch, Schnee und Eis und in den Regengebieten Aquaplaning-Gefahr! Ratternden Seitenwind haben wir fast überall!
 
Die Temperaturen klettern bis zum frühen Die Temperaturen klettern auf minus 4 Grad im Südosten und auf plus 4 Grad im Nordwesten. An der Nordsee werden kurzzeitig sogar 8 Grad erreicht.
Ich betone nochmals: Hätten wir kein ausgekühltes Land mit Schneedecke, so würde es auch in der Südosthälfte nicht schneien! Es ist mal wieder der Klassiker der Vorgeschichte der Wetterlage. Die Luftmasse wäre zu mild für Schnee. Danke der vorhandenen Kälte fällt eben Schnee!
Neuschnee
Neuschneesummen in Zentimeter bis Mittwochfrüh.
 
Bevor jedoch der Wind auch die Restkälte verwehen kann, folgt strammen Schrittes die so genannte Rückseite von MARIE in Form einer Kaltfront. Am Abend rumpeln die ersten Gewitter an der Nordsee los. Bis Montagfrüh geht der Regen vielerorts wieder in Schnee über. Regen-, Schneeregen-, Schnee- und Graupelschauer sowie kurze Gewitter pflügen bis Montagfrüh durch die Nordwesthälfte. Sonst treibt der starke bis stürmische Westwind Schneeregen und Schnee vor sich her. Die Schneefallgrenze liegt zu Beginn der Nacht bei 400 bis 800, gegen Morgen bei 200 bis 500 Meter Höhe! Im Nordosten weht der Wind übrigens aus östlichen Richtungen.
Die Temperaturen steigen im Südosten weiter an, im Nordwesten gehen sie wieder zurück. Es sind in etwa minus ein bis plus 2, an der Nordsee gut 4 Grad.
 
Bis Dienstagabend flutet uns Stunde um Stunde immer kältere Polarluft. Die Temperaturen gehen zurück und es fällt zeitweise Schnee, der sich bis Dienstagabend in die Südosthälfte verlagert. Besonders die Nordränder der Berge werden mit Schnee regelrecht zugeschüttet. 15 bis 30 Zentimeter Schnee wird es geben, in den klassischen Bergstaulagen ist bis Dienstag gut ein halber Meter Neuschnee drin. Aber auch im Flachland bekommen wir vielerorts eine Schneedecke, den Rhein entlang, im Ruhrgebiet und in Küstennähe zumindest eine Anzuckerung!
Die Alpenländer bekommen vom Jura über das Allgäu bis ins oberösterreichsche Alpenvorland eine satte Neuschneeauflage!
 
Die Temperaturen liegen am Montagnachmittag bei minus 2 bis plus 4, am Dienstagnachmittag bei minus 4 bis plus 2 Grad. Der Wind lässt nur langsam nach. In den Bergen, speziell in den Mittelgebirgen kommt es zu erheblichen Schneeverwehungen. Im Hochgebirge steigt die Lawinengefahr massiv an!
 
Und so blöd es klingt, aber genau dieses Tief MARIE, das uns den Schnee samt Polarluft bringt, ist mitverantwortlich dafür, dass der milde Atlantik andocken könnte. Gleich…
 
Schauen wir uns kurz noch den Mittwoch an: Die Schneefälle lassen auch im Südosten nach. Sonst zieht ein neues Schneefallgebiet von Holland her über den Nordwesten in die Mitte. Im Tiefland zwischen Ems, Ruhr und Rhein ist es zum Teil Regen oder Schneeregen. Sonst kommt auch mal die Sonne heraus. Dazu sind es minus 7 bis plus 2 Grad, kalt also.
Mittwoch
Wetterlage am Mittwoch.
 
Zurück zu dem Tief. Das wird von dem kräftigen Russlandhoch nach Nordwesten zurückgedrängt und verbindet sich mit dem Tief zwischen Island und Schottland und wird vom selbigen geschluckt.
 
Der Donnerstag und der Freitag werden vom Wetter her deutlich freundlicher mit immer mehr Sonnenschein. Tagsüber haben wir vielerorts Dauerfrost, in den Nächten über Schnee mit klarem Himmel ohne Wind Frost von unter minus 10 Grad, ähnlich wie zuletzt.

Und danach entscheiden wenige hundert Kilometer Tief weiter nach Osten oder Hoch weiter nach Westen zwischen Frost- und Tauwetter… (Der Übergang zu regnerischem Tauwetter könnte uns übrigens eine Glatteislage par excellence bringen!)
 
(Alle Bilder/Grafiken: Kai Zorn)