Bollerwagen
So… fassen wir mal zusammen: Der Dezember war grau und es hat geschneit. Der Januar war grau und unglaublich kalt. Der Februar ist grau und kalt und es schneit!! Was eine tolle Bilanz. Am 15. Februar stand fest: Nur auf einer kleinen Insel  (nein, nicht in der Karibik, sondern in Deutschland) wurden 100 Sonnenstunden erreicht.  An den meisten Orten waren es allerdings unter 30! Wenn ich in die Gesichter meiner Freunde und Kollegen schaue, kann ich genau sagen, wer in den Bergen beim Skifahren bzw. Snowboarden  war, oder ein paar Tage in sonnigen Gefilden verbracht hat. Und ich erkenne das nicht anhand der Gesichtsfarbe (Frauen verwenden sowieso Sonnenschutzfaktor 50- da wird man einfach nicht mehr braun). Es geht eher um den Gesundheits- und Gemütszustand. Diejenigen, die weg waren haben die Grippewelle einfach mal weggelächelt. Und die fehlende Sonne kann man wohl auch besser ertragen, wenn man die Speicher zumindest mal kurz aufgetankt hat. Mich hat die Grippe sogar ein zweites Mal erwischt. Aber wenn ich ehrlich bin, möchte ich davon gar nicht wieder anfangen….
Deshalb habe ich mir für nächstes Jahr einen Schlachtplan zurecht gelegt:

-Ich muss endlich einen Skikurs absolvieren und in den Bergen Urlaub machen

Oder     -Ich werde Karnevalist und freue mich allein deshalb schon riesig auf den Februar

Oder     -Ich fliege sofort Anfang Februar in den Urlaub. Und zwar weit, weit weg!

Also einen dieser 3 Punkte sollte ich doch verwirklichen können! Wobei ich das mit dem Karneval ja schon mal versucht habe. Ich war sogar in Köln. Also so richtig mittendrin in der Stadt und in einer echten Kölner Kneipe. Mein Biene Maja Kostüm war irgendwie nur hinderlich. Entweder habe ich tierisch geschwitzt oder ich wurde ausgelacht. Naja, glücklicherweise hilft das ein oder andere Kölsch dabei, solche Situationen zu meistern. Ja und dann war da noch die gesamte Kölner Gesangskunst, die auf mich eingeprasselt ist. Doch diese konnte ich leider aufgrund des Dialektmangels nicht mitsingen, geschweige denn verstehen. Aber alle um mich herum haben sich prächtig amüsiert. Na gut, vielleicht bin ich einfach nicht für den Karneval gemacht und sollte das einsehen. Wenn ich allerdings all die feiernden, gut gelaunten Menschen im Fernsehen sehe, bekomme ich dann doch Lust. Halt aus der Ferne. Außerdem passen Hamburg und Karneval genauso gut zusammen wie Sandalen und Tennissocken... Also wenn schon Karneval, dann nur in den Hochburgen!

 
Und bevor ich mir dann bei wilden Skiabfahrts-Exzessen sämtliche Knochen breche, kommt für mich wohl nur der Urlaub weit, weit weg in Frage. Am besten irgendwohin, wo es heiß ist und das Meer Badewannentemperatur hat. Die Vorstellung, meine Schultern einfach mal wieder hängen zu lassen und nicht verkrampft und eingepackt wie ein Michelin Männchen das Haus zu verlassen ist unglaublich verlockend. Und endlich mal keine Wollschals, Wollmützen, Wollpullover, Wollhandschuhe etc. etc. mehr tragen. Mitten im Winter eine „Sommerpause“ machen. Eigentlich finde ich diese Idee während ich schreibe immer besser und werde sofort ins Internet gehen, um mich schlau zu machen.  Falls es klappen sollte, werde ich hier natürlich davon berichten.

Ach ja, ein großes Highlight habe ich dann doch im Februar. Und dafür MUSS es sogar kalt sein: Eine Kohlfahrt. Hierbei handelt es sich um einen Brauch, der in weiten Teilen Norddeutschlands zelebriert wird. Wie kann man das jetzt am besten erklären? Also: Es kommt irgendwo aus dem bremisch-oldenburgischen und ist für die Einwohner dieser Region die 5. Jahreszeit, eine Pilgerfahrt, quasi alle Feiertage plus Geburtstag an einem Tag ...einfach das allerbeste Mittel, um die Zeit zwischen Neujahr und Frühling zu überbrücken. Mit einer netten Gruppe und einem Bollerwagen begibt man sich auf eine mehrstündige Wanderung und absolviert dabei verschiedene (Trink) Spiele. Am Ende kehrt man zum Grünkohlessen in eine Wirtschaft ein.  Unter „Spiele“ versteht man übrigens pädagogisch wertvolle Dinge wie Teebeutelweitwerfen mit dem Mund (großartig bei Wind), Eierlaufen oder einfach jegliche Spiele, bei denen man sich so richtig zum Affen macht. Der Spaß ist also garantiert.

 
Da meine Kohlfahrt allerdings in Berlin stattfindet, werden wir die „Wirtschaft“ kurzerhand selbst übernehmen und meine Freunde aus Bremen müssen ran an den Herd um Grünkohl, Pinkel, Kassler und Kartoffeln zuzubereiten (An dieser Stelle möchte ich euch bitten „Pinkel“ zu googeln; ich weiß nicht, was drin ist und will es eigentlich auch gar nicht wissen). Dafür kümmere ich mich dann um den Abwasch. Das hat Tradition. Und wer am Ende den meisten Kohl gegessen hat, wird Kohlkönig bzw. Kohlkönigin.

Ich möchte jedem, der die Chance hat bei einer Kohlfahrt mitzumachen dies nur wärmstens empfehlen!!! Es ist gerade bei eisigen Temperaturen ein absolut tolles Erlebnis.
Da der komplette Februar noch kalt bleibt, schicke ich euch hiermit warme Gedanken!

Liebe Grüße
Eure Anneke