Schliersee
Kennen Sie das auch? Manches Mal bleiben Sprüche, die man als Kind von den Erwachsenen gehört hat, hängen. Dass es sich bei dabei auch im Speziellen um Wettersprüche handelt, ist reiner Zufall ;)! Meine Uroma sagte gern: „Wenn et nich rechnet, dann dröbbelt et.“ (Wenn es nicht regnet, dann tröpfelt es.) Dieser Spruch würde passen, wenn man sich die groben Trends der kommenden 2 Wochen ansieht.
Niederschalg
Niederschlag in L/m² binnen Wochenfrist.
Entgegen dem Muster der vergangenen Jahre, bei dem der April gern mal als Frühsommermonat mit Sonne, Trockenheit und großer Wärme auftrumpfte, deutet sich für den heurigen April ein ungewöhnlich „normaler“ Trott der Wetterlage und damit der April-Witterung an. Den größten Befürchtungen zum Trotz wird er aber auch nicht dauerhaft dunkel, nass und kalt, aber eben abwechslungsreich mit mehr oder weniger ergiebigen Regenfällen für die Natur.
 
Die größten Regen- bzw. Niederschlagsmengen bekommen wir, wenn man das Fenster über Deutschland hinaus ein bisschen öffnet, besonders im Alpenraum und südlich der Alpen, wo die Feuchte-Not übrigens zum Teil noch größer ist als bei uns. Nach dem Sonnen- und Wärme-März ein dringend ersehnter Segen, vor allem für die Natur. Nur ist es ja so, dass das, was für die Natur gut ist, der verwöhnten Spaßgesellschaft oft im Wege steht…
 
Wir hatten schon darüber berichtet, dass der März 2012 zu den absoluten Top-Monaten in Sachen Wärme der vergangenen rund 250 Jahre gehört. Hauchdünn – um ganze 0,1 Grad –wurde der jeweilige Rekord von 7,0 Grad aus den Jahren 1938 und 1989 verfehlt. Das reguläre März-Mittel der Jahre 1961-90 beträgt 3,5 Grad. In diesem Jahr waren es 6,9 Grad. Aber selbst wenn wir das um den Klimawandel aufgespeckte Temperaturmittel der Jahre 1981-2010 nehmen (4,3 Grad), so ergibt sich immer noch ein sattes Plus von 2,6 Grad.
 
Letztendlich sind die Temperaturen ja nur sekundär. Primär waren die immensen Sonnenstunden. Der vergangene März war einer der sonnenscheinreichsten März-Monate der vergangenen rund 60 Jahre und einer der Trockensten seit 130 Jahren. Das werden Hobbygärtner, Land- und Forstwirte sowie die Feuerwehren, die schon einige Waldbrände löschen mussten, bezeugen können. Doch mittelfristig sieht es, wie eben schon erwähnt, nach Entspannung aus:
Schaut man sich die Regensummen der kommenden 7 Tage an, so gibt es immerhin zwischen 10 und 30, südlich einer Linie Schwarzwald Donau auch weit über 40 Liter Regen auf den Quadratmeter. Deutlich mehr wird es im Alpenraum, in mittleren und hohen Lagen oftmals noch als Schnee.
 
Bevor wir uns durch die einzelnen Witterungsphasen der kommenden Tage wühlen, noch ein kleiner Blick zurück: Bis zum Wochenende hielten die
Donnerstag
  Wetterkarten an einer ungemütlich nassen und kalten Spätwinterwetterlage für die zweite Wochenhälfte, insbesondere aber für Ostern fest. Hier hätte es durchaus noch einmal verbreitet bis in tiefere Lagen Schnee geben können. Das Ganze wurde in den Wetterkarten ab Sonntag nach und nach entschärft. Wir sind also, wenn man das aus der Sicht eines „Iiieehhh, ich will keinen Schnee mehr!-Wetter-Normal-Verbrauchers“ sieht, mit mindestens einem blauen Auge davongekommen bzw. werden davonkommen!
 
Die planmäßig weiße Überraschung im Norden Schleswig-Holsteins und Mecklenburg-Vorpommerns gab es mit einigen Schneefällen und zumindest einer schüchternen Anzuckerung. Sonst begann der heutige Dienstag in der Nordhälfte sowie südlich der Donau bewölkt inklusive ein paar Regenfällen. Der Dienstag heute wird von starken Temperatur-Gegensätzen über Deutschlands geprägt sein. Tief GRITT liegt mit seinem Kern über dem Osten Englands. Im äußersten Norden Deutschlands sind es nahe minus 5 Grad in 1500 Meter Höhe, im äußersten Süden 8 Grad plus. Das sind nach Adam Riese 13 Grad. 13 Grad allerdings bei der Luftmasse. Schaut man sich aber die Parameter dazu an, so ist der Temperatur-Unterschied noch einmal deutlich höher, gefühlt sowieso:
 
Bei den minus 4, minus 5 Grad sind Wolken und Schneefall und Regen im Spiel. So bleibt es von Nordfriesland bis nach Mecklenburg-Vorpommern rein trüb mit weiteren Regen- und Schneefällen. Der Schnee bleibt zwar nicht liegen, aber er flunselt eben vor sich hin. Mehr als 3 bis 5 Grad sind es hier nicht, die sich im starken und sehr ruppigen Ostwind wie Frost auf der Haut anfühlen.
Ganz im Gegensatz dazu scheint im Süden längere Zeit die Sonne. Die paar Frühstücksschauer werden sich dann aufgelöst haben und in der warmen und feuchten Luftmasse klettern die Temperaturen mit viel Sonnenschein auf bis zu 20 Grad. 20 Grad ohne Wind mit leicht feuchter Luft fühlen sich mit Sonne wie über 25 Grad auf der Haut an.
Und so werden aus den 13 Grad Luftmassenunterschied 17 Grad Temperatur- und 30 Grad gefühlter Temperaturunterschied!
 
Im großen Rest dazwischen bekommen wir übrigens einen netten Mix aus Sonne und Wolken, mehr Sonne gibt es dazu in der Südhälfte, mehr Wolken in der Nordhälfte. Die Temperaturen liegen grob bei 13 bis 19 Grad, je nach Höhe und Sonnenscheindauer. Am Nahmittag entstehen besonders im äußersten Süden Schauer und Gewitter.
Ostersonntag
 
 
Unterdessen entsteht über dem Südosten Frankreichs ein intensives Regengebiet. Dieses klingt sich in die noch südwestliche Strömung ein und zieht in der ersten Nachthälfte über den Südwesten und erreicht bis morgen früh das nördliche Franken, das östliche Hessen, Thüringen und Sachsen. Dabei vereint es sich mit dem Regengebiet im Norden. Zwischen Nordfriesland und Rügen mischt auch wieder Schnee mit. In einem breiten Streifen vom Schwarzwald bis zur Saarschleife und dann weiter rauf zwischen Rhön und Muskauer Heide sind ergiebige Regenmengen von gut 10 Litern pro Quadratmeter drin. Machen Sie in der Nacht mal das Fenster auf, vielleicht hören Sie die Natur vor Freude juchzen ;).
 
Das Regengebiet verlässt uns am Mittwochvormittag nach Nordosten. Insgesamt bleibt es jedoch im nördlichen Drittel Deutschlands bewölkt mit Regen, zwischen Sylt und Rügen auch mit Schneeregen und nassem Schnee. In der Mitte wechseln sich Wolken und Sonne, im Süden Sonne und Wolken ab. Und dann beginnt ein ähnliches Spiel wie heute: Es entstehen erneut ein paar Schauer und Gewitter. Das ist so ein bisschen wie bei einer sommerlich-schwülen Südwestlage: Erst Sonne, dann Gewitter. Es wird einen Tacken kühler: 2 bis 3 Grad sind es im Norden von Mecklenburg-Vorpommern, bis zu 18 Grad im Südosten Bayerns.
 
Am Gründonnerstag setzt sich allmählich trockenere und kühlere Luft durch. Nach den nass-kalten Tagen bekommen wir an den Küsten strahlend sonniges Wetter mit tief blauem Himmel und stechendem Sonnenschein. Sonst lungern noch viele, hochnebelartige Wolken herum, die der Sonne nur phasenweise Platz machen. Zwischen dem Westallgäu und der Salzach fällt noch nennenswerter Regen. Sonst tröpfelt es nur ein wenig. Dazu sind es 6 bis 11, südlich von Main und Mosel 10 bis 16 Grad.
gemittelt 8
 
 
Der Karfreitag öffnet über der Mitte ein großes Sonnenscheinfenster mit nur wenigen Wolkenfeldern. Umrahmt wird das Fenster von noch dichten Wolken in der jeweiligen Mitte und im jeweiligen Süden Baden-Württembergs und Bayerns sowie von neuen Wolken die mit einem neuen Tief an den Küsten eintrudeln. Am östlichen Alpenrand regnet es noch, an der Nordseeküste wieder, in Nordfriesland sind auch wieder Schneeregen und nasser Schnee mit von der Partie. Die Top-Werte packen 7 Grad auf Sylt und 15, vielleicht 16 Grad am Oberrhein sowie am Bodensee. Wenn Regen und Schnee im äußersten Norden einsetzen, wird es deutlich kühler.
 
Mit viel Sonne und wenig Wind werden sich die Temperaturen übrigens wärmer anfühlen. Und Achtung, es besteht eine sehr hohe Sonnenbrand- und Sonnenstichgefahr! Vor allem dadurch, weil wir es durch die verhältnismäßig kühlen Temperaturen nicht merken. Die Sonnenbrandgefahr ist höher als an manch diesig-heißem August-Tag! (Sonnenbrandgefahr hat nichts, auch wenn das manche immer noch glauben, mit den Temperaturen zu tun!)
 
Die Front, die da übrigens am Karfreitag im Norden eintrudelt, schlendert oder rollt – je nach Modell – bis Samstagabend süd- und südostwärts über Deutschland. Sie hat Polarluft im Gepäck und wird, vielleicht letztmals?, für eine weiße Überraschung sorgen (können)!
Bis Samstagmorgen erwarten uns in der Nordhälfte Schnee und Schneeregen, am Karsamstag tagsüber ziehen Schnee und Schneeregen weiter nach Südosten. Am Morgen des Ostersonntags klingen nach aktueller Kartenlage die letzten Schneefälle am östlichen Alpenrand ab.
 
Am Samstag sind es vor der Front um die 10, nach der Front nur noch knapp 5 Grad. Und nach einer sehr frostigen Nacht kommt der Ostersonntag mit schlappen 4 bis 10, vielleicht 11 Grad daher.
 
Die Ostertage sind aber noch nicht 100%ig eingetütet, was die Prognose betrifft. Einerseits ist Ostern – aus Sicht der Wetterkarten – noch sehr weit weg, andererseits ist die Wetterlage an sich auch recht schwierig was das Feintuning angeht. Ursprünglich sollte mal der Ostersonntag sehr ungemütlich werden und mit Regen-, Schnee- und Graupelschauern die Launen des Aprils ausspielen, jetzt wird ein Zwischenhoch berechnet. Aber auch wenn es ein Zwischenhoch mit trockener Luft gibt oder gäbe, es wird oder würde nicht richtig sonnig, da in der sehr kühlen Luft rasch viele tiefe Quellwolken entstehen würden, die sich dann wie eine Art Hochnebelteppich über das Land legen! 
gemittelt 15
 
 
Im Anschluss, also nach Ostern, nistet sich zum Wohle der Natur eine wahrscheinlich kühle und wechselhafte Witterungsperiode ein. Tendenziell gibt es über Skandinavien ein steuerndes Zentraltief, das drum herum, von Nordwesteuropa bis in den zentralen Mittelmeerraum und bis rüber nach Osteuropa von weiteren kleinen Tiefs umgarnt wird. Daraus ergibt sich eine für diese Jahreszeit absolut typische Wetterlage: Immer wieder fällt Regen unterschiedlicher Intensität, mal mischt sich bei Schauern Graupel dazwischen, mal fällt in den Bergen Schnee. Die Sonne kommt zwischendurch auch zum Zuge.
 
Je nachdem, wie die um das Zentraltief eiernden Tiefs ziehen, ist also mal etwas wärmere Mittelmeerluft im Spiel, mal feuchte Polarluft. Die Temperaturen der Luftmasse liegen grob zwischen minus 5 und plus 5 Grad, etwas wärmer ist es im Süden. Erst nach Mitte April deuten sich wieder mehr wärmere Berechnungen an.
 
Der April ist also auf dem Weg zur „Normalität“. Nach dem wilden Auf und Ab der vergangenen Monate mit einem Extrem nach dem anderen eine besonders für die Natur freudige Überraschung und vielleicht ein „gutes Omen“ für unseren Sommer, zumindest einem Teil davon?
 
(Alle Bilder/Grafiken: Kai Zorn
Auftaktbild: Frühlingsstimmung am Schliersee.
Grafik 1: Niederschlagsmengen in Liter pro Quadratmeter binnen Wochenfrist.
Grafik 2: Wetterlage am Gründonnerstag.
Grafik 3: Wetterlage an Ostersonntag.
Grafik 4: Gemittelte Wetterlage am 11. April.
Grafik 5: Gemittelte Wetterlage am 18. April.)