Erföffnung
Die Wetterküche hat schon ein sehr, sehr eigenwilliges Timing. Vor Weihnachten herrschte edelstes Winterwetter mit Schnee und Frost. An Weihnachten hatten wir gefühlten Frühling -oder goldenen Herbst, je nach Sichtweise - und im Anschluss herrschte für alle Ferienteilnehmer bis in die mittleren Wintersportlagen bescheidenstes (beschissen wollte ich nicht schreiben) Ferienwetter!
Zum krönenden Abschluss der Weihnachtsferien gab es im Südosten Deutschlands und im Nordwesten Österreichs eine Wasserschlacht mit Hochwasser mit der Meldestufe zwei im Schnitt.
 
Damit gab es zum Ferienfinale statt Spaß im Schnee viel Nass als See! Ich weiß, dass es einige gibt, die keinen Winter und keinen Schnee mögen und dass das „weiße Zeug in den Bergen bleiben kann“, doch mal ehrlich: Weihnachten und Weihnachtsferien mit Schnee und Frost sind doch stimmungsvoller und einfach schöner als Dauergrau, Wind und Sintflut.
unter Wasser
Das erste Wochenende des Jahres brachte im Südosten Überschwemmungen und Hochwasser.
 
Zynisch könnten wir jetzt sagen: Die Ferien sind zu Ende, der Alltag beginnt und jetzt ändert sich das Wetter! Und ganz unzynisch dazu gesagt: jepp – oder Bingo, die Kandidatin/der Kandidat hat 100 Punkte!
 
Seit einigen Tagen rappelt es in den Tiefen der Wetterkarten. Mit den Tiefen meine ich die Prognosetage abseits des „seriösen“ Vorhersagezeitraums. Wir sprachen sowohl hier in den Kolumnen als auch in den Videos darüber. Das, was sich in manchen Modell-Läufen abspielt, hat es in sich und stünde phasenweise der Eisperiode von Februar 2012 in kaum etwas nach. Erinnern Sie sich, als ich im Video in dem einen 15 Tage-Trend die minus 20 Grad in 1500 Meter Höhe ansprach? Diese Berechnung kam jetzt wiederholt auf den Tisch! Und inzwischen sind diese Berechnungen nicht mehr im „unseriösen“, sondern im durchaus ernst zu nehmenden Vorhersagekorridor angekommen. Doch dazu gleich mehr.
 
Schauen wir erst einmal auf die aktuelle Wetterlage. Während auf der Südhalbkugel in Australien ein Hitzesommer mit Rekordtemperaturen und zerstörerischer Feuermacht wütet, pflügen über Europa feucht-milde und eisige Luftmassen durch die winterliche Wetterküche. Einige hundert Kilometer weiter östlich von uns geht das, was hier als Regen runterkommt, als Schnee nieder. Rund ums Schwarze Meer schneit es munter vor sich hin – das Ganze bei hochwinterlichen Temperaturen. Ähnlich übrigens wie im letzten Jahr.
 
Erinnern Sie sich an das Schneetief Mitte Dezember? Eine „falsche“ Zugbahn dieses Schneetiefs leitete bei uns die milde Witterung ein. Damals zog dieses Tief nicht nach Südosten ab und es folgte ein Hoch, damit sich eine kalte und ruhige Winterlage einstellen konnte. Es zog eher nach Norden und öffnete der Westdrift die Türen. Der große Schneebringer war gleichzeitig der Tod des Frühwinters.
Montag
Die Wetterlage am Montag.

Jetzt verhält es sich umgekehrt. Das aktuelle Hoch, das uns das milde, wolkenreiche und nasse Wetter bringt und brachte, beendet die (extrem) milde und winterfeindliche Witterung und öffnet einer gestörten Zirkulation mit vielen Winterwetter-Optionen wieder Tür und Tor.
 
Bei einer dauerhaft milden Westlage weicht das Hoch Richtung Mittelmeer und die Tiefs vom Atlantik rauschen herein. Es bleibt mild. Nun aber zerfließt das Hoch mehr oder weniger in alle Richtungen. Wichtig dabei ist, das hatten wir auch im Video besprochen, das sich aufbauende Hoch zwischen Island, Grönland und dem Nordkap. Es unterbricht die Westwindzirkulation und gibt der sich über Ostskandinavien, Russland und dem Baltikum sammelnder Eisluft die Chance sich auszutoben.
Was da in den kommenden Tagen in Sachen Luftmassen passieren wird, werden wir im Video besprechen mit den 15 Tage-Trends aus Europa. Dafür ist ein Video besser geeignet :).
 
Die milde Witterung hält bei uns bis Mittwoch an. Dann weht im wahrsten Sinne des Wortes ein anderer Wind! Von Montag bis Mittwoch bleibt es in weiten Teilen Deutschlands bewölkt oder trüb durch Nebel und Hochnebel. Nennenswerte Chancen auf Sonne haben wir abseits der Nebelgebiete im Südwesten sowie in den Alpen.
Mittwoch
Die Wetterlage am Mittwoch.
Besonders in Schleswig-Holstein, NRW, Niedersachsen sowie in den östlichen Bundesländern, in Teilen Hessens und im Osten Bayerns fällt am Montag und Dienstag gelegentlich leichter Regen oder Nieselregen. Am Mittwoch schwenkt von der Nordsee her mit stark auffrischendem Südwestwind eine neue Front mit kräftigem Regen herein.
 
Auf dem Weg nach Süden verliert die Kaltfront bis Donnerstag an Fahrt. Das dazugehörige Tief zieht Richtung Baltikum. Die winterliche Kaltluft erreicht nur den Norden Deutschlands. Auf dem ersten Blick eine Ente in Sachen Winter, auf den zweiten Blick möglicherweise ein „Hammer“! Dadurch, dass das Tief nicht weiter nach Süden bzw. Südosten zieht, sondern eher nach Osten, zapft es die Kaltluft im hohen Norden an, die mit Hilfe des weiter westlich liegenden Hochs nach Süden dreschen kann. Und um das Ganze noch einen Tick spannender zu machen, flutscht ein letztes, kleines Tief zwischen dem Hoch im hohen Norden und dem Hoch über der Iberischen Halbinsel bzw. auf dem Altantik östlich der Azoren zu uns.
 
Damit könnte bzw. wird eine Luftmassengrenze entstehen. Deren Zutaten wären feucht-milde Atlantikluft und eisige Polarluft. Da die Polarluft nach den meisten Modellen siegen wird, würde aus dem von Westen aufziehenden Regen Schnee werden. Wenn dieses kleine Tief dann bei uns ist und sich die Luftmassengrenze zur Kaltfront entwickelt und nach Süden weicht, wird das atlantische Wolkenfließband abgestellt und eine kalte bis sehr kalte Nord- bis Nordostlage wäre die Folge.
 
Diese Entwicklung, die von allen Modellen mehr oder weniger so getragen wird, entpuppt sich als hoch spannende Wetterlage, die das Potential hat, eine bemerkenswerte Frostperiode einzuleiten.
Freitag
Die Wetterlage am Freitag.
Während das extrem milde Wetter im letzten Dezember-Drittel den bis dato zu kalten Dezember ins Plus drehte, könnte diese Lage den bis jetzt viel zu mild gestarteten Januar (Abweichung rund 6 Grad plus) sogar ins Minus drehen. Machen wir dazu eine „Milchmädchenrechnung“ ;)! Angenommen wir haben 10 Tage, die rund 5 Grad zu warm waren und es folgen 10 Tage, die 5 Grad zu kalt sein werden, hätten wir nach gut 3 Wochen einen „durchschnittlichen“ Januar in Sachen Temperatur…
 
Voraussichtlich fällt am Donnerstag im Norden häufiger Regen, in den Bergen schon Schnee. Im Süden gibt es noch längere trockene Phasen mit Sonne. Am Freitag schwenkt von Westen her die feuchte Luft rein. So wird es in der Mitte und im Süden unbeständig mit Regen und Schnee. Die Schneefallgrenze sinkt dabei bis zum Wochenende ins Flachland. Am häufigsten schneit es dann in der Mitte und im Süden. In tiefen Lagen fällt aber nur nasser Schnee oder Schneeregen, der noch nicht liegen bleibt. Im Norden mischt die Sonne häufiger mit - so die grobe Tendenz.
 
Die Tageswerte gehen von 3 bis 10 Grad zu Wochenbeginn auf minus 4 bis plus 3 Grad am kommenden Sonntag zurück. Die Nachtwerte liegen zunächst bei plus 8 bis minus 2, ab Sonntag bei plus 2 bis minus 8 Grad.
Die dann zu uns einströmende Luftmasse hätte das Potential für wesentlich kältere Temperaturen. Um jedoch richtig eisige Winterwerte von zweistelligen Minusgraden zu erreichen, müsste sich diese Luftmasse (unter minus 10 Grad in 1500 Meter Höhe) setzen. Das heißt, sie müsste in sternklaren Nächten, idealerweise über Schnee, zur Ruhe kommen und sich in den noch sehr langen Januarnächten weiter auskühlen. Ohne Wind mit klarem Himmel wären dann selbst tagsüber kaum über minus 10 Grad in den schneebedeckten und kaum über minus 5 Grad in den schneefreien Gebieten drin. Die Nächte wären mit minus 10 bis minus 25 Grad eisigst. Das ist aber (noch) Theorie.
 
Es schaut eher danach aus, als würden die kalten Luftmassen mit Tiefs jonglieren. Das hieße eher wechselhaftes und kaltes Winterwetter mit einigen Schneefällen. Sich aber jetzt über das zu unterhalten, was danach kommt, ist müßig. Es kann ein Wintereinbruch von 3 Tagen sein, bei dem nicht viel passiert. Es kann aber auch der Auftakt einer hochwinterlichen Phase sein, die erst Schnee und dann fiesen Frost bringt.
Sonntag
Die Wetterlage am Sonntag.
 
Halten wir als Fazit des Ganzen fest: Die milden Tage sind bald gezählt. Das frostfreie und schloddrige Erkältungswetter wird weichen. Die ersten Anzeichen des Frühlings in der Natur werden sich wieder in zum Winterschlaf begeben. Das heißt auch, dass Sie Pflanzen, die Sie vielleicht aus dem Winterquartier raus ins Freie gestellt haben, wieder reinholen müssen/dürfen. Die salzlose Zeit auf den Straßen ist vorbei. Wir brauchen wieder den Eiskratzer und Schneebesen sowie genügend Frostschutz im Scheibenwischwasser.
 
Die nach Schnee lechzenden Wintersportgebiete werden ihren Schnee wohl wieder bekommen. Und mit dem Einfließen der deutlich kälteren Luftmassen kommt, wenn auch nur phasenweise, ein Himmelsgast wieder zurück, der sich ganz schön rar gemacht hat: Die Sonne!
 
(Alle Bilder/Grafiken: Kai Zorn)